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Kleve: Konrad-Adenauer-Gymnasium will Kleiderordnung einführen

Wie viel nackte Haut ist erlaubt? : Klever Gymnasium will Kleiderordnung einführen

Sind tiefe Ausschnitte und hervorblitzende Unterwäsche okay? Am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleve tagt nach jahrelanger Diskussion bald die Schulkonferenz. Die Schüler sind gegen die Vorschläge von Eltern und Lehrern.

Es ist eine uralte Diskussion, die jetzt Fahrt aufnimmt: Wie sollten sich Schüler in der Schule kleiden? Braucht es dafür überhaupt Vorschriften? Am Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG) in Kellen geht es ganz aktuell um die Frage, ob eine Kleiderordnung eingeführt wird, die verbindlich für alle Schüler gilt.

Der Hintergrund: In den heißen Sommern der vergangenen Jahre trugen Lehrer im Kollegenkreis immer mal wieder vor, dass sie irritiert darüber seien, wie leicht bekleidet die Schüler zum Unterricht erscheinen: bauchfreie Shirts, Hotpants, zum Teil sichtbare Slips, die Jungs in Muskelshirts. „Das ist ein längerer Diskussionsprozess, den wir bewusst über einen Zeitraum von vielleicht zwei Jahren geführt haben. Jetzt habe ich mich entschieden, das Thema in die Schulkonferenz zu tragen“, sagte Schuleiter Heinz-Bernd Westerhoff am Dienstag auf Anfrage.

Für die neue Kleiderordnung, die am KAG eingeführt werden soll, haben die Lehrer ein Konzept erarbeitet, das sich am Konzept der Willy-Brandt-Schule in Mühlheim orientiert. Folgende Punkte sollen nach dem Willen der in der Schulkonferenz vertretenen Lehrer bald auch am KAG gelten: 1. Der ganze Kopf ist sichtbar; im Unterricht sind keine Kappen, Mützen, Jacken, Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen erlaubt. 2. Bauchnabel und Unterwäsche bleiben bedeckt. 3. Leggings sind okay, aber die Schüler ziehen eine kurze Hose, einen Rock oder ein langes Oberteil darüber. 4. Die Schüler zeigen keine tiefen Ausschnitte und lassen keine Unterwäsche hervorblitzen. 5. Die Kleidung ist frei von Aufdrucken, die Rassismus, Sexismus, Drogen oder Gewalt verherrlichen. 6. Sportliche Kleidung ist okay, aber die Schüler laufen nicht in Trainingsanzug oder Jogginghose herum.

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Auch die in der Schulkonferenz vertretenen Eltern waren für die Einführung dieser Regeln. „Wir hätten einen entsprechenden Beschluss mehrheitlich durchdrücken können“, sagt Schulleiter Westerhoff. Doch darauf verzichteten Lehrer und Eltern. Der Grund: Die Schüler wollten die Kleiderordnung in dieser Form nicht, sie war ihnen zu streng. Ein Beschluss wurde vertagt. Nun wollen die Schüler einen Gegenentwurf erarbeiten, beziehungsweise ihre Position formulieren. Dazu tagt am 3. November die Schülervertretung. Noch vor Weihnachten will Schulleiter Westerhoff dann eine Sondersitzung der Schulkonferenz einberufen, bei der die unterschiedlichen Positionen gegeneinander abgewogen werden sollen und ein Beschluss zu einer Kleiderordnung gefasst werden soll. 

Westerhoff betont, dass man am KAG ganz bewusst keine einheitliche Kleidung im Sinne einer Uniform einführen wolle. „Das wäre überhaupt nicht das, wofür wir stehen“, sagt er. Den Schülern solle bei der Wahl ihrer Kleidung größtmögliche Freiheit gelassen werden. Aber das ausgesprochene Ziel sei es, mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, wie weit die Freiheit des Einzelnen gehen darf. „Die Frage, die sich jeder stellen sollte, lautet: „Wie weit darf ich gehen in einer Gesellschaft, die schon weitgehend grenzenlos ist?“, sagt Westerhoff. Der Schulleiter betont auch, dass er eine Fürsorgepflicht gegenüber den Lehrer-Kollegen habe. Wenn Schüler im Unterricht allzu tiefe Einblicke zeigten, könne das Lehrer in Verhaltenskonflikte bringen. 

So gehen andere Klever Schulen mit dem Thema um: Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gibt es keine Kleiderordnung. Sehr vereinzelt sei es vorgekommen, dass Klassenlehrer Schüler auf eine unangemessene Kleidung hingewiesen haben, man habe im pädagogischen Gespräch dann eine Einigung beziehungsweise Einsicht erzielen können, so der stellvertretende Schulleiter Georg Lettmann.

An der Karl-Kisters-Realschule gibt es bereits länger eine Kleiderordnung, die sehr ähnlich der ist, die nun am KAG eingeführt werden soll. Gerade in den Sommermonaten werde das Thema immer mal wieder aktuell, sagt Schulleiter Kristian Best. Es sei vorgekommen, dass einer Schülerin, die ihren Bauchnabel im Unterricht nicht bedeckt gehalten hat, ein langes T-Shirt mit einem aufgedruckten Schul-Logo gegeben wurde, um das Problem zu beheben, so Best. Seit einiger Zeit sei es dazu aber nicht mehr gekommen.

An der Joseph-Beuys-Gesamtschule gibt es ebenfalls bereits eine Kleiderordnung. Die Schüler dürfen im Unterricht keine Kappen und keine Kapuzen tragen. „Es geht auch um die Gesundheit der Schüler. Deswegen verteilen wir lange T-Shirts, wenn Schüler bauchfrei tragen und somit die Nieren nicht geschützt sind“, sagt Schulleiter Christoph Riedl. Es habe in der Schulkonferenz auch schon mal Diskussionen darüber gegeben, eine einheitliche Schulkleidung einzuführen, in diesem Punkt habe man sich jedoch nicht einigen können, auch die Lehrer und Schüler unter sich nicht.

Dunja Übach, die Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, hält das Thema für sehr interessant. Sie kündigte an, es auf einer der nächsten Sitzungen behandeln zu wollen. „Es wäre schön, wenn man zu einer einheitlichen Lösung für alle Schulen kommen könnte. Sozusagen eine rote Linie, die Schüler nicht übertreten dürfen“, sagt sie. Auch die Schüler selbst beschäftige dieses Thema. Ihnen sei wichtig, wegen ihrer Kleidung nicht gemobbt zu werden.