Kleve: Klever und ihre Wünsche für 2020

Das Klever Land blickt auf das neue Jahr : Mein Kleve 2020

Wir haben fünf verschiedene Menschen aus dem Kleverland gefragt, was sie sich für 2020 wünschen. Von Wertschätzung, Aufenthaltsqualität, Kümmern, Kuschelkurs und mehr Fahrradfreundlichkeit ist die Rede.

Rita Derksen, Landwirtin, Speetenhof: „Wir haben uns für 2020 ein großes Projekt vorgenommen: Die Modernisierung unserer Molkerei in einem Neubau“, „Das Geschäft liegt derzeitig im Trend und ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir müssen jetzt etwas tun, um effektiver arbeiten zu können“, sagt Rita Derksen. Der Speetenhof mit seinen 75 Milchkühen hat sich schon früh auf Direktvermarktung mit hauseigener Molkerei konzentriert und sich mit seinen eigenen Produkten am Markt durchgesetzt. „Ich wünsche mir, dass die Arbeit aller Landwirte wieder mehr geschätzt wird, dass man sich mehr Gedanken über unser Essen macht und wo es herkommt. Aus einer Landwirtschaft, die in Deutschland sehr hohe Standards hat“, sagt sie.

Nina Kiesow, Kiesow seit 1850, Einzelhandel: „Ich wünsche mir, dass wir in Kleve wieder eine Händlervereinigung haben, damit wir Händler wieder mit einer Stimme reden können“, sagt Nina Kiesow vom gleichnamigen Lederfachhandel. „Es wäre auch besser, wenn wir wieder einen vierten verkaufsoffenen Sonntag bekämen. Nicht nur mit Blick auf die Einzelhändler – auch die Stadt kann sich an diesen vier Tagen präsentieren“, sagt Kiesow. Zumal mit Blick auf die immer offenen Sonntage in den Niederlanden eine Wettbewerbsverzerrung drohe. Die Stadt und die Händlerschaft müssten erkennen, dass man vom Bedarfseinkauf zum Erlebniseinkauf komme. Deshalb müsse auch weiter an der Aufenthaltsqualität in der Stadt gearbeitet werden. „Genauso ein Erlebnis wollen wir unseren Kunden weiterhin bieten“, sagt Kiesow. Ganz oben auf ihrer Wunschliste steht der Bürokratieabbau: „Ich möchte bei meinen Kunden sein und nicht hinten im Kämmerlein, um die richtigen Dokumente zu bearbeiten“, sagt Kiesow.

Janneke Zoller, Geschäftsführerin (SkF): „Ich wünsche mir, dass in Zukunft weniger Menschen unsere Hilfe brauchen. Das ist leider nicht der Fall und ein Indiz dafür, dass es Teilen der Gesellschaft immer schlechter geht“, sagt Janneke Zoller vom SkF. 2020 wird der SkF in Kleve 111 Jahre alt. Seit der Gründung im Jahr 1909 setzen sich die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) für die Belange und gesellschaftliche Integration von Frauen, Familien, Kindern und Jugendlichen in besonderen Lebenslagen ein. „Wir wollen dies nicht im Rahmen einer klassischen Festveranstaltung feiern, sondern mit verschiedenen Angeboten für die Menschen, die wir begleiten“, sagt sie. Mit Blick auf wohnungs-/arbeitssuchende Frauen fügt sie an, dass sich der Kreis hier mehr kümmern müsse: „Wir brauchen ein Angebot auch im Süden des Kreises.“ Für Kleve wünscht sie sich, dass es bei den Sportstätten endlich vorangeht, vor allem im Hoffmannstadion, und dass das Museum seine tolle Strahlkraft halten kann.

Daniel Boßmann-van Husen, FFF „Wir wollen auch 2020 einen wichtigen, bedeutenden Teil in der Klimapolitik spielen und werden den Parteien bei der Kommunalwahl in NRW ordentlich einheizen“, sagt Daniel Boßmann-van Husen. Fridays for Future (FFF) werde weiter Klimaschutz zum wichtigsten politischen Thema machen. Auch und gerade weil inzwischen manche gefrustet seien, weil in Deutschland nach einem Jahr Protesten immer noch keine konkreten Maßnahmen getroffen werden. „Wir werden in Kleve konkret fragen, wann die Innenstadt autofrei sein wird, wann der ÖPNV verlässlich ist, billiger, langfristig vielleicht kostenfrei. Wir wollen am konkreten Handeln festmachen, wer klimafreundlich ist, auch wenn alle Partien mit uns auf Kuschelkurs gehen wollen. Wir werden schauen, welche neuen Aktionsformen wir dafür finden“, sagt er. Eine Partei werde FFF im Kreis nicht sein: „Wir sind so erfolgreich, weil wir eine Schülerbewegung und keine Partei sind“, sagt er. Dennoch freue er sich privat auf die politische Arbeit bei den Grünen.

Christoph Riedl, Schulleiter, Joseph Beuys Gesamtschule „Gottseidank sind die Ausschreibungen für unseren Schulneubau heraus, so dass im nächsten Jahr der Planer bestellt werden kann und wir das Projekt neue Schule endlich schnell umsetzen können. Ich hoffe, dass wir im Zeitplan bleiben“, sagt Riedl. Der Schulleiter ist sicher, dass die Schule in der Oberstadt Räume finden wird, falls das Gebäude während der Bauarbeiten zeitweise geräumt werden muss. In der Joseph Beuys Gesamtschule läuft jetzt die Vorbereitung auf die Oberstufe und das Abitur, seine Lehrer werden am Stein hospitieren, schaut Riedel nach vorne. Gleichzeitig werde die Zusammenarbeit mit einer Schule im niederländischen Doentinchem ausgebaut: „Langfristig wollen wir Euregio-Schule werden“, sagt Riedl. Eine Schule gegen Rassismus ist die Joseph Beuys Gesamtschule schon: „Der Israel-Austausch steht fest. Der wird im August sein“, sagt Riedel. Für die Stadt wünscht er sich mehr Fahrradfreundlichkeit.