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Kleve: Klaus Stoffele schließt seinen Friseursalon

Menschen 2018 : Der Bart ist ab

Klaus Stoffele (71) schließt nach 42 Jahren seinen Friseursalon am Mittelweg. Mit ihm geht die Nachrichtenzentrale der Klever Oberstadt. Die Einrichtung übernimmt „Puppenspieler“ Heinz Bömler in der Viller Mühle in Goch-Kessel.

Als die Kölner Schauspielerin und Sängerin Trude Herr vor mehr als drei Jahrzehnten gemeinsam mit Wolfgang Niedecken (BAP) und Tommy Engel (Bläck Fööss) ihr wehmütiges Lied „Niemals geht man so ganz“ interpretierte, da rinnen nicht nur in der Domstadt Tränen über die Wangen. Ein bisschen wie die traurige Ballade fühlten sich kurz vor Weihnachten auch viele Stammkunden von Klaus Stoffele. Der Friseurmeister schloss nach 42 Jahren seinen Salon am Mittelweg/Ecke Brahmsstraße. „Mein Beruf war meine Passion“, sagt der 71-Jährige.

„Waschen, schneiden, föhnen“ war Klaus Stoffele schon in die Wiege gelegt. Die Eltern Josef und Hilda hatten zunächst einen Friseursalon an der Herzogstraße. Nach der Bombardierung Kleves wurden sie am Mittelweg heimisch und eröffneten 1965 im damaligen Neubau den Damen- und Herrensalon, den Klaus Stoffele 1976 übernahm. „Damals gab es am Mittelweg 20 Betriebe wie Zigarren Saueressig, Metzgerei Boltersdorf, Schlosserei Dußling, Anstreicher Stalder, Lebensmittel Silberg oder Schuhfabrik Otten und Leenders – alles weg. Ich war hier der letzte Handwerker“, bedauert er. „Das war eine andere Zeit damals, nicht so hektisch. Ein bisschen wie Königlich-Bayerisches Amtsgericht.“ Dieses besondere Flair konnte sich Klaus Stoffele bewahren, denn sein Herren-Salon war auch nach mehr als vier Jahrzehnten ein bisschen wie ein Wohnzimmer. „Wir haben viel gelacht. Und das erste, wenn die Kunden kamen, war ‚Was gibt es Neues?‘“

Wer vom Mittelweg-Meister mit Schere und Bürste verschönert werden wollte, der musste schon mal Geduld mitbringen, denn feste Termine gab es nicht. Um 8 Uhr wurde das Ladenlokal geöffnet, abgesehen von einer kurzen Mittagpause war der Chef bis 18 Uhr vor Ort – und das von Dienstag bis Samstag. „Der Montag war der Feiertag. Später gab es in der Stadt aber keinen Ruhetag mehr“, sagt Stoffele.

Aktuelle Tageszeitungen und diverse Illustrierten verkürzten die Wartezeit. Zudem gab es immer viel mit Bekannten und dem Friseurmeister zu erzählen, der eine Art Alleinunterhalter war. Dönekes gab es in den vielen Berufsjahren reichlich. So erinnert er sich an ein zappeliges Kind, das im Drehstuhl saß. Die Mutter war ganz nervös: „Erwin, halt still. Der Herr Friseur schneidet dich die Haare drap.“ Ein Original war seinerzeit Theke Rikke, dem zu Weihnachten ein Fläschchen Parfüm für die Haushälterin geschenkt wurde. „Er war sehr erfreut und kam dann jedes Jahr Heiligabend zum Salon und fragte nach: ,Hei noch Füm?‘“

Die Einrichtung, die seit der Eröffnung von Stoffeles Eltern 1965 nahezu unverändert ist und ein kleines Museum mit Raritäten wie „Schleißgerät für Rasierklingen“ beherbergt, geht zu Heinz Bömler zur Viller Mühle. „So lebt der Salon Stoffele in der Erinnerung weiter“, freut sich Klaus Stoffele, der jetzt mehr Freizeit hat. „Ein neues Kapitel, auf das wir uns beide sehr freuen“, sagt er und bezieht seine Frau Elisabeth ein, „die mich immer liebevoll unterstützt hat“.

Sport hat der Klever Friseur stets getrieben. Tennis, Fußball, Tischtennis und Kegeln waren schöne Hobbys, dazu singt er seit mittlerweile elf Jahren beim MGV Materborn. „Und zwischenzeitlich musste ein neuer Stoßdämpfer eingebaut werden“, schmunzelt er über die neue Hüfte. Gerne erinnert sich Klaus Stoffele noch an den Aufstieg des 1. FC Kleve in die Oberliga. „Nach dem Abpfiff habe ich vor vielen Zuschauern auf einem Podest an der Sprecherkabine FC-Fan Karl-Heinz Koenen kahl rasiert. Das war eine ganz große Gaudi!“

Der Abschied vom Friseursalon am Mittelweg geht Klaus Stoffele schon ans Herz: „Es war eine schöne Zeit, ein Stück meines Lebens. Einige Kunden haben geweint, viele Geschenke mitgebracht. Nun ist der Bart ab!“