1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Kinderglück vermittelt Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien

Kinder- und Jugendhilfe in Kleve : Ein Trio mit Herz für Kinder

Drei Kleverinnen haben sich selbstständig gemacht. Ihre Firma vermittelt Heranwachsende an Pflegefamilien und begleitet diese. „Kinderglück“ hat ein Geschäft im Spoy-Center bezogen, wo nur noch ein Ladenlokal leersteht.

Nach der Arbeit abzuschalten, sei meist nur schwer möglich – das gibt Daniela Bertrams zu. Immerhin beschäftigt sie sich rund um die Uhr mit einem besonders sensiblen Thema: der Vermittlung von Kindern in Pflegefamilien. „Das ist zwar nicht immer einfach. Aber die Gewissheit, dass wir nicht für die Vergangenheit, sondern für eine bessere Zukunft der Kinder verantwortlich sind, hilft“, sagt Bertrams.

Sie hat sich vor einigen Monaten mit Tanja Hülsmann-Remy und Margarita Zulauf selbständig gemacht. In ihrer Firma „Kinderglück“, ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, dreht sich alles um das Glück von Heranwachsenden. Kinder und Jugendliche, die vom Jugendamt oder per Beschluss des Gerichts aus ihren Herkunftsfamilien genommen werden, stehen im Mittelpunkt der Klever Firma. Aktuell kümmere man sich um insgesamt neun Kinder – Tendenz steigend.

„Die Gründe, weshalb Kinder aus ihren Familien genommen werden, sind sehr vielfältig: Kindesmissbrauch, Vernachlässigung, Drogenmissbrauch. Die Schicksale sind meist dramatisch“, sagt Tanja Hülsmann-Remy, die studierte Sozialpädagogin ist. Ein junges Beispiel habe sie besonders bewegt. So erhielt die junge Firma den Auftrag vom Jugendamt, eine Familie für ein Kleinkind zu suchen, das von seinem Stiefvater blindgeschüttelt worden war. „Ein solcher Fall nimmt einen schon mit“, sagt die Sozialpädagogin Hülsmann-Remy.

Auch weil die Jugendämter der Region hoffnungsvoll überlastet seien, erhalte man immer wieder Vermittlungsanfragen. Mitunter suche das Trio dann bloß nach einer sogenannten Bereitschaftspflegefamilie, bei der Kinder vorübergehend unterkommen können, wenn noch nicht klar ist, ob sie zurück in ihre eigentliche Familie dürfen. Meistens aber suche man nach einer Familie, die für immer zur Heimat des Kindes werden kann. „Wir prüfen sehr genau und mit hohen Qualitätsstandards, ob eine Familie dazu geeignet ist“, sagt Margarita Zulauf, die an der Hochschule Rhein-Waal Kindheitspädagogik studiert hat.

So hole man etwa ein erweitertes Führungszeugnis der neuen Eltern ein, erkundige sich nach Schufa-Einträgen, beschäftige sich mit der Biographie. „Von großem Vorteil ist es natürlich, wenn die Eltern einen pädagogischen Hintergrund haben“, sagt Bertrams, die ebenfalls als Vormund aktiv ist. Auch eine medizinische oder soziale Ausbildung sei besonders passend. Noch wichtiger aber sei es, dass man das Gefühl habe, dass die Chemie zwischen Eltern und Kind stimme. „Wir wollen nicht durch Quantität, sondern mit Qualität langsam wachsen“, sagt Bertrams. Die Verantwortung des Trios sei so groß, dass man es sich nicht erlauben könne, eine Vermittlung leichtfertig zu arrangieren.

Doch mit der Vermittlung allein ist die Arbeit des Trios nicht getan. Vielmehr beginne sie dann erst richtig. So begleiten Bertrams und Kolleginnen die Pflegeeltern und deren neue Kinder beim Austausch mit den Behörden, in Konfliktsituationen oder beim Dialog mit den Herkunftsfamilien. Auf diese treffen die Kinder in den Räumlichkeiten von „Kinderglück“ im Spoy-Center. „Dieser Raum hat sich als sehr geeignet für diese Gespräche herausgestellt, das ist ein Ort der Ruhe“, sagt Bertrams, die auch ihren wenige Monaten alten Hund Luke zu Therapiezwecken einsetzt. Der Goldendoodle befinde sich zwar noch in der Ausbildung, Zulauf aber sagt: „Er zaubert Kindern schon jetzt zuverlässig ein Lächeln aufs Gesicht.“

Die Ansiedlung der jungen Klever Firma im Spoy-Center reiht sich in eine Serie von Neueröffnungen in der Sorgenkind-Immobilie ein. Nur noch ein Lokal ist nicht vermietet. Zeitnah soll im Spoy-Center gar eine Cocktail-Bar eröffnen. „Im vergangenen Jahr wirkte es hier noch eher verlassen, ja manchmal auch gespenstisch. Mittlerweile aber gibt es viel mehr Publikumsverkehr. Wir fühlen uns sehr wohl hier“, sagt Hülsmann-Remy.