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Kleve: Im Amphitheater soll ein Arboretum mit alten Obstbaumsorten entstehen

Parkpflegewerk in Kleve : Ein Obstbaumgarten für alle

Am Barockpark in Kleve entsteht an Stelle des alten Kinderheims Münze ein „Arboretum“ mit Wegen, Platz und vielen alten Obstbäumen. Die Sichtachsen zum Kupfernen Knopf sollen wieder freigeschnitten werden.

Die Pläne machen Lust auf die nahe Zukunft: Das im Parkpflegewerk für Kleves barockes Amphitheater mit Prinz-Moritz-Kanal und Forstgarten geforderte „Arboretum“ auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims Münze könnte bald Gestalt annehmen. Ein „Arboretum“ ist eine Art „Baummuseum“. Und das am Prinz-Moritz-Kanal wird ein Baummuseum zum Anfassen, zum Ernten, zum bewundern alter Obstsorten. Hauptsächlich Apfelbäume sollen hier gesetzt werden. Letztlich können die Bürger sogar ernten und mit ein paar Äpfeln in der Tasche nach Hause gehen. Es sollen Kurse gehalten werden, wie man mit seinen eigenen Apfelbäumen richtig umgeht, wie man den Baumschnitt macht. Eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal ist angestoßen, Prof. Jens Gebauer, der ja ein Faible für alte Apfelbaumsorten hat, soll bereits im Boot sein.

Landschaftsarchitekt Uwe Jochems von Landschaft + Garten aus Solingen stellte im Klever Ausschuss für Kultur und Stadtgestaltung die Pläne für das neue Arboretums vor. Der Landschaftsarchitekt stellte gleich klar, dass hier keine „Besenstiele“ (so Jochems) gesetzt werden, sondern Bäume mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimeter. Es werden Obstbäume auf Hochstämmen gepflanzt, um die Sichtbezüge des Parks zu wahren. Neben den Apfelbäumen sollen auch unter anderem Kirschen oder Pflaumenbäume vorkommen. Gepflanzt werden diese Bäume in Reihen, die als Raster Sichtachsen auf den Ceres-Tempel und den Kupfernen Knopf, auf den Kanal frei geben.

Ein Fahrradparkplatz soll am oberen Ende zur Draisine hin gebaut werden, der PKW-Parkplatz der Gaststätte „Zur Münze“ soll als Sichtschutz abgepflanzt werden – vielleicht auch mit Früchte tragenden Sträuchern. Der Graben zwischen dem Gelände und dem Weg entlang des Kanals soll wieder reaktiviert werden und Wasser führen. Das ist nicht nur bloße Optik, sondern dient auch der Entwässerung des Geländes, so Jochems. Wegen wasserundurchlässigen Schichten müsse man die Bäume auch leicht erhöht pflanzen, damit die Wurzeln nicht im Stauwasser kaputt gehen.

Vom Weg entlang des Kanals, vom Forstgarten und von der Draisine aus wird es vier Stege über die Gräben geben. Die Stege erschließen das künftige Arboretum zu den Wegen durch den Baumpark. Die Hauptwege in dem neuen Park bekommen eine wassergebundene Decke, weitere Wege werden in die Wiese unter den Bäumen geschnitten. Die Wiese unter den Bäumen wird insektenfreundlich sein: „Das ist eine Bienenwiese im ökologischen Sinne“, sagt Jochems. Es wird darin eine Spielfläche freigehalten, auf der auch die Kurse abgehalten werden, es werden Bänke aufgestellt und Sitzsteine, auf denen Kinder auch klettern können. Die Fläche für den Park ist bereits freigeschnitten. Alte größere Gehölze hat man stehen lassen: „Das sind Haselnuss, Erlen, Eichen und Hainbuchen, die standsicher sind“, sagt der Landschaftsarchitekt.

Es sei für ihn eine tolle Aufgabe gewesen, diesen bedeutenden Park hier passend zum historischen Kontext weiterzuentwickeln: Der berühmte Gartenarchitekt Weyhe (1775 bis 1846), der den Forstgarten an den Barockpark anschloss, habe immer ein Stück Nutzgarten dabei, erklärte Jochems. Der Solinger Landschaftsarchitekt hatte verschiedene Vorentwürfe gemacht, die mit dem Denkmalschutz abgestimmt wurden, bis der jetzt vorgestellte feststand und umgesetzt werden kann.

Die Politik war durchweg begeistert, weil sich alle den „tollen Eindruck der blühenden Wiese mit den Obstbäumen“, den Jochems versprach, auch vorstellen konnten. Niklas Lichtenberger und Petra Tekath (beide SPD) begrüßten das Ganze und regten eine baldige Umsetzung an, Wolfgang Gebing (CDU) zeigte sich für seine Fraktion begeistert von diesen Ideen, auch weil hier sichtlich an die historische Planung Weyhes angeknüpft werde. Ausschussvorsitzender Jörg Cosar (CDU) mahnte, das Projekt jetzt auch zügig an Angriff zu nehmen.