Kleve Hochschule Rhein-Waal mit doppelt so vielen Ingenieuren im Ziel

Hochschule Rhein-Waal : Doppelt so viele Ingenieure im Ziel

Die Technologie-Fakultät bringt inzwischen 57 Prozent ihrer Studenten bis zum Bachelor-Fachsemester. Auch die anderen Fakultäten steigerten die Erfolgsquoten. Damit liegt die junge Hochschule jetzt im Bundesdurchschnitt.

Die Erfolgsquoten für Studenten in den Studiengängen der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) haben sich verbessert: In allen Fakultäten der Hochschule erreichen inzwischen deutlich mehr Studenten das Ende des Studiums, als in den Anfangsjahren. HSRW-Präsident Oliver Locker-Grütjen stellte jetzt die neuen Zahlen der Studienverläufe an seiner Hochschule vor. Dabei gelang es der Fakultät Technologie und Bionik, die Zahl der Studierenden zu verdoppeln, die das achte Fachsemester erreichen. Das achte Fachsemester wird als Vergleichszahl genommen, weil das die Bindung an die Hochschule aufzeigt und diese Studenten in der Regel in die Bachelor-Prüfung gehen. Bundesweit gehören Ingenieurwissenschaften und Mathematik zu den Studiengängen mit den höchsten Abbrecherquoten.

Bei dieser sogenannten „Kohortenuntersuchung“ sind in Kleve in der Fakultät Technologie und Bionik 57 Prozent der Studierenden, die sich 2015/16 für ein Ingenieurstudium eingeschrieben haben, im 8. Semester ihres Studiums und damit kurz vor dem Abschluss, erklärt Locker-Grütjen. In der Fakultät Life Sciences sind es 51 Prozent, in Gesellschaft und Ökonomie 56 Prozent, in der Fakultät Kommunikation und Umwelt 47 Prozent. „Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Regelstudienzeit in den anderen Fakultäten niedriger ist und sehr viel häufiger bereits im siebten Semester das Studium beendet wird und deshalb weniger Studierende im achten Semester noch eingeschrieben sind“, fügt HSRW-Sprecherin Gabriele Stegers an.

Der moderne Campus mit Blick auf die mittelalterliche Skyline der Stadt mit Burg und Stiftskirche. Foto: van Offern, Markus (mvo)

Vier Jahre vorher sahen diese Zahlen ganz anders aus: Vom Jahrgang 2011/12 erreichten in der Fakultät Technologie und Bionik nur 26 Prozent das achte Semester, bei Life Science waren es 42 Prozent, bei Gesellschaft und Ökonomie 50 und bei Kommunikation und Umwelt 42 Prozent. Bundesweit gesehen wird mit einem Drittel Abbrecher gerechnet. Darin reiht sich die HSRW ein. Wirklich stichfeste Zahlen gibt es zu Abbrechern bundesweit nicht: „Studienwechsler laufen als Abbrecher ebenso, wie jene, die die Hochschule wechseln oder ins Ausland gehen. Deshalb müssen wir mit Erfolgsquoten rechnen“, sagt Locker Grütjen. „Unsere Maßnahmen, die Studierenden besser durch die Studiengänge zu führen, haben sehr gut gegriffen“, sagt Prof. Dirk Nissing, Dekan der Fakultät Technologie und Bionik. Diese Maßnahmen wurden schon Ende 2014 angestoßen, so Nissing. „2017 wurden dann mit Blick auf die besondere Zusammensetzung der Studierenden die Studienverlaufspläne geändert und beispielsweise in den Ingenieurwissenschaften die Grundlagen für Mathematik gestärkt und die Deutschkurse verankert“, erklärt Locker-Grütjen.

Der HSRW-Präsident will mit der Förderung der Studierenden künftig noch früher beginnen. „Wir denken an die Einführung eines ,Null-Semesters’“, sagt Locker-Grütjen. Das ist nicht unüblich. Ein solches Vorsemester, das nicht auf die Semesterzahl angerechnet wird, bietet beispielsweise die Universität Hamburg als Propädeutikum besonders für internationale Studenten an. An der Hochschule Rhein-Waal soll es dazu dienen, die nötigen Grundkenntnisse auf ein gemeinsames Level zu bringen, und die Internationalen, die vor allem in der Fakultät Technologie und Bionik einen großen Teil der Studierenden ausmachen, noch besser einzubinden.

Auch hätten, so Nissing, die künftigen Studenten dabei die Möglichkeit, ihre Studienwahl nochmals zu checken. „Dann kann der Studierende schon im Vorsemester erkennen, dass er doch lieber Mechatronik studieren möchte, anstatt Maschinenbau“, sagt der künftige HSRW-Vizepräsident Prof. Peter Kisters. Die Studenten sollen erfahren, was sie erwartet, sie sollen Kontakte aufbauen können und man möchte ihnen die Berührungsängste nehmen, beispielsweise in die Sprechstunden zu gehen, erklärt Kisters. Die internationalen Studierenden müssen inzwischen bis 15. Oktober eingeschrieben sein. All das verbessere die Qualität. Kisters ist klar, dass die Hochschule gerade ihren internationalen Studierenden eine hohe Verantwortung gegenüber hat, möglichst das Studium erfolgreich zu beenden. „Die fallen bei einem Abbruch nicht weich“, sagt Kisters.

„Diesen Herausforderungen wollen wir uns stellen“, sagt Locker-Grütjen. Und: „Wer als Studierender erkennt, dass er in der Praxis besser aufgehoben ist, dem müssen wir auch den Weg in die berufliche Ausbildung aufzeigen“, sagt Nissing. Locker-Grütjen fügt an: „Ganz wichtig - allen muss klar sein: Ein Studienabbruch ist kein Scheitern!“.

Nur eines werde die Hochschule keinesfalls anrühren: „Bei der Qualität unserer Abschlüsse in den Bachelor und Masterstudiengängen machen wir keine Kompromisse“, unterstreicht Nissing.

Mehr von RP ONLINE