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Kleve Hobbybrauer sagen im Kolpinghaus: Bierbrauen ist Kunst

Kleve : Bierbrauen ist Kunst

Der Verein für Hobbybrauer in Deutschland war am Wochenende in Kleve zu Gast. Verkostet wurde im Kolpinghaus bereits am frühen Morgen. Die Aktiven hüten das Reinheitsgebot – blicken aber auch darüber hinaus.

Mit den großen deutschen Industriebieren können Detlef Mai, Marcus Fontain und Thomas Theelen nicht viel anfangen. „Das schmeckt uns zu angepasst, es gibt kaum Unterschiede. Dabei kann man so viel mit Bier machen. Man kann seiner Geschmackskreativität freien Lauf lassen“, sagt Marcus Fontain. Er und seine Kollegen organisierten am Wochenende in Kleve ein Treffen des Vereins für Haus- und Hobbybrauer in Deutschland. Aus dem gesamten Bundesgebiet reisten knapp 120 Teilnehmer an.

Schon seit 26 Jahren gibt es den Verein, aktuell zählt er mehr als 700 Mitglieder – Tendenz klar steigend. Corona tat der Entwicklung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. „Die Leute hatten mehr Zeit und haben sich auch verstärkt dem Bierbrauen zugewandt. Daher haben sich uns zuletzt auch viele junge Menschen angeschlossen, die wieder auf den Biergeschmack gekommen sind“, so Fontain, Schriftführer des Vereins, der im Kolpinghaus zu Gast war. Jedes Jahr trifft sich die Szene in einer anderen Stadt, nun war Kleve an der Reihe. Der Ort sei auch deshalb so spannend, weil die Grenze zu den Niederlanden nahe sei. „Der Austausch über Grenzen hinweg liegt uns am Herzen. Daher freuen wir uns, dass viele Holländer mit ihren Bieren vor Ort waren“, so Mitveranstalter Thomas Theelen.

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Doch was macht ein gutes Bier aus? Das sei unzweifelhaft Geschmackssache, so Detlef Mai. Allerdings gebe es gewisse Kriterien, mit der man der Antwort näherkommen könne. Der Schaum, der herbe Geschmack, ein malziger Abgang – für ein gutes Bier müsse eine Menge zusammenkommen. Die Organisatoren hatten eigens eine Software entwickelt, um die von den Hobbybrauern mitgebrachten Biere zu bewerten. Drei Wettbewerbe wurden ausgerufen, es ging um Schwarzbiere, niederrheinische Altbiere und Belgisches Blondbier. Kleine Proben der Biersorten reichen den Experten, volltrunken ist so schnell niemand. Wie Weinkoster probieren die Hobbybrauer aber nicht. „Man muss das Bier schlucken, um die Bitterstoffe zu schmecken. Die Zunge schmeckt vorne nämlich nur süß, salzig und sauer“, sagt Marcus Fontain.

Und durchaus überraschend: Die Hobbybrauer kosten ihre eigenen Werke nicht kühl. „Bier muss man nicht gekühlt trinken. Das Märchen nutzt den Industriebrauereien. Je kühler ein Bier, desto weniger Aromen schmeckt man. Eine Biertemperatur von zehn bis zwölf Grad ist zum Kosten perfekt“, so Detlef Mai. Das deutsche Reinheitsgebot liegt den Männern am Herzen. Sie hüten es.

Doch es würde sich gelegentlich auch lohnen, über die Grenzen der heiligen Regel hinauszublicken. Das Belgische Blondbier etwa sei ein Versuch wert, so Marcus Fontain im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch die Amerikaner würden sehr kreativ brauen. „Man kann aber auch innerhalb des Reinheitsgebots eine Menge machen. Der Geschmack kann über den Hopfen angepasst werden. So gibt es beispielsweise Biere, die nach Mentol schmecken“, sagt Theelen.

Die Haus- und Hobbybrauer produzieren zwar nicht im großen Stil – dafür aber unter Aufsicht des Staates. Wer mehr als 200 Liter des flüssigen Goldes im Jahr braut, muss sich nicht nur offiziell anmelden, sondern auch Steuern abführen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, mit der Politik darüber zu sprechen, dass diese Regelungen fallen. Es fällt uns allerdings schwer, da eine Lobby zu erkämpfen. Doch wir bleiben dran“, sagt Fontain. Schließlich sei der Aufwand für die Zollämter höher als der Ertrag. Wer als Hobbybrauer 220 Liter Bier herstellt, muss etwa 77 Cent Steuern zahlen.

Das Wochenende nutzten die Bierfreunde vor allem zum Austausch, zum Philosophieren übers Bier. „Diese Veranstaltung ist für unsere Mitglieder eine wichtige Plattform. Hier kosten wir die Biere und geben einander ehrliche Rückmeldungen. Viele Biere sind schon sehr gut. Aber es kommt auch vor, dass ich sagen muss, dass das Brauen irgendwie misslungen ist. Manchmal ist der Geschmack zu säuerlich oder zu herb. Aber daraus lernt man, beim nächsten Mal klappt es besser“, so Marcus Fontain. Der Mann aus Tönisvorst wurde zum Hobbybrauer, nachdem seine Lieblingsbrauerei Rhenania in Krefeld den Betrieb 2003 eingestellt hatte. „Und wer kein Bier mehr findet, das einem schmeckt, muss eben selbst aktiv werden“, sagt Marcus Fontain.