Kleve: Heftige Diskussion über Inklusion im Rat der Stadt Kleve

Inklusion : Realschule keine Schule des gemeinsamen Lernens

Der Rat der Stadt Kleve lehnte den Antrag der Bezirksregierung mit großer Mehrheit ab, die Kisters-Realschule zur Zeit zu einer Schule des Gemeinsamen Lernens zu machen. Ebenso wurde mit großer Mehrheit der Antrag von Anne Fuchs (OK), alle Klever Schulen zu Schulen des Gemeinsamen Lernens zu machen, abgelehnt.

Gegen die Stimme von Anne Fuchs wurden die beiden Gesamtschulen, wie im Antrag der Bezirksregierung gefordert, zu Schulen des gemeinsamen Lernens ernannt.

Die Leiterin des Fachbereich Schulen, Kultur und Sport, Annette Wier, hatte ausführlich und deutlich herausgearbeitet, warum die Karl-Kisters-Realschule keine Schule des Gemeinsamen Lernens werden könne: Der Schule fehlten die Räumlichkeiten und die nötige Sozialpädagogen, um Schüler, die zieldifferent unterrichtet werden müssen, aufnehmen zu können. Als zieldifferent gelten Schüler, deren Beeinträchtigungen so langfristig und schwerwiegend seien, dass die Ziele der Schule (hier der Realschulabschluss) wahrscheinlich nicht erreicht werden können. Damit ein zieldifferenter Unterricht innerhalb einer allgemeinen Schule im Rahmen der Inklusionsbemühungen erfolgen könne, müssen personelle und bauliche und sachliche Voraussetzungen vorliegen oder geschaffen werden, so Wier. Und die liegen bei der Kisters-Realschule nicht vor. „Es ist nicht so, dass die Schule das aus grundsätzlichen Abwägungen ablehnt. Sie lehnt es ab, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen kann“, sagt Wier. Dennoch gelang es der Fachbereichsleiterin, fünf zielgleiche Kinder (das sind Kinder, die den Abschluss wahrscheinlich schaffen) noch in der Realschule unterzubringen. Wier erklärte, dass diese Kinder bei der Vergabe der knappen Plätze an der Realschule gesetzt sind. Bürgermeisterin Northing unterstrich, dass die Bezirksregierung dies nicht einfach bestimmen könne, sondern die Zustimmung der Stadt benötige. „Die wollen und können wir im Falle der Kisters-Realschule nicht geben“, so Northing.

Dennoch diskutierte der Rat mehr als eine Stunde über das Thema, nachdem Michael Bay (Grüne) insistierte, dass alle Schulen inklusiv sein müssten und Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) eine künftige Vierzügigkeit der Realschule nicht mit der fehlenden Räumlichkeit übereinbringen konnte. Dem hielt Jörg Cosar (CDU) entgegen, wie man denn bitteschön bei einer dreizügigen Realschule mit 33 bis 35 Kindern je Klasse noch zieldifferent vernünftigen Unterricht geben solle. Daniel Rütter fügte an, man solle nur zustimmen, wo es sinnvoll sei, solche Schulen einzurichten.