Kleve/Hamminkeln: Vater findet Phosphor-Bombe am Rheinufer

Rheinufer bei Kleve : Vater aus Hamminkeln findet Splitter von Phosphor-Bombe

Der Rhein fördert bei Niedrigwasser Kampfmittel zu Tage: Als Denis Trisolini beim Spielen mit seinen Kindern bei Kleve einen vermeintlichen Stein aus dem Wasser zog, entzündete sich dieser plötzlich. Die Behörden warnen.

Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Tage haben Kampfmittel-Reste am Rheinufer bei Kleve die Polizei auf den Plan gerufen. Wie jetzt bekannt wurde, hatten Experten des Kampfmittelräumdienstes Mitte vergangener Woche eine Granate in der Nähe der Emmericher Rheinbrücke beseitigt. Nun machte der Familienvater Denis Trisolini an selber Stelle einen gefährlichen Fund: Er legte unwissentlich Reste einer Phosphor-Bombe frei, die im zehn Zentimeter tiefen Wasser lagen. „Ich war im Niederigwasser mit meinen Kindern auf Schatzsuche“, berichtet der Hamminkelner. „Wir haben Tonscherben und einen rostigen Fahrradsattel gefunden – und eine Art schimmernden Stein.“ Das Stück habe nicht ausgesehen wie ein Bombensplitter. „Als ich es aus dem Wasser holte und einige Zeit in meinen Händen hielt, fing die Oberfläche plötzlich an zu dampfen“, sagt Trisolini.

Unscheinbar, aber brandgefährlich: Dieses Stück einer mit Phosphor gefüllten Bombe fand Denis Trisolini am Rheinufer. Foto: Denis Trisolini

Die Gefahr, die von dem Fundstück ausgeht, wurde dem Vater sofort bewusst. Er legte den vermeintlichen Stein zurück ins Wasser und brachte auch seine Kinder in Sicherheit. Rasch war ihm klar: Das, was er im Niederigwasser gefunden hat, war kein Stein, sondern weißer Phosphor, der an einem stark verrosteten Metallstück haftete. Das Tückische: Die Phosphor-Reste entzünden sich, wenn sie mit Luft in Kontakt kommen. „Kampfmittelfunde mit Phosphoranhaftungen sind äußerst gefährlich. Selbst geringste Mengen können sich an der Luft selbst entzünden. Da jedoch für einen Laien nicht erkennbar ist, ob es sich um ein Kampfmittel mit Phosphoranhaftungen handelt oder nicht, gilt auch in diesem Fall: Jegliche unbekannten Objekte sollten weder angefasst noch bewegt werden“, sagt Dagmar Groß von der Bezirksregierung Düsseldorf. Deren Aufgabe ist es auch, Blindgänger und Bombenreste fachgerecht zu beseitigen – so wie vergangene Woche geschenen. Seitdem der Rhein starkes Niederigwasser führt, häufen sich Kampfmittel-Funde, wie Fälle aus mehreren anderen Städten – darunter Bonn und Köln – belegen.

Familienvater Denis Trisolini informierte nach seinem Fund in Kleve die Polizei, die wiederum das Ordnungsamt alarmierte. Das, so teilt es eine Sprecherin der Stadt mit, sei jedoch am Rheinkilometer 849 nicht fündig geworden. Interessant: Trisolini gibt an, das Fundstück mit einer Eisenstange markiert zu haben. Er sagt: „Hoffentlich hat niemand den Splitter mitgenommen.“ Inzwischen weisen handgeschriebene Zettel an der Fundstelle darauf hin, dass Spaziergänger Vorsicht walten lassen sollten. Auch die Polizei appelliert, nichts Verdächtiges anzufassen oder gar mitzunehmen. „Wer etwas Verdächtiges findet, sollte uns informieren und den Gegenstand im Blick behalten“, sagt Polizei-Sprecher Michael Ermers.

Spaziergänger sollten sich auch nicht davon irritieren lassen, dass Phosphor-Rückstände teils aussehen wie Bernstein, teilt die Stadt Kleve mit. An der Ostseeküste kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen Spaziergänger vermeintliche Bernstein-Brocken sammeln, die sich beim Trocknen in ihren Taschen entzünden und für schwere Verbrennungen sorgen.

Weißer Phosphor in Verbindung mit Kautschuk wurde im Zweiten Weltkrieg zur Bestückung von Brandbomben eingesetzt. Auch noch 73 Jahre nach Kriegsende lauern viele Tonnen Kampfmittel im Rhein; meist werden die explosiven Altlasten bei extremen Wasserständen wie Niederig- und Hochwasser an die Oberfläche gespült.

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