Kleve: Großbaustelle Deich für 20 Mio. Euro

Oraniendeich in Kleve : Großbaustelle Deich

Die Arbeiten für den neuen Deich zwischen Rheinbrücke und Griethausen gehen voran. Der Deich bekommt derzeit eine neue Außenhaut, die Anschlussstellen für die Rückverlegung werden gebaut.

Die Deichlinie ist weg, das gewohnte Bild zerstört. Da, wo einst die Straße von der Emmericher Rheinbrücke geradezu schnurgerade gen Griethausen führte, blickt man von der Brücke in einen riesigen „Sandkasten“: Etliche Bagger graben sich in die Erde, schwere Lkw fahren im Minutentakt in die Baustelle ein und aus, Radlader kippen schaufelweise braune Erde in Muldenkipper, Sandberge türmen sich auf. Eine Riesenbaustelle.

Hier wird der Deich zwischen Rheinbrücke und Griethausen auf vier Kilometern Länge erneuert und erhöht, in Teilen zurückverlegt, er bekommt eine neue Straße, ein neues Schöpfwerk muss gebaut werden. 20 Millionen Euro wird der Deichverband verbaut haben, wenn die Strecke Anfang 2022 wieder für den Verkehr freigegeben werden soll.

Die Großbaustelle am Rhein bei Griethausen: über vier Kilometer wird der Deich saniert und teils erneuert. Foto: Markus van Offern (mvo)

Der Verkehr von und nach Kleve muss wieder komplett über die Emmericher Straße nach Kleve hinein und hinaus geführt werden. Die direkte Verbindung zur Industriestraße auch als Umgehung von Kellen ist gekappt, von der kurzen Verbindung von Griethausen über den Oraniendeich gen Brücke ganz zu schweigen.

Bis jetzt wurde dem alten Deich an der Rheinbrücke lediglich die obere Haut weggenommen, in seiner Grundstruktur bliebt der Hochwasserschutzbau hier erhalten. „Die ersten 800 Meter bleibt die Deichlinie bestehen“, sagt Bernhard Schlüß, Geschäftsführer des Deichverbandes Xanten-Kleve. Dann verschwenkt der neue Deich ein Stück zurück, um 1500 Meter weiter wieder auf die alte Deichlinie zu treffen. „Wir bauen derzeit diese beiden Abzweige aus“, sagt Schlüß.

Diese beiden „Löcher“ im Deich für diese Schnittstellen sollen bis zu Beginn der Hochwasserzeit im November wieder geschlossen sein. Gleichzeitig wurde die entfernte Deichhaut auf den ersten 800 Metern erneuert, das „Erdprofil auf der Wasserseite ertüchtigt“ (so Schlüß). Zusätzlich bekommt der Deich eine höhere Krone. In den Wintermonaten soll hinter dem Oraniendeich dann mit Erdarbeiten für den neuen, zurückverlegten Deich zwischen den beiden Verschwenkungen begonnen werden. Das sei aber, so Schlüß, von der Witterung im Winter abhängig.

Derzeit müssen sehr viele Erdmassen transportiert werden, erklärt der Geschäftsführer. Das Erdreich des alten Deichs wird im neuen Deich wiederverwendet, es gibt eine effiziente Verwendung der „Aushubströme“, berichtet die mit dem Bau beauftragte niederländische Deichbaufirma MVO Marten en van Oord. Neben Deich und Schöpfwerk muss sie auch die Straße komplett erneuern. MVO terminiert die Fertigstellung auf März 2022.

Doch von dem Großauftrag für den niederländischen Deichbauspezialisten profitieren auch heimische Fuhrunternehmer. Denn bei den Kapazitäten, die man braucht, um diese Erdmassen zu bewegen, werden auch lokale Subunternehmer beauftragt. „So viele Lkw hat ein einzelnes Unternehmen nicht, das muss dann noch einmal vergeben werden“, sagt Schlüß. Das sei so üblich.

Schlüß betont aber auch, dass man erst mit den Bauarbeiten begonnen habe und die Baustelle sich noch ausdehnen werde. Immerhin werden vier Kilometer Deich verbreitert und standsicherer gemacht, davon das zurückgelegt Stück komplett neu aufgebaut. Für den Anfang laufe es schon sehr gut, erklärt Schlüß mit Blick auf die Klever Großbaustelle des Deichverbandes Xanten-Kleve.