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Kleve/Goch: Polizei weitet Fahndung nach Gangster-Paar aus

Kleve/Goch : Polizei weitet Fahndung nach Gangster-Paar aus

Trotz Hinweisen aus der Bevölkerung bleiben S. (27) und N. (22) untergetaucht. Die Frau hatte den Straftäter aus der Psychiatrie befreit. Nach ihrer Flucht beteiligen sich auch die niederländische Polizei und internationale Medien an der Suche.

Sie sind weiter auf der Flucht - und das bewaffnet. Straftäter S. (27) und seine Komplizin N. (22) bleiben trotz Großfahndung untergetaucht. "Wir haben Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, bisher konnte aber keiner zur Ergreifung der Flüchtigen führen", sagt Polizeisprecherin Manuela Schmickler. In einem Fall habe es zwar große Ähnlichkeit mit Sirat Ates gegeben. "Dabei hat es sich aber um eine Verwechslung gehandelt." Die Polizei hat die Fahndung auf ganz NRW und die Niederlande ausgeweitet, sie geht nicht mehr davon aus, dass sich das Duo in Goch aufhält. In Deutschland, den Niederlanden und der Türkei berichten Medien über den Fall.

Sirat Ates ist wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der 27-Jährige war in ein Wohnhaus eingestiegen, um dort Geld und Schmuck zu stehlen. Als die Bewohnerin den Einbrecher bemerkte, bedrohte er sie mit einer Waffe, erbeutete weitere Wertgegenstände und die Scheckkarte und floh mit einem gestohlenen Auto. Nicht das einzige Mal, dass Ates den Behörden aufgefallen ist. Er hat ein langes Vorstrafenregister, stammt aus einem hochkriminellen Milieu. Bei N. handelt es sich um eine ehemalige Mittäterin.

In einer spektakulären Aktion hatte die 22-Jährige am Donnerstag ihren ehemaligen Komplizen vor einer Arztpraxis in Kleve befreit. Der Sträfling wurde in Bedburg-Hau in der geschlossenen Psychiatrie der LVR-Klinik wegen seiner Drogensucht behandelt, war in Begleitung zweier Pfleger und eines Fahrers zur Arztpraxis an der Kermisdahlstraße gebracht worden. "Wir versuchen immer, die Patienten in der Klinik behandeln zu lassen", sagt Karin Knöbelspies vom LVR. So verfüge man etwa über eine voll ausgerüstete Zahnarztpraxis. "Manchmal fehlt aber das nötige Equipment. Dann müssen wir zu den Ärzten fahren."

Das nutzte das Verbrecher-Paar aus. Die Flucht war dann vor allem Improvisation: Zunächst kaperten sie ein Auto, das zufällig an der Praxis vorbeikam, dann bauten sie auf der Hassumer Straße in Goch einen Unfall. "Sie wollten nach links abbiegen, waren zu schnell unterwegs und fuhren in eine Hecke", sagt Polizeisprecherin Manuela Schmickler. Zeugen beobachteten, wie sie ihre Flucht zu Fuß fortsetzten. Sirat Ates kommt aus dem Ruhrgebiet, Nadia L. aus Aachen. Beide dürften über keine großen Ortskentnisse verfügen, konnten der Polizei trotzdem entwischen. Derzeit sind die Fahnder dabei, Personen ausfindig zu machen, zu denen das Paar Kontakt hatte, um dort eventuell Unterschlupf zu suchen. In Goch sei das nicht der Fall.

Auch Uwe Dönisch-Seidel, Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug, hat sich eingeschaltet. Man werde nach Vorlage aller Fakten gemeinsam mit der Klinik überprüfen, welche Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen seien, heißt es aus dem Gesundheits-Ministerium.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei sucht flüchtigen Forensik-Patienten in Goch

(RP)