1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve / Goch Gerhard Hendricks sieht sich als Vater der Hochschule

Kleverland : „Meistens habe ich Antworten bekommen“

Gerhard Hendricks kämpft seit Jahren in unzähligen Briefen um Anerkennung. Aber wofür? Ein Treffen mit dem Mann der auf seinen 80. Geburtstag zugeht

Wer im Kreis Kleve in einem Amt ist, das öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, etwa durch die lokale Presse, der bekommt früher oder später mit einiger Wahrscheinlichkeit Post. Der Absender ist Gerhard Hendricks. Ein Mann der auf seinen 80. Geburtstag zugeht und sich offenbar auf einer Mission befindet. Die trägt einen Namen – seinen Namen. Gerhard Hendricks ist angetrieben von der Idee, Spuren hinterlassen zu wollen. Der bestätigt bekommen möchte, was er längst schon lange zu wissen glaubt: dass ihm das Wohl des Kreises Kleve immer am Herzen lag, er Befürworter einer Hochschule am Niederrhein war, bevor diese offiziell auch nur diskutiert wurde.

Also schreibt Hendricks Personen öffentlichen Lebens an und macht auf sich aufmerksam. Die höflichen Antworten stapeln sich dann bei ihm wie Trophäen. Aus den Bundestagsbüros der Abgeordneten, aus den Rathäusern, vom Weihbischof, von Verbänden und Vereinen. Und alle danken für „jahrelanges Engagement“, den „Einsatz“ für den Kreis Kleve und die Hochschule Rhein-Waal, loben seine „Positivität“. Und wenn Hendricks die Antworten nicht reichen, gibt er zuweilen auch bezahlte Anzeigen in der Zeitung auf. „Gerhard Hendricks ist Mitglied in der renommierten Leibniz-Gesellschaft. Bekanntlich ist er auch der wahre Gründer der Klever Hochschule. Von ihm ist Kreisgeschichte geschrieben worden“, heißt es dort. „Ad multos annos für die helle Lichtgestalt.“ In einem Interview mit einem Anzeigenblatt, das anlässlich der Eröffnung der Hochschule Rhein-Waal geführt wurde, sagte er: „Ich brauche keine Dankesschreiben. Aber ich wäre schon gerne bei der Eröffnung dabei gewesen.“

Wer Gerhard Hendricks trifft, erlebt einen akkurat gekleideten, fast zurückhaltend wirkenden Mann im Vergleich zu den großspurigen Worten, die er für sich in seinen Anschreiben wählt. „Man muss sich ja bekannt machen“, sagt er. „Da muss man schon ein bisschen nachdenken, bevor man etwas schreibt.“ Oder schreiben lässt: Dass übernehme eine Frau für ihn, sagt er. Hendricks ist eigenen Angaben zufolge in Kalkar geboren. Schon zu Kindheitszeiten führt es ihn nach Goch, von seiner Zeit als Straßenkicker (Rechtsaußen, Stürmer) spricht er heute noch genau wie von der Schulzeit auf der Gaesdonck. Später sei er dann Großhandelskaufmann geworden. Heute lebt er mit seinem Bruder im Elternhaus in Asperden.

Schon immer sei er an Bildungsthemen interessiert gewesen, erzählt Hendricks. Warum er aber ausgerechnet der „wahre Vater der Hochschule“ sein soll? Beweise, Belege dafür gibt es nicht. Aber unzählige Briefe, die Hendricks im Laufe seines Lebens geschrieben hat. Und das koste ja alles Geld, rechnet er vor: „1,55 Euro der braune Umschlag, ein Brief 80 Cent.“ Wer ihm nicht antwortet, hat bei ihm keinen guten Stand, das merkt man in den Schreiben und im Gespräch. „Meistens habe ich Antworten bekommen“, sagt Hendricks. Warum aber der ganze Aufwand, all die Mühe? „Es geht darum, wie man in Erinnerung behalten werden möchte.“ Und wenn das mal jemand anders sieht als er? „Dem würde ich widersprechen“, sagt der 79-Jährige. Vielleicht ist Gerhard Hendricks ein Mann auf einer Mission, die am Ende nur er selbst kennt. Nur so viel scheint festzustehen: Die nächsten Briefe hat er schon vorbereitet.