50 Jahre nach Diebstahl Gestohlener Kunstschatz kehrt in Klever Kirche zurück

Kleve · Mit Hilfe von niederländischen Experten bekommt Kleve einen Kunstschatz zurück. Es handelt sich um eine Figur der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, die vor 50 Jahren gestohlen wurde. Auch weitere Skulpturen werden zurückgegeben.

 Die gestohlene Figur kehrt zurück nach Kleve.

Die gestohlene Figur kehrt zurück nach Kleve.

Foto: van Ham

Er gilt als Meisterwerk der Antwerpener Schnitzkunst und war Teil des Klever Kreuzaltares, jenes feinen Schnitzwerkes aus dem ausklingenden Mittelalter und der aufziehenden Renaissance im Seitenschiff der Klever Stiftskirche. Der im 16. Jahrhundert geschnitzte Prophet ist expressiv ausgestaltet mit feinen Details und einer kompletten Fassung mit schwarzem Bart und goldenem Gewand. Doch die historische Skulptur fehlt im Gesamtbild des Altars: Sie wurde Anfang der 1970er Jahre zusammen mit dem zweiten Propheten, ihrem Gegenüber, aus dem Altar gebrochen und gestohlen und galt als verschollen. Bis der Prophet jetzt bei der Vorbereitung einer Versteigerung im Kölner Auktionshaus Van Ham wieder entdeckt wurde.

2016 war schon sein Gegenüber wieder zurück in die Klever Basilika gekommen: Der wurde in einem Koffer über die Mauer des Klosters Maria Laach geworfen. Zusammen mit einem zweiten Koffer und elf anderen Figuren aus damaligen Raubzügen durch rheinische und niederrheinische Kirchen. Jetzt wird auch der andere vor mehr als 50 Jahren geraubte Prophet zurück an seinen angestammten Platz in Kleve kommen. Dieser „Cold Case“ ist gelöst. Der Prophet und zwei weitere damals gestohlene Figuren werden am 19. März vom Auktionshaus an die heimischen Kirchengemeinden übergeben. Denn zwar ist der Diebstahl nach 50 Jahren verjährt – die Werke sind aber im Kunsthandel unverkäuflich. Also kaufte der Geschäftsführer von Van Ham, Markus Eisenbeis, der Erbengemeinschaft, die die Werke zuletzt in Besitz gehabt hatte, die Werke ab. Sie werden als Schenkung an die rechtmäßigen Eigentümer überreicht.

Den Sensationsfund machten die Kunstexperten des Auktionshauses Van Ham, darunter der in Köln lebende Mittelalterexperte und ehemalige Direktor des Museums Kurhaus Kleve, Drs. Guido de Werd, in Köln bei der Vorbereitung einer neuen Versteigerung. Der Hinweis kam von Prof. Frits Scholten, Senior-Kurator für Skulpturen des Rijksmuseums in Amsterdam, und dem niederländischen Kunsthändler Eric Bijzet. Parallel dazu konnte Guido de Werd zusammen mit dem Leiter der Restaurierungswerkstatt des Rheinischen Amts für Denkmalpflege Brauweiler, Marc Peez, auch eine zweiteilige Skulpturengruppe mit dem Heiligen Nikodemus und Maria Magdalena als gestohlene Skulpturen identifizieren: Man hatte sie, das war den beiden bekannt, damals nachschnitzen lassen und vergoldet in den Altar eingefügt. Sie stammen aus derselben Einlieferung einer Erbengemeinschaft wie der Klever Prophet und waren ursprünglich Teil des kunsthistorisch bedeutenden Antwerpener Altars der Kirche St. Pankratius in Bergheim-Paffendorf.

„Wir haben uns die anderen Figuren aus der Erbengemeinschaft angeschaut – und schnell herausgefunden, welche Skulpturen aus Paffendorf sind“, sagt de Werd. Der Kunsthistoriker erinnert auch daran, dass vor mehr als 15 Jahren in Kleve mit Unterstützung der Kistersstiftung zwei kleine Randfiguren aus dem Antwerpener Altar der Stiftskirche angekauft werden konnten. „Die waren im Krieg weggekommen“, sagt de Werd. Sie wurden restauriert und wieder in den Altar eingefügt. Auch der Prophet soll wieder an seinen angestammten Platz in Kleve kommen, wenn er in Köln übergeben wurde.

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