Kleve: Gesamtschule Rindern äußert Verständnis für streikende Schüler

Offener Brief : Gesamtschule: Verständnis für streikende Schüler

Das Kollegium der Gesamtschule am Forstgarten hat einen Offenen Brief an Schulministerin Gebauer geschrieben.

Die Gesamtschule am Forstgarten in Rindern engagiert sich leidenschaftlich für eine saubere Umwelt und eine zukunftsweisende Entwicklung. Insofern hegen viele Lehrer und Eltern große Sympathie für die Schüler, die sich bei den Protesten „Fridays for Future“ beteiligen. Das Problem ist: Es gibt eine Schulpflicht, und die Schulleitung darf den Jugendlichen nicht einfach so frei geben, um bei den Protesten dabei zu sein. Jetzt wendet sich die Schulgemeinschaft mit einem Offenen Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, um auf das Dilemma aufmerksam zu machen. Unterschrieben ist der Offene Brief vom Kollegium und den Eltern.

„Wir wollen deutlich machen, wie schwer es für uns ist, glaubwürdig zu bleiben in unserem pädagogischen Handeln, wenn wir Ihre Verordnungen zum Umgang mit Schülern, die an den Streiks ,Fridays for Future’ teilnehmen, beachten“, schreiben sie der Ministerin. Es gebe zahlreiche Projekte und Aktionen zum Umweltschutz und für Nachhaltigkeit. Der Unterricht und das Schulleben seien geprägt von der Verantwortung für ein nachhaltiges und friedliches Zusammenleben. Da sei es erfreulich, wenn sich die Schüler dieser Verantwortung stellen und an den Demonstrationen für eine andere Klimapolitik teilnehmen. Das liest sich dann so: „Wenn nun Teile unserer Schülerschaft zu der Ansicht gelangen, dass es Zeit ist, deutliche Zeichen zu setzen, damit die Politik auf die Warnungen aller ernst zu nehmenden WissenschaftlerInnen hört und die Reduzierung der Treibhausgase zu einem ihrer obersten Ziele macht, und wenn sie dabei auch Formen ausprobieren und nutzen, die effektiv sind, gerade weil sie ,business as usual’ stören, tun sie eigentlich genau das, was wir uns grundsätzlich als Ziel unserer pädagogischen Bemühungen wünschen: Sie nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst und nutzen den Wirkraum, den sie als junge Menschen haben, um die Aufmerksamkeit für ihre Anliegen zu erhalten.“

Die Schulministerin habe die Gesamtschule im Februar jedoch aufgerufen, die Schulpflich durchzusetzen und „Fehlverhalten“ zu ahnden. Dem hält das Kollegium folgendes entgegen: „Wir meinen, dass es für eine demokratische, freie, gerechte Gesellschaft, die ihre eigenen Lebensgrundlagen schont, von großer Bedeutung ist, Schulen zu haben, in denen junge Menschen in diesem Sinne zu mündigen und verantwortungsbewussten BürgerInnen heranwachsen können.“ Sicherlich möge es unter den Streikenden auch den ein oder anderen geben, der die Aktion nutzt, um sich vor Schule zu drücken. Aber der Großteil derer, die zu den Demonstrationen gehen, wäge sehr gewissenhaft ab und arbeitete bereitwillig nach, was in der Zeit an Unterricht versäumt wurde, so die Lehrer und Eltern. Man beachte zwar die Weisung der Schulministerin. Aber: „Unser vorrangiges Anliegen bleibt, dem viel weitreichenderen pädagogischen und gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden“, schließen die Schreiber ihren Offenen Brief.

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