Kleve: Geiselnehmer scheitern vor Gericht in Karlsruhe mit Revision

Kleve/Karlsruhe : Geiselnehmer scheitern mit Revision

Zu langen Haftstrafen hatte das Klever Landgericht die zwei Männer verurteilt, die im Mai 2017 einen Pfleger in der LVR-Klinik in Bedburg-Hau als Geisel nahmen und schwer verletzten. Zurecht, bestätigte nun der BGH in Karlsruhe.

40 Minuten lang durchlebt der Pfleger Todesängste. Wird misshandelt, bedroht, schließlich schneiden ihm die beiden Geiselnehmer in die Ohrmuschel, um das Ohr abzutrennen. Das Klever Landgericht verurteilte die beiden Täter dafür im Februar dieses Jahres zu langen Haftstrafen. Der 36 Jahre alte Angeklagte zu acht Jahren und sechs Monaten Haft, seinen 29-jährigen Komplizen zu sieben Jahren und sieben Monaten.

Es herrschten hohe Sicherheitsvorkehrungen. Foto: dpa/Stoffel, Arnulf (ast)

Die beiden Männer wollten dieses Urteil nicht akzeptieren und zogen vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Der entschied nun in der Sache – und verwarf die Revisionen als unbegründet (3 StR 311/18). Damit wird das Urteil der zweiten Strafkammer in Kleve wegen Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie in Tatmehrheit mit Führen eines Schlagrings rechtskräftig.

Am 25. Mai 2017 hatten die beiden drogenabhängigen und vielfach vorbestraften Männer einen Fluchtversuch aus der LVR-Klinik unternommen. In der Anstalt waren sie wegen einer angeordneten Drogenentzugstherapie untergebracht. Dann aber überwältigten sie einen Pfleger, bedrohten ihn mit aus Einwegrasierern gefertigten Waffen und erbeuteten ein scharfes Küchenmesser.

Einer der Angeklagten im Klever Gerichtssaal. Foto: dpa/Stoffel, Arnulf (ast)

Sie verschleppten den Pfleger auf das Außengelände, wo sie den Pförtner aufforderten, die Außentür in der Klinikmauer zu öffnen. Dieser Aufforderung kam der Pförtner auch dann nicht nach, als die Angeklagten mit dem Tod der Geisel drohten und begannen, den Pfleger vor den Augen des Pförtners zu misshandeln. Dabei schlugen sie nicht nur auf den Kopf des Pflegers ein, sondern fügten ihm auch Schnittverletzungen zu. Aufgefordert von seinem Komplizen, schnitt einer der Täter dann ins Ohr des Angeklagten. Und trotzdem verhielt sich der Pförtner damals nach Vorschrift – und öffnete das Außentor nicht.

Schließlich versuchten die Angeklagten noch, die vier Meter hohe Außenmauer zu überklettern. Dies gelang nur einem der beiden Männer. Er konnte bis nach Bonn flüchten, wo er auf der Straße erkannt und von einer Polizeistreife festgenommen wurde. Bei ihm fanden die Beamten auch einen Schlagring. Der zweite Täter, der in der Klinik zurückgeblieben war, ergab sich noch am Fluchttag kurz vor Mitternacht der mittlerweile eingetroffenen Polizei.

Schon im Februar machte der Vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren nicht nur die Folgen für das Opfer der Tat deutlich, er verwarf auch die Version des 29-Jährigen, sein sieben Jahre älterer Komplize sei der Anführer gewesen. Sowohl Planung als auch Ausführung seien gemeinschaftlich begangen worden, so der Klever Richter. Nun hat der Richterspruch auch Rechtsgültigkeit.

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