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Kleve: Fußgänger und Radfahrer und ihr Konflikt auf der Europa-Radbahn

Bürgermonitor : Ärger auf der Europa-Radbahn

Die Europa-Radbahn zwischen Kleve und Groesbeek wird nicht nur von Radfahrern genutzt. RP-Leser verärgert das. Doch Teile der Strecke im Stadtgebiet sind auch für Fußgänger zugelassen – die sich wiederum über Radler ärgern.

Der Corona-Krise zum Trotz: Auf der erst im Juni vergangenen Jahres eröffneten Europa-Radbahn zwischen Kleve und Groesbeek herrscht dieser Tage rege Betriebsamkeit. Fahrradfahrer, Skater und Spaziergänger teilen sich die asphaltierte Strecke. Das Problem dabei: Radfahrer sind der festen Überzeugnung, dass es sich bei der millionenteuren E-Radbahn ausschließlich um einen Radweg handelt. Anderer Verkehr dürfe ihn nicht benutzen. Das gilt jedoch nur für die mit entsprechenden Verkehrszeichen markierten Abschnitte.

Für RP-Leser Paul Schmidt ist die Lage vor Ort ein Ärgernis. Er ist auf der Strecke regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs und sagt: „Gerade die Fußgänger benehmen sich dort, als sei es ein Weg speziell für sie.“ So machte Schmidt einen Selbstversuch, befuhr die Route am Samstagnachmittag und zählte die Anzahl der entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer. So seien ihm auf der Hin- und Rückfahrt zwischen Kleve und Kranenburg zwölf Skater, fünf Personen mit Hund, drei Pärchen mit Kinderwagen und zehn Spaziergänger aufgefallen. Schmidt zu Folge wäre es sinnvoll, an der Strecke ein Fußgängerverbotszeichen aufzustellen. Paul Schmidt fiel noch etwas auf: „An den Stoppschildern am Frasselter Weg und am Galgensteg in Kranenburg habe ich kurz verweilt und musste feststellen, dass überhaupt niemand, der in der Zeit vorbeifuhr, dieses Schild beachtete.“

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  • ⇥Foto: Jacoby
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Zudem seien ihm die häufig sehr langen Ampelschaltungen auf dem E-Radweg ein Dorn im Auge. Schließlich müsse man, selbst wenn man mit geringer Geschwindigkeit unterwegs sei, bei Querungen mit Ampelschaltung anhalten und vom Fahrrad absteigen, ehe das Grünzeichen kommt. „Da ist es nicht verwunderlich, dass man, wenn die Straßen frei sind, auch schon mal bei Rot über die Straße fährt“, sagt Schmidt. In der Folge würden sich Autofahrer jedoch wundern, dass sie ein rotes Ampelsignal bekommen, obwohl weit und breit kein Radfahrer zu sehen ist. „Der ist dann schon längst weitergefahren“, sagt der Klever. Schmidt zu Folge wäre es deutlich klüger gewesen, wenn die Planer des Radwegs an den Querungen ein Stoppschild und einen „Drempel“ installiert hätten – mit der Ausnahme der Querung der B 9 in Nütterden. Dort sei eine Ampelschaltung sinnvoll.

Doch es gibt auch eine andere Seite der Medaille: Die der Fußgänger, die sich, wie RP-Leser aus Kranenburg und Kleve über regelrechte „Kampfradler“ beklagen. Der Ärger auf der E-Radbahn zwischen Fußgängern und Fahrradfahren sei regelrecht vorprogrammiert.

Tatsächlich sind große Teile der Strecke ausschließlich Fahrradfahrern vorbehalten. Das betrifft vor allem die kompletten Teilstücke außerorts. Innerorts sieht das aber anders aus: In Kleve müssen sich die Radler von Stadtwerke bis Spyckstraße und vor allem vom Bahnhof bis zur Hochschule den Weg mit den Fußgängern teilen und auf sie als die „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer achten. „Bis auf die beiden genannten Abschnitte, ist die Nutzung der Europa-Radbahn durch Fußgänger nicht erlaubt. Dies ist entsprechend auch durch StVO-Beschilderung gekennzeichnet“, versucht Katrin Berns, Sprecherin der Stadt Kleve, das Problem zu erklären.

Denn die Trasse solle insbesondere den Radverkehr stärken und sei dementsprechend auch zweckgebunden gefördert worden, so die Stadtsprecherin. „Die Europa-Radbahn ist keine reine touristische Radstrecke, sondern dient auch den Alltagsfahrten“, fügt sie an. Tatsächlich hat man die Bahn als direkte, schnelle Verbidnung zwischen den Ortschaften Kleves und Kranenburgs in der Niederung und als eine Art Radschnellweg bis Nimwegen konzipiert. Auch mit Blick auf die Elektomobilität.

„Natürlich ist die Strecke attraktiv auch für Fußgänger. Allerdings gibt es im Umfeld der Trasse genügend Wegeverbindungen, die der Erholung und dem Spazieren gehen dienen“, empfiehlt Berns Fußgängern, die Europa-Radbahn auf den außerörtlichen Teilstrecken zu meiden.