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Kleve: Friseursalon Kisters Coiffeur wird 50 Jahre alt

Jubiläum : Waschen, schneiden, tratschen

Der Friseursalon Kisters Coiffeur wird morgen 50 Jahre alt. Der Familienbetrieb an der Römerstraße ist nicht nur eine Institution, sondern auch ein Epizentrum des Stadtgesprächs. Die Corona-Krise aber war ein einschneidendes Erlebnis.

Geföhnt wird bei Kisters nur ungern. Immerhin kann dann bloß schwerlich gequatscht werden. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert werden in den Geschäftsräumen der Friseur-Dynastie an der Römerstraße all jene Themen besprochen, die für das Leben rund um die Schwanenburg von Wichtigkeit sind. Die Stylings-Trends der Klever Studenten? Die Zukunft von Galeria Kaufhof? Die Bürgermeister-Wahl im September? Themenarmut herrscht im Raum der großen Spiegel nie. Zum Stadtgespräch gibt es die angesagtesten Frisuren. „Bei uns werden nicht nur Haare geschnitten. Hier lernt man echte Typen kennen, begegnet Bekannten und Freunden. Es fühlt sich manchmal ein wenig so an wie im eigenen Wohnzimmer“, sagt Dirk Kisters, der seit fünf Jahren Chef des Hauses ist.

Die Geschichte des Familienbetriebs reicht bis in die Nachkriegszeit zurück. Der Großvater von Dirk Kisters, Fritz Hollands, war Friseurmacher, Perückenmacher und Puppendoktor in Personalunion. Wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs gründete er den Friseursalon Hollands an der Lindenstraße. Nach dessen frühen Tod übernahm seine Gattin Irmgard die Leitung. Doch die nächste Generation stand bereits in den Startlöchern: Das junge Ehepaar Annegret und Christoph Kisters gründete 1970 an der Brabanterstraße den Betrieb „Kisters“. Wenige Jahre später folgte der Umzug gen Römerstraße. An jenen Ort im Schatten des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, an dem Dirk Kisters groß geworden ist. „Dieses Geschäft war immer der Mittelpunkt meines Lebens“, sagt der 51-Jährige.

 Bild aus vergangenen Zeiten: Das Ehepaar Kisters.
Bild aus vergangenen Zeiten: Das Ehepaar Kisters. Foto: Markus van Offern (mvo)

So erlebte Dirk Kisters Zeiten, in denen die Friseurmeister noch in weißen Kitteln die Schere ansetzten. Er erlebte gar Zeiten, in denen klammheimlich Kondome unter der Ladentheke verkauft wurden. Und er erlebte in all den Jahrzehnten eine unbeugsame Liebe zum Handwerk. „Die gesamte Familie hat etwas gehabt, das heute leider sehr selten geworden ist: eine Berufung. Die Berufung zum Haareschneiden“, sagt Kisters. So verwundert es kaum, dass Christoph (78 Jahre) und Annegret Kisters (71 Jahre) noch bis heute zur Schere greifen. „Sie sind bei den Kunden weiterhin sehr gefragt – und machen es nach wie vor sehr gerne“, sagt Dirk Kisters.

Es sei immer der Anspruch der Geschäftsleute gewesen, sich von den anderen Friseuren in der Stadt abzusetzen. Dies mache sich zweifelsfrei auch preislich bemerkbar, aber Kisters sagt: „Wir behandeln unsere Kunden eben immer sehr persönlich und individuell.“ Auch deshalb habe man sich der sogenannten Biosthetik verschrieben. Dabei handelt es sich um die Philosophie, dass nicht nur das Haar, sondern der ganze Mensch beim Friseur behandelt werden sollte.  „Für viele Menschen ist der Gang zum Friseur wie Urlaub. Hier gibt es coole Mucke, neue Styles und ein besonderes Flair“, sagt Kisters, der der Chef einer vierköpfigen Belegschaft ist.

 Die Corona-Wirren im Jubiläumsjahr stellten den Betrieb vor große Herausforderungen. Sechs Wochen  musste auch Kisters sein Geschäft schließen. „Eine solche Zeit möchte ich nie wieder erleben. Auch ich hatte große Existenzangst. Ans Feiern des 50. Geburtstags sei aktuell allerdings noch kaum zu denken. „Wir wollten eigentlich eine große Party mit all unseren Kunden feiern. Das geht nun wegen Corona nicht“, sagt er. Im nächsten Jahr soll diese aber unbedingt nachgeholt werden.