Projekt Auf den Spuren von Beuys

KLEVE · Das deutsch-niederländische Projekt „Kunst & Klimawandel: Beuys‘Land“ lädt ein, den Künstler zu entdecken und sich gleichzeitig mit dem Thema Umwelt auseinanderzusetzen. Digital geführte Radtour noch bis zum 3. Oktober.

 Hubert Wanders, Helga Diekhoefer und Prof. Frank Mehring in der Nähe des Museum Arenacum in Rindern. Dort steht ein lebensgroßes Foto, das Joseph Beuys zeigt.

Hubert Wanders, Helga Diekhoefer und Prof. Frank Mehring in der Nähe des Museum Arenacum in Rindern. Dort steht ein lebensgroßes Foto, das Joseph Beuys zeigt.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Eine Radtour, eine Zeitreise und ein offenes Angebot zur Auseinandersetzung mit einem brandaktuellen Thema: Das deutsch-niederländische Projekt „Kunst & Klimawandel: Beuys‘Land“ lädt ein, sich auf Beuys‘ Spuren zu begeben und gleichzeitig mit dem Thema Umwelt auseinanderzusetzen. Nicht umsonst steckt in der Emotion die „Motion“, die Bewegung, über die etwas den Menschen im Innersten zu erreichen vermag.

Am 29. Januar 1978 war Fotograf Gerd Ludwig mit Peter Sager vom ZEITmagazin mit Joseph Beuys in der Düffel unterwegs. Der ebenso einflussreiche wie umstrittene Künstler zeigte seinen Begleitern seine persönliche Verbindung zur heimatlichen Landschaft und Natur als Kraftquellen seines Schaffens. Mit einer klaren Aussage dazu: „Kunst ist die einzige Form, in der Umweltprobleme gelöst werden können.“ Heute lebt der renommierte Dokumentarfotograf Ludwig in Los Angeles; nach wie vor gehört zu seinem Online-Portfolio jene Bilderstrecke „Joseph Beuys: Journey to the Lower Rhine“ – „where it all began“, die Reise an den Niederrhein, wo alles begann.

43 Jahre später ist sie Grundlage für eine frei zugängliche und digital geführte Radtour der besonderen Art. Sieben der Fotos prangen derzeit als großformatige Landschaftsinstallationen von 1,8 x 2,5 bis 2 x 3 Meter Größe an eben jenen Orten, an denen sie entstanden und können Station für Station „abgeradelt“ werden. Eine großartige Idee, die Prof. Frank Mehring für den Verein Arenacum und den Freundeskreis Museum Kurhaus & Koekkoek-Haus Kleve koordiniert hat. Er erklärt: „Das ist Beuys in Lebensgröße, damit man quasi mit ihm dort steht – und das ist in dieser Form einmalig.“

Genauso fühlt sich das auch an, etwa bei Station zwei „Am Kolk“: Vor einem ist die Aufnahme von Beuys in Rückenansicht, man blickt mit ihm in die gleiche Richtung. Der Kolk ist heute noch da, aber jetzt steht dort auch eine Herde Mutterkühe mit Kälbchen; passender könnte der Impuls zum Umdenken in Richtung einer natürlichen Haltungsform nicht sein. Mehring betont: „Wir möchten so auch jungen Leuten die Chance geben, ganz unverstellt nachzuspüren, welche Energiequelle die Landschaft darstellt. Es sollen Fragen und Kommentare aufkommen, eine echte Beschäftigung damit.“ Zahlen und Fakten, wie beispielsweise die des Klimarates zum Klimawandel, seien deutlich, ließen aber kalt. Ein anderer, visueller Schlüssel liege in der Natur selbst und in dem Versuch, über Kunst eine Verbindung herzustellen.

Natürlich bekam das Projektteam die Fotos von Gerd Ludwig nicht „einfach so“ zur Verfügung gestellt. Den Kontakt konnte Mehring herstellen, denn er hatte einst die gleiche Schule wie der Fotograf besucht, ein passender Anknüpfungspunkt. Die finanziellen Möglichkeiten wurden durch Crowdfunding und Sponsoring unterstützt, wie Helga Diekhöfer, Vorstandsmitglied im Freundeskreis Museum Kurhaus erläutert.

Neun Stationen umfasst die Radtour: Den Beginn am Forum Arenacum, das Ende am Museum Kurhaus und dazwischen die sieben Landschaftsinstallation, 27 Kilometer insgesamt. An „Beuys‘ Bett“ geht es los, über den Kolk, den Deich, durch die Düffel, zum Baum, zum Dassendonkshof, in die Pappelallee, über Schloss Gnadenthal bis hin zur Badewanne am Museum Kurhaus. Und auch wenn sich eine Radtour für „Digital Detox“ eignen mag, sollte man hier das Smartphone mitnehmen: Denn an jeder Station stehen Tafeln mit QR-Codes, die zu gut aufbereiteten Informationen, einer Navigationsroute und Zitaten von Peter Sager leiten. Diekhöfer dazu: „Sager hatte eine so schöne Sprache.“

Erwähnenswert ist auch das auf der Webseite hinterlegte Material für den Schulunterricht. Unter anderem hierfür verantwortlich zeichnet Hubert Wanders, Geschäftsführer des Freundeskreises, der auch auf verlinkte Videos hinweist. „Bewegte Bilder sind manchmal deutlicher als reiner Text.“

Ein besonderes Highlight steht für das Wochenende 28./29. August an. Der Fotograf Gerd Ludwig reist extra aus Los Angeles an und wird sich in der Düffel auf die „Fiets“ schwingen, um seinen eigenen Pfaden nachzuradeln – wer Glück hat, kann ihn dann an einer der Stationen antreffen.

Die digital geführte Radtour „ZEIT im Beuys‘Land“ ist vom 22. August bis zum 3. Oktober zu erleben. Umfassende Informationen inklusive Landkarte unter www.artandclimatechange.com.

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