Kleve: Dokumentarfilm „Die Rote Linie“ kommt ins Tichelpark-Kino

Kleve : Porträt eines Widerstands

Der Dokumentarfilm „Die Rote Linie“ zeigt das Wirken von Aktivisten, die sich für den Erhalt des Walds am Braunkohle-Tagebau Hambach einsetzten. Am 17. November ist er bei der Sonntagsmatinee im Klever Kino zu sehen.

Der Hambacher Forst avancierte im Spätsommer 2018 zu einem Symbol für die aufkommende Klimabewegung in Deutschland: Tausende Aktivisten protestierten dort gegen die weitere Abholzung des nur noch wenige hundert Hektar großen Waldes zu Gunsten der Braunkohleförderung durch den Energieversorger RWE. Bis zu 50.000 Menschen fanden sich in dem Forst zu Kundgebungen ein, es entwickelte sich eine politische Posse: Die Landesregierung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hielt an der Entscheidung der rot-grünen Vorgänger fest, eine weitere Rodung zu legitimieren. Aktivisten besetzten Baumhäuser, die Polizei setzte zu Räumungen an und sah den Wald zunehmend als Keimzelle der gewaltbereiten linksautonomen Szene. Das Ergebnis: Die Fridays-for-Future-Bewegung nahm unter dem Slogan „Hambi bleibt!“ an Geschwindigkeit zu, im Februar dieses Jahres erklärte CDU-Landesvater Armin Laschet dann, den Hambacher Forst doch erhalten zu wollen.

Nun kommt die Dokumentation des Protests ins Kino – auch in den Klever Tichel-Park. Am Sonntag, 17. November (11 Uhr) zeigt Kino-Chef Reinhard Berens das Werk von Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf im Zuge des Sonntagsmatinee. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie der hiesigen FFF-Bewegung, unterstützt wird sie von den Klever Bündnisgrünen. Die Erlöse – fünf Euro kostet der Eintritt – kommen den Fridays-for-Future-Aktivisten zu Gute.  „Der Hambacher Forst ist wertvoll, weil er sehr alt ist. Der Film stellt gut dar, welche Folgen der Tagebau Hambach für das Klima, die Umwelt und für die Menschen hat, die ihre Heimat für diesen verlassen mussten“, sagt Ludger Wittenhorst im Namen des BUND. Er selbst habe im Hambacher Forst bereits an zahlreichen Waldspaziergängen teilgenommen und dort „groteske Momente“ erlebt, als tausende Polizeibeamte dafür „verheizt“ worden seien, friedliche Naturschützer zu begleiten. Gleiches gilt für Jannik Berbalk, Sprecher der FFF-Ortsgruppe Kleve. „Ich habe das beinahe traumatisch in Erinnerung, wie hart die Polizei damals eingegriffen hat – auch gegen meine eigenen Freunde“, sagt er. Dennoch habe es Berbalk berührt, wie viele Menschen über Jahre hinweg Flagge für den Forst gezeigt hätten – und das voraussichtlich mit durchschlagendem Erfolg.

„Die Rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst“ legt den Schwerpunkt auf jene Aktivisten, die bereits seit 2015 unter dem Namen „Bürger ohne Lobby“ rund um den Tagebau protestieren. So wird der Waldpädagoge Michael Zobel begleitet, der im Hambacher Forst zu Urwaldspaziergängen eingeladen hat. Auch der Baumbesetzer Clumsy rückt in den Vordergrund, der den Einsatz von Gewalt für den Kampf gegen den Klimawandel für legitim hält. Zu Wort kommen ebenfalls Lars Zimmer, Mitglied einer Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt von Dörfern rund um den Hambach einsetzt. Eines der emotionalen Höhepunkte der 121 Minuten langen Dokumentation ist der Abriss des Immerather Doms. „Dass der Ausstieg aus der Kohle sich so lange zieht, ist eine Blamage für die Bundes- und Landesregierung. Es ist ja auch im Hambacher Forst noch nichts endgültig entschieden“, sagt Jannik Berbalk.

Der Filmtitel „Rote Linie“ bezieht sich auf eine Forderung von Braunkohlegegnern, die die alte Autobahn A4 zu einer solchen erklärt haben. Ihre Forderung: An dieser Linie solle der RWE-Tagebau Halt machen, damit die Pariser Klimaziele noch erreicht werden können. „Wir wollen mit der Vorstellung des Films auch zu einer differenzierten Diskussion einladen, in der ganz unterschiedliche Meinungen zum Braunkohleabbau zu Wort kommen“, sagt Detlev Koken, Sprecher des Klever Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen. So sei die Matinee-Veranstaltung für Anhänger ganz unterschiedlicher Parteien interessant.

Im Anschluss an die Filmvorstellung werden Waldpädagoge Michael Zobel und Dirk Jansen, Geschäftsstellenleiter des BUND in Nordrhein-Westfalen Rede und Antwort stehen.

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