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Kleve Die Stadt beschließt wegen Corona Sonder-Fonds für Künstler in Not

Politik beschließt : Hilfe für Künstler in Not

Die Stadt Kleve wird einen „Corona-Sonder-Fonds“ für Künstler in Not als Darlehen aufstellen und 50.000 Euro in den Haushalt bringen. Dem verabschiedeten Grünen-Antrag war ein Antrag der Offenen Klever vorausgegangen.

Die Stadt Kleve wird einen Corona-Sonder-Fonds über 50.000 Euro für Künstler in Not einrichten. Damit können bis zu 2000 Euro monatlich Unterstützung gewährt werden, solange beantragte November-Hilfen ausbleiben. Das beschloss der Hauptausschuss, der wegen Corona anstelle des Klever Rates in der Stadthalle tagte, einstimmig auf Antrag der Grünen.

„Der Punkt ist doch, dass wir jetzt helfen müssen. Aber dann dürfen wir nicht noch Eck-Kriterien schaffen, sondern müssen eine schnelle Möglichkeit bieten, an Geld zu kommen. Ich werbe für eine pragmatische Lösung“, hatte Grünen-Fraktionschefin Hedwg Meyer-Wilmes einen Antrag der Offenen Klever über einen Corona-Fonds von 35.000 Euro kommentiert und erweitert: Nämlich 50.000 Euro auf Darlehens-Basis bereitzustellen. „Durch die Absage sämtlicher kultureller Veranstaltungen sind die Einnahmen in der freien Kulturszene nahezu vollständig weggebrochen. An dieser Stelle zielt der Sonderfonds auf die Förderung der freien Kulturszene ab“, hatte Udo Weinrich, Fraktionschef der Offenen Klever, den Antrag seiner Fraktion begründet.

Doch dazu hätten, wie die folgende Diskussion im Hauptausschuss ergab, besagte Eckpunkte für eine mögliche Vergabe aufgestellt werden müssen. Dazu reiche aber die Zeit nicht, so Grünen-Ratsmitglied Michael Bay. „Die brauchen jetzt Geld, also leihen wir es, bis es zurückgezahlt werden kann“, sagte er. Der Klever Kämmerer Willibrord Haas begrüßte die Idee, Darlehen zu gewähren, die im pragmatischen Verfahren mit wenig bürokratischem Aufwand vergeben werden könnten. Aber: „Die November-Hilfen müssen beantragt sein“, so der Kämmerer der Stadt Kleve.

„Wir können keine eigenen Corona-Töpfe aufmachen, aber den Grünen-Vorschlag, Darlehen anzubieten, unterstützen wir“, erklärte Georg Hiob, Fraktionschef der Klever CDU. Während Weinrich nochmals anmahnte, dass es doch transparente Rahmenbedingen mit Kriterien geben müsse, erklärte Joachim Schmidt, CDU-Fraktion und Vorsitzender der B.C. Koekkoek-Stiftung: „Klarere Formulierungen als die, die der Kämmerer uns vorgegeben hat, brauchen wir nicht. Wir sollten einen Beschluss fassen“. Haas erläuterte daraufhin nochmals, dass es um monatlich bis zu 2000 Euro gehe, die ein Künstler als Darlehen beantragen könne, wenn die Förderfähigkeit nach Bundes und Landeskriterien vorliege. Weil, so Gerd Driever, CDU-Fraktion, der Grünen-Antrag der weiterreichende sei, müsse dieser auch als erster abgestimmt werden – er warb für eine große Mehrheit. Die bekam der Antrag auch einstimmig. Udo Weinrich (OK) zog der ursprünglichen Antrag seiner Fraktion zurück.

„Es gibt viele Künstler, die Anträge gestellt haben und bis jetzt kein Geld bekommen haben“, erklärt Künstlerin Elisabeth Schink vom Klever Kunstverein projektraum-bahnhof25. Ihre Erfahrung aus Gesprächen mit Kollegen zeige, dass die Hilfen im März zu Beginn der Corona-Pandemie besser gelaufen seien. Sie sieht in dem städtischen Beschluss ein weiteres Hilfsangebot. Auch die Gocher Bildhauerin Nicole Peters, zugleich Vertreterin des Berufsverbands bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), erfuhr in Gesprächen, dass die Beantragung der November-Hilfen schon „krass“ seien. Sie begrüße jede weitere Förderung.

„Eine Umfrage zeigt aber auch, dass für sehr viele Künstler die wirtschaftliche Lage schon vor Corona prekär war. Die Pandemie-Auswirkungen haben ab März 2020 die Lage massiv verschärft. Dies bestätigen die Ergebnisse der BBK-Langzeitstudie zur wirtschaftlichen und sozialen Situation Bildender Künstler“, sagt Peters. Dazu habe der BBK Förderprogramme wie Neustart Kultur aufgelegt, beispielsweise Projektmittel ausgeschrieben, die aber zehnfach überzeichnet worden seien, weil es so viele Angebote gab. „Das zeigt, dass der Bedarf sehr hoch ist“, sagt sie. Peters mahnt deshalb auch an, nicht nur jetzt in Corona-Maßnahmen zu denken. „Wir als Künstler wollen keine Almosen, wir wollen arbeiten, wir brauchen Projekte, Maßnahmen“, sagt sie. Wie einst die „Kunst am Bau“ oder Ankäufe nach Ausstellungen. Es könne ja nicht sein, dass das Gros der bildenden Künstler nebenher einen Brotjob haben müsste.

Auch hier hat die Stadt, voran Wirtschaft Tourismus Marketing (WTM) , für Künstler einen Feierabend-Markt vorgeschlagen, der in der Politik auch begrüßt wurde. Aber wegen Corona kann der nicht starten.