Kleve: Die Feuerwehr ist eine starke Truppe

Hintergrund : Die Klever Feuerwehr: Eine starke Truppe

Mehr als 300 Aktive stellen sich ehrenamtlich rund um die Uhr zur Verfügung. Nicht nur, wenn es brennt, sondern bei Notfällen aller Art sind sie in weniger als acht Minuten zur Stelle. Einblicke in eine faszinierende Welt.

Sie ist da, wenn es brennt. Im eigentlichen, aber auch im übertragenen Sinn. Die Freiwillige Feuerwehr Kleve ist ein Team aus hochmotivierten Ehrenamtlern, die ihren Mitbürgern in den verschiedensten Notlagen helfen.

Mitglieder Die Freiwillige Feuerwehr Kleve hat 590 Mitglieder. Davon sind mehr als 300 aktiv im so genannten Brandschutz tätig. Die Klever Feuerwehr ist rein ehrenamtlich aufgestellt. Alle Einsatzkräfte sind bereit, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten, ihre Freizeit, manchmal auch ihre Dienstzeit zu opfern – und das rund um die Uhr. Jeder ist willkommen, Frauen wie Männer, Migranten wie Einheimische. Dass Kleve als Kreisstadt mit mehr als 50.000 Einwohnern keine Berufsfeuerwehr vorhalten muss, ist nur durch eine Sondergenehmigung möglich. So darf sich der Steuerzahler freuen, denn eine hauptamtliche Wehr würde den Klever Haushalt in Millionenhöhe belasten. Damit das Konstrukt mit der Freiwilligkeit überhaupt funktioniert und die ehrenamtlichen Kräfte schnell zu den Einsätzen gelangen können, gibt es fünf Gerätewarte, die bei der Stadt angestellt sind. Auch die Arbeitgeber tragen zum Gelingen des Systems bei. Sie sind zwar gesetzlich verpflichtet, ihre Angestellten, wenn sie bei der Feuerwehr im Brandschutz sind, für die Einsatzdauer freizustellen, sie könnten dafür von der Stadt aber eine finanzielle Entschädigung verlangen. Faktisch macht das jedoch kaum ein Chef.

Feuerwehr Kleve. Foto: Feuerwehr Kleve

Organisation An der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Kleve steht Leiter Ralf Benkel, der hauptberuflich beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg arbeitet. Es gibt eine Geschäftsführung und einen Stab, der wiederum in sechs Fachbereiche gegliedert ist. An der Basis befinden sich die Jugendfeuerwehr (30 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren), die Löscheinheiten, der Musikzug (70 Mitglieder) und der Spielmannszug (35 Mitglieder).

Feuerwehr Kleve. Foto: Feuerwehr Kleve

Standorte Die zwölf Standorte der Freiwilligen Feuerwehr Kleve sind quer über das ganze Stadtgebiet inklusive aller Vororte verteilt. Nur durch dieses dezentrale Konzept ist es möglich, dass die Einsatzkräfte schnell vor Ort sind. Maximal acht Minuten dürfen von der Alarmierung bis zum Eintreffen vergehen, das ist so festgelegt. „Das funktioniert auch erstaunlich gut, da brauchen wir den Vergleich zur Berufsfeuerwehr nicht zu scheuen“, sagt Florian Pose, Sprecher der Klever Feuerwehr. Zum Vergleich: Der Rettungsdienst hat 13 Minuten Zeit. Das sind die zwölf Standorte, an denen die unterschiedlichen Löschzüge und -gruppen stationiert sind: Löschzug Kleve, Löschzug Materborn, Löschzug Kellen, Löschzug Rindern, Löschgruppe Reichswalde, Löschgruppe Donsbrüggen, Löschgruppe Wardhausen-Brienen, Löschgruppe Griethausen, Löschgruppe Düffelward, Löschgruppe Keeken, Löschgruppe Schenkenschanz, Löschgruppe Warbeyen. Je nach Standort unterscheiden sich Fahrzeuge und Ausrüstung. Die meisten Fahrzeuge (7) stehen beim Löschzug Kleve an der Brabanter Straße. Ralf Benkel, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, legt jedoch besonderen Wert darauf, dass die Standorte gleichberechtigt sind. Das schlägt sich auch in der Ausrüstung nieder: Diese wird zentral angeschafft und dann auf die Standorte verteilt. Nicht überall wird alles benötigt. Deswegen ist Spezialgerät wie eine Erkundungsdrohne mit Infrarotausrüstung auch nicht auf der Hauptwache in Kleve, sondern in Reichswalde, weil dort im Ernstfall ein schneller Überblick über das große zusammenhängende Gebiet des Reichswalds nötig werden könnte. Boote werden hingegen an den am Rhein und Altrhein gelegenen Standorten vorgehalten.

Feuerwehr Kleve. Foto: Feuerwehr Kleve

Alarmierung Wenn es brennt, ertönt die Sirene – könnte man meinen. Tatsächlich funktioniert der Alarmfall anders. Er startet in der Regel mit dem Eingang eines Notrufs in der rund um die Uhr besetzen Leitstelle des Kreises Kleve über die Telefonnummer 112. Je nach Stichwort schlägt ein Computerprogramm die Einsatzmittel und die Standorte, die ausrücken sollten, vor. Etwa drei Dutzend Szenarien sind stichwortartig hinterlegt, von der Tierrettung bis zum Großbrand mit Menschenleben in Gefahr. „Schwierig wird es, wenn die Anrufer nicht in der Lage sind, uns mitzuteilen, was genau passiert ist und wo“, sagt Pose. Oder wenn die Meldung „unklare Rauchentwicklung“ lautet. Die Entscheidung, was tatsächlich unternommen wird, trifft am Ende der Mensch vor dem PC. Generell werden tagsüber mehr Einsatzkräfte alarmiert als eigentlich benötigt werden. Dadurch ist gewährleistet, dass immer genügend Kräfte vor Ort sind. Die Leitstelle gibt die Alarmierung als so genannte Depesche an alle Standorte weiter, wo sie auf einem großen Display dargestellt wird. Die angeforderten Einsatzkräfte erhalten die Alarmmeldung auf ihren vibrierenden Funkmeldeempfänger, den sie immer bei sich tragen.

Pferde Feuerwehr Kleve Rettung. Foto: Feuerwehr Kleve

Laufbahn Viele Feuerwehrangehörige haben bereits als Kind angefangen. Die Jugendfeuerwehr ist sehr beliebt. Es gibt derzeit keine freien Plätze, stattdessen eine Warteliste. In der Regel mit 18 Jahren erfolgt, bei gesundheitlicher Eignung, der Übergang in den regulären Brandschutz. Dafür ist eine Grundausbildung im Umfang von 70 bis 80 Stunden nötig, die die Klever gemeinsam mit ihren Kameraden aus Kranenburg absolvieren. Wer die noch nicht hat, muss mit einem – ungeliebten – grünen Punkt auf dem Helm leben. Er darf noch nicht in Gefahrenbereiche geschickt werden. „Diesen Punkt will natürlich jeder schnell loswerden. Überhaupt ist die Motivation bei der Karriere Engagement und Anerkennung“, sagt Pose. Nach der Grundausbildung geht es weiter, jeder so, wie er möchte: Feuerwehrmann (oder -frau), Oberfeuerwehrmann, Hauptfeuerwehrmann, Unterbrandmeister, usw.. Einmal im Jahr muss jeder eine Fortbildung absolvieren. Mit 67 Jahren muss niemand mehr zu Einsetzen raus, dann erfolgt der Übergang in die Ehrenabteilung.

Übungen Alle zwei Wochen sind Übungen angesetzt. „Das ist dringend nötig. Gerade bei Brandeinsetzen muss jeder genau wissen, was er zu tun hat“, sagt Benkel. Durch die häufigen Übungen, aber auch durch Leistungswettbewerbe und nicht zuletzt durch gemeinsame Feiern entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Schattenseiten Nicht jeder Feuerwehrmann erträgt den Anblick von schwer verletzten Personen. „Niemand wird zu solchen Einsätzen gezwungen, jede Person hat hat andere Stärken, mit denen sich an der geeigneten Stelle einbringen kann“, betont Pose. Bei Einsätzen mit Verletzten oder Toten steht ein Team zur psycho-sozialen Unterstützung aus den eigenen Reihen bereit. „Oft hilft es aber auch, sich nach dem Einsatz mit allen gemeinsam zu treffen und zu reden“, sagt Pose.

Feuerwehrmann Kevin Basmer (27), seit 2013 bei der Freiwilligen Feuerwehr Kleve, in voller Ausrüstung. Die Fotos oben zeigen ihn und seine Kollegen bei unterschiedlichen Einsätzen. Fotos: Van Offern (1)/ Archiv (4). Foto: Markus van Offern (mvo)

Mitmachen Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass im Notfall keiner mehr kommt, wenn sich niemand bei der Feuerwehr engagiert. Personalmangel hat die Klever Feuerwehr derzeit zwar nicht. Dennoch: Die Sorge um den Nachwuchs ist da. Es dürfen gerne mehr Kameraden werden. Pose ist überzeugt: „Wenn alle wüssten, wie toll es bei uns ist, würden mehr kommen. Wen einmal das Virus gepackt hat, den lässt es nicht mehr los!“