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Kleve: Bewohner aus brennendem Haus gerettet

Kleve-Keeken : „Auf unserem Bett liegt ein verkohlter Dachbalken“

Ein Mehrfamilienhaus in Keeken hat in der Nacht auf Donnerstag gebrannt. Durch die schnelle Hilfe von Nachbarn konnten die schlafenden Bewohner gerettet werden. Ein Säugling kam vorsorglich ins Krankenhaus.

Der Schrecken ist Aad de Vries noch deutlich anzusehen. Er steht auf der Nieler Straße in Keeken und schaut ungläubig auf das Haus, in dem er bis vor wenigen Stunden mit seiner Familie noch gewohnt hat. Der 49-Jährige blickt auf verkohlte Dachbalken und einen frei liegenden Dachstuhl. Ins Haus darf er nicht mehr, die Gefahr, dass das Dach komplett einbricht, ist zu groß. In seiner Wohnung wird er mit seiner Familie wohl nicht mehr leben können, der Brand in der Nacht hat sie weitgehend zerstört. „Darin war alles, was wir haben“, sagt de Vries.

Was war geschehen? In der Nacht auf Donnerstag brach auf dem Balkon des Vier-Parteien-Hauses, in dem zwölf Menschen lebten, ein Feuer aus. Weshalb, das kann zurzeit noch niemand sagen. Punkt Mitternacht bemerkten Nachbarn, die bei den warmen Temperaturen noch zusammen saßen, dass Rauch vom Balkon emporstieg. „Alles ging so schnell, innerhalb weniger Sekunden loderten schon die Flammen“, erinnert sich eine Nachbarin. Die Bewohner des brennenden Hauses schliefen bereits, so dass niemand den Brand bemerkte.

Die Nachbarn rannten sofort zum brennenden Haus und klingelten Sturm. Ludger Reymer ergriff geistesgegenwärtig einen Feuerlöscher und versuchte, gemeinsam mit einem weiteren Nachbarn, den Brand zu löschen. Doch die Flammen waren kaum unter Kontrolle zu bringen.

Aad de Vries rannte aus seiner Wohnung ins Freie. „Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es wirklich in unserem Haus brannte, aber dann sah ich die Flammen“, sagt er. Sofort holte er Frau und Sohn aus der Wohnung. Alle Hausbewohner versammelten sich auf der Straße. „Wir haben alle einen großen Schreck bekommen, es wohnen ja Kinder im Haus, auch ein Säugling“, sagt de Vries. Zum Glück war die Feuerwehr schnell zur Stelle. Gegen 2 Uhr hatte sie den Brand gelöscht. Alle Hausbewohner blieben unverletzt, der drei Monate alte Säugling wurde allerdings vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Das Gebäude ist zur Zeit nicht bewohnbar. Die Wohnungen im Obergeschoss haben einen Brandschaden und die Wohnungen im Untergeschoss einen Wasserschaden. Für die Bewohner bedeutet dies, dass sie sich nach einer anderen Unterkunft umsehen müssen. Doch was in einer Großstadt oft schwierig ist, gestaltet sich auf dem Dorf, zumindest in diesem Fall, deutlich einfacher. Die Keekener stehen zusammen: Alle Hausbewohner sind bei Freunden untergekommen, oft in der direkten Nachbarschaft.

Auch Aad de Vries hat sofort Hilfe erhalten: Mehrere Nachbarn boten ihm und seiner Familie an, bei sich vorübergehend Wohnraum bereitzustellen. Das nahm er gerne an. Auch die Kleidung, die er trägt, haben ihm Nachbarn gegeben. „Wir haben bei der Feuerwehr gebettelt, dass wir ganz kurz ins Haus dürfen, um unsere Papiere herauszuholen. Das hat man uns zum Glück gestattet. Mehr haben wir jetzt nicht“, sagt der Keekener.

Trotzdem ist er glücklich, weil er, seine Frau und sein Sohn mit dem Leben davon gekommen sind. „Auf unserem Bett liegt ein verkohlter Dachbalken. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn wir nicht geweckt worden wären“, sagt er.