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Kleve: Betrugsprävention: Überfall am Telefon

Betrugsprävention : Überfall am Telefon

Die Volksbank lud in ihrer Mitgliederakademie zum Vortrag über Betrugsmaschen ein. Kriminalkommissare warnten vor dem Enkeltrick, falschen Polizisten und dubiosen Gewinnspielen – insbesondere in der Vorweihnachtszeit.

„Das kann mir doch nicht passieren.“ Ein Satz, den die Kriminalhauptkommissare Peter Baumgarten und Stefanie Bodden-Bergau, spezialisiert auf die Kriminalprävention im Kreis Kleve, nicht mehr hören können. „Die Realität sieht anders aus. Wer auf Betrüger reinfällt, ist auf gar keinen Fall dumm oder naiv“, sagte Baumgarten vor knapp 50 Zuhörern älterer Semester der Mitglieder-Akademie. „Früher sind Banken überfallen worden. Aber heute wissen Räuber, dass in den Filialen Bargeld schwer zu bekommen ist. Daher haben sie andere Wege gesucht und leider gefunden“, sagt Frank Rosar von der Volksbank Kleverland.

663.650 Euro. Diesen Betrag projizieren die Polizeibeamten Baumgarten und Bodden-Bergau fett an die Leinwand. Dabei handelt es sich keineswegs um den Jahresumsatz eines mittelständigen Unternehmens, nicht um die Ablösesumme für einen Bundesliga-Fußballspieler, sondern um die Schadenssumme durch Betrugsphänomene im Kreis Kleve 2017. Totenstille drückt die Stimmung im Saal, die Baumgarten nicht aufhellt, als er anfügt: „Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher ausfallen.“ Um diesem ansteigenden Trend etwas entgegenzusetzen, informieren die Beamten primär über vier Betrugsmaschen: den Enkeltrick, den falschen Polizeibeamten, falsche Gewinnversprechungen und vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter.

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 „Rate mal, wer da ist“, lautet meist die Einleitung des Enkeltricks. Kriminelle geben am Telefon vor, mit dem Opfer verwandt zu sein und täuschen einen finanziellen Engpass vor. Das Opfer müsse Geld besorgen, ansonsten drohe der Liebesentzug. „Hier wird die Gutgläubigkeit älterer Menschen skrupellos ausgenutzt. Der Trick ist leider seit 20 Jahren erfolgreich“, sagt die Beamtin. Wenn sich die Täter das Vertrauen der Opfer erschlichen haben, sei es bereits zu spät, so Baumgarten. Der Anrufer terrorisiert sein Opfer mit Telefonaten, bis es das Geld abhebt. Unter einem Vorwand wird dann ein „Freund“ des vermeintlichen Enkels zur Geschädigten geschickt, der das Geld abholt.

Für einen großen Imageschaden der Polizei sorgen Kriminelle, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. „Mal geben sie sich als Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde, mal als Mitarbeiter des BKA aus“, sagt Bodden-Bergau. „Eines aber steht fest: erscheint die Nummer 110 im Display, stecken Gauner dahinter. Die Polizei ruft unter dieser Nummer nicht an“, sagt sie. Als „Polizisten“ geben Diebe vor, dass das Geld des Opfers nicht sicher sei und sie dieses schnellstmöglich den Beamten übergeben sollten. Im Glauben, mit dem „Freund und Helfer“ zu sprechen, hinterlegen sie ihre Wertsachen an einem abgestimmten Ort, wo die Betrüger sie dann abholen. „Obrigkeitshörigkeit und fehlende Rechtskenntnis tragen dazu bei, dass ältere Menschen häufiger zu Opfern werden“, sagt Baumgarten. „Zudem baut sich die Gehirnregion, die das Misstrauen steuert, im Alter stark ab.“ Hörschwäche und Einsamkeit tun ihr Übriges.

Um sich vor den komplexen Maschen der Gauner zu schützen, raten die Beamten, niemals übers Telefon persönliche Daten weiterzugeben. Bei Anrufen von vermeintlichen Polizisten oder Enkelkindern sollte man mittels Rückrufen oder Nachfragen sichergehen. „Im Zweifel beendet man eben das Gespräch“, sagt Baumgarten. Gerade in der Vorweihnachtszeit, das zeige die Erfahrung der Kommissare, ist die Gefahr akut. Doch die häufig in familiären Netzwerken, sogenannten Clans, organisierten Betrüger zeigen sich flexibel in der Wahl ihrer Mittel, um an das Vermögen ihrer Opfer zu kommen. „Sie schreiben immer neue Drehbücher, führen andere Theaterstücke auf“, bringt es Bodden-Bergau auf den Punkt.

Meist handelt es sich dabei zudem um internationale Inszenierungen: Die Drahtzieher des Enkeltricks sitzen häufig in Polen, die des falschen Polizisten in der Türkei. Bis zu 400 Anrufe tätigen sie am Tag, knapp zehn davon gelingen. Der Anrufer fungiert im Ausland als „Keiler“, in Deutschland können die Betrüger dann auf ein dichtes Netz von „Logistikern“ und „Abholern“ zurückgreifen. Ganze Telefonbücher durchkämmen sie nach alt klingenden Namen und gehen dabei häufig planmäßig nach Regionen vor. Am Rosenmontag dieses Jahres war so der Kreis Kleve ins Fadenkreuz der Bandenkriminalität geraten. „Das wichtigste, was wir Ihnen vermitteln können, ist ein gesundes Misstrauen“, sagt Stefanie Bodden-Bergau abschließend.