1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: B.C. Koekkoek und die kleinen Leute

Neue Ausstellung in Kleve : Koekkoek und die kleinen Leute

Das Klever Malerpalais präsentiert den „Zeichner“ Koekkoek: Die Bilder zeigen Studien arbeitender Menschen aus dem 19. Jahrhundert. Abgerundet wird die Schau der Zeichnungen mit Porträts von Menschen von Heute in ihren Werkstätten.

Sie machen Rast auf einem langem Weg. Rast im Schatten eines Felsens, wo es sich die beiden Händler so gut es eben auf dem harten Boden möglich ist, gemütlich gemacht haben. Während die beiden jungen Männer im Gespräch vertieft zu sein scheinen, guckt der Esel mit angestellten Ohren direkt auf den Zeichner. Das ist Barend Cornelis Koekkoek (1803 bis 1862), eigntlich berühmter Landschaftsmaler der niederlädnischen Romantik. Er hat das Fell des Langohrs so auf das Blatt gesetzt, dass man gleich in den weichen Pelz fassen möchte.

1846 schuf Koekkoek die „Landschaft mit zwei Rastenden mit Eseln“. Es ist eine Lithografie für den Kunstverein Cleve als Jahresgabe. Ein feines Blatt, das zeigt, wie genial der große Malerfürst auch den Zeichenstift beherrschte. Zu sehen sind 40 Zeichnungen von Koekkoek und 25 Fotografien von Bruno Meesters ab Sonntag im Klever B.C. Koekkoek-Haus, das dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet hat.

 Bruno Meesters vor einigen seiner Fotografien, links Wirtin Regina Evers in Hommersum.
Bruno Meesters vor einigen seiner Fotografien, links Wirtin Regina Evers in Hommersum. Foto: Matthias Grass

Koekkoek suchte und fand die Menschen, die ihm Model für die Zeichnungen „saßen“, in seiner direkten Umgebung. Also mit großer Wahrscheinlichkeit in Kleve, sagt Ursula Geisselbrecht-Capecki, künstlerische Leiterin des Hauses. Sie hat 40 Zeichnungen  aus den Schenkungen und Ankäufen des Hauses seit Beginn der Sammlung zu einer Ausstellung zusammengestellt. Die obere Etage des Koekkoek-Hauses und der Gartensaal über der Beletage sind jetzt dem Zeichner Koekkoek gewidmet. Man kann die Studien und Figuren, aber auch Lithografien studieren, den feinen genauen Strich des Malers aus den Niederlanden, die Lebendigkeit der Figuren. Es sind die kleinen Leute, die Arbeiter und Bauern, die Mägde oder die Menschen, die für den Lebensunterhalt Reisig sammeln müssen. Zu sehen sind auf der einen Seite vor allem die gezeichneten Figuren-Studien, die sich auf den Menschen konzentrieren, auf seine Haltung: sitzend, stehend, gehend. Und wie  man die Menschen „lebendig“ aufs Blatt bekommt. Es sind auf der anderen Seite aber auch lavierte oder aquarellierte Zeichnungen ganzer Szenen dabei: Wie die „Dorfkirmes“ von 1830 oder der „Blick auf Xanten“ von 1842. Alles zusammen ergebe „Das Lob der kleinen Leute“, sagt Geisselbrecht-Capecki. So auch der Titel der Ausstellung.

  • Das Astoria-Streichquartett gastiert in Kleve.⇥Foto: Veranstalter.
    Konzert in Kleve : Astoria-Quartett aus Düsseldorf spielt im Haus Koekkoek
  • Rainer Ulrichs ist der Preisträger des
    Videowettbewerb des B.C.Koekkoek-Haus : Freiheit aus einer anderen Perspektive
  • Einen großen Umzug mit Martinsfeuer wird
    Planungssicherheit fehlt : Martinszug durch Kleve fällt aus

Diesen „kleinen Leuten“ des 19. Jahrhunderts stellt Geisselbrecht-Capecki Menschen von Heute gegenüber, die ebenfalls ihrem Werk nachgehen. Die hat der Klever Fotograf Bruno Meesters fotografiert. Im klassischen Schwarz-Weiß, in klassischer Pose: Mensch in seinem „Lebenswerk“, so der Titel der Fotoausstellung in der Ausstellung.

Es sind Fotos, die ganz eigene Geschichten der abgebildeten Menschen erzählen: da ist Obstbaumeisterin Annette Raadts beispielswiese inmitten ihrer Äpfel, der Restaurator Clemens Giesen in seiner Werkstatt, da ist der Künstler Günther Zins. Oder Regina Evers, die Wirtin aus Hommersum. Die mache, erzählt Meesters, ihre Gaststätte neben der Kirche unter anderem vor und nach dem Hochamt immer mal wieder auf und reiche dann gerne das frischgezapfte Bier über die Theke. So, wie auf dem Foto. Es sei eine typische Dorfkneipe, die darunter leide, so der Fotograf, dass die Kirche eben nicht mehr der regelmäßige Sonntagstreffpunkt ist. Meester hat beide – Wirtin und Gastwirtschaft – wunderbar in einem Foto porträtiert.