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Kleve Barbara Maué von der Hochschule Rhein-Waal motiviert kleine Forscher

Interview Barbara Maué : Kinder können forschen lernen

Seit zehn Jahren arbeitet das Haus der kleinen Forscher im Kreis Kleve. Es soll helfen, Kinder wieder mehr für Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen. Kurse für Erzieher und Lehrer, Kitas können sich zertifizieren.

Barbara Maué ist die Netzwerkkoordinatorin vom Haus der kleinen Forscher in Kleve, das mit der Gründung der Hochschule Rhein-Waal 2009 seine Arbeit in Kleve begann, für das Abenteuer Forschung zu begeistern. Da die Kita und die Grundschule die ersten Bildungsinstitutionen sind, engagiert sich das Netzwerk Haus der Kleinen Forscher Kreis Kleve für eine bessere Bildung von Kindern im Kita- und Grundschulalter in den MINT-Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik und Technik.

Frau Maué, warum gibt es das Haus der kleinen Forscher?

Barbara Maué Das ist ja eine bundesweite Stiftung – ins Leben gerufen, weil das Interesse an den MINT-Fächern nachgelassen hat. Da Chemie und Physik erst ab der siebten Klasse unterrichtet werden, wurde deutlich, dass die Begeisterung fürs Forschen viel früher geweckt werden sollte.

Sie denken dabei an Kindertagesstätten und Grundschulen?

Maué Kinder sind dort in dem Alter, wo sie mit Begeisterung die Welt entdecken. Da müssen wir sie nur unterstützen, um die Freude am Forschen zu wecken – neben der Freude am Lesen oder an der Kunst. Doch das fehlte in den Kitas und Grundschulen.

Sie gehen in die Kitas und Grundschulen?

Maué Ja - aber nicht mit einem tollen Projekt für einen Tag. Wir zeigen auf, dass man mit den Kindern Dinge entwickeln kann, wie sie freies Forschen lernen können. Denn die Kinder in dem Alter fragen ja immer nach und wenn wir darauf eingehen und nicht nur verbal eine Antwort geben, sondern mit einem greifbaren Alltagsexperiment die Fragen gemeinsam forschend beantworten, haben nicht nur die Kinder Spaß an der Sache. Deshalb bieten wir Kurse für Erzieher*innen und Lehrer*innen an.

Was sollen die Lernen?

Maué Zunächst einmal möchten wir sie sensibilisieren, auf die Fragen als Forschungsfragen zu hören und keine abstrakte Antwort zu geben, sondern der kleinen, nennen wir sie Marie, die Möglichkeit geben, selbst zu forschen.

Zum Beispiel?

Maué Wenn Marie draußen war und ihr Wasser in die Stiefel gelaufen ist, stopft die Erzieherin Papier in die Stiefel und Marie fragt: Warum? Das ist dann der ideale Beginn für ein kleines Experiment: Sie holen Papier, lassen einen Tropfen Wasser darauf fallen und Marie sieht, was passiert. Wir möchten sensibilisieren, dieses forschende Beobachten regelmäßig zu unterstützen. So dass deutlich wird, dass Forschen von vielen Alltagsfragen ausgehen kann.

Dazu bieten sie Kurse an?

Maué Wir bieten Workshops zu den MINT-Themen Akustik, Optik, Luft, Mathe, Sprudelgase und vieles mehr oder zur Bildung für Nachhaltigkeit – wir gehen also vor allem auf Erzieher*innen und Lehrer*innen zu.

Was lernen die dann?

Maué Wir gehen vom freien Forschen aus, nicht vom Experiment nach Rezept. Marie hat eine eigene Frage und sucht auf sie durch das Forschen, das Ausprobieren nach einer Antwort. Wir gehen da nach dem Forscherkreis vor: erst kommt die Idee, dann stellt Marie eine Hypothese auf, beobachtet und notiert, was passiert, interpretiert das Ergebnis und vergleicht mit der Hypothese. Die kann sich dann bestätigen oder eben nicht. Kitas und Schulen können sich auch zertifizieren und zeigen dass Kinder hier aktiv forschen können.


Und diese systematische Herangehensweise hilft ja nicht nur bei Naturwissenschaften. Wie viele Kitas und Schulen haben denn eine solche Zertifizierung?

Maué Weit mehr als ein Dutzend im Kreis Kleve, in Kleve selbst beispielsweise St. Anna Materborn oder die SOS-In-Kita, die Markus-Schule in Hau, um einige Beispiele zu nennen. Wichtiger ist mir aber, dass fast 80 Prozent der Kitas und ein gut Teil der Grundschulen im Kreis an den Workshops für Erzieher*innen und Lehrer*innen in Kleve, Emmerich, Kevelaer oder Geldern teilnehmen – und die Rückmeldungen zeigen uns: Die Kinder gucken dann ganz anders in die Welt. Sie nehmen sie forschend unter die Lupe.