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Kleve: Ausstellung im Treppenhaus dauert noch bin den Juli hinein

Mail-Art-Illustrationen in Kleve : Ausstellung im Treppenhaus

„Digitaler Wandel“ heißt die Vernissage in Kleve, die noch in den Juli dauert. Im Treppenhaus an der Spyckstraße 29 werden „Mail-Art-Illustrationen“ gezeigt.

Die „2. Treppenhausstellung mit Mail-Art-Illustrationen zum Digitalen Wandel“ findet derzeit im Treppenhaus in der Spyckstraße 29 in Kleve statt. Parterre wohnt dort Thomas Brokamp, der „sein“ Treppenhaus für die Kunst seines Freundes, des Mail-Art-Artist Klaus Cordes, zur Verfügung stellt. Zwei Etagen, alle hellen Wände bestückt mit 60 DIN-A4 großen Rahmungen von postkartengroßen Bildern mit Texten auf weißem Papier.

Auf den Postkarten immer die übergroße Sondermarke der Deutschen Post zum Digitalen Wandel: Ein blaues Gesichtsprofil, angeschnitten, mittig platziert, nach links schauend, daneben roter Grund, rechts ein Matrixcode – die „neue Generation“ der EAN-Briefmarken. Das Gesichtsprofil der Marke ergänzt auf den Ausstellungsstücken (immer in Original-Größe, nie verfremdet oder verzerrt) Personen auf Bildern – Frauen sowie Männer. Bei und mit diesen Personen findet „digitaler Wandel“ statt, den Cordes mit Texten unterstreicht. Alles in Minuskelschrift, „wie heute ja viele Menschen auch digital kommunizieren“, erklärt Brokamp. Cordes selbst hat gar kein Profil in sozialen Medien – noch nicht einmal ein Handy. Sein bemerkenswertes Wissen über den digitalen Wandel ist angelesen – er hat sich hinein begeben, ohne „drin“ zu sein. Und er kommentiert mit scharfem Blick: Digitaler Wandel ist nicht nur Fortschritt und „schöne neue Welt“. Er ist Rückenwind, Gegenwind, Aufwind. Er ist kostenpflichtig, aber leicht zu haben. Er macht Schluss mit Wählscheibe und Hörer, aber die Warteschleifen sind omnipräsent.

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Und dann wird es noch interessanter: Das ständige Suchen nach dem Handy mit den Händen verändere das Gehirn, verursache ein „restless-hands-syndrom“. Und das vor allem bei der jungen Generation: „je mehr früher online-konsum, desto schlechter die bildungskarriere“, steht da. Der fiktive Tom will ein Football-Manager-Spiel zocken, Martin hat von einem echten Bolzplatz gehört. Hinter- und vordergründig nimmt Cordes den Besucher durch Bild und Sprache an die Hand, führt in den digitalen Wandel ein als schleichenden Verlust des Analogen, beleuchtet kritisch viele Seiten der nicht immer rosigen Aussichten. Influencer mit Fake-Filtern, überall Kontrolle, Steuerung der Liebesfähigkeit und „befremdliche“ Träume sind Themen. Relikte einer alten, bessere (?) Zeit stehen einer neuen, mobilen, aber im Grunde zur Vereinsamung führenden großen Welt im kleinen Display gegenüber. Ganz unten, am Eingang des Treppenhauses, ist eine daumenkinoartige Reihung: Ein Streichholz entzündet sich darauf, verbrennt letztlich auch einen Teil der Sondermarke. Brokamp sagt: „Das erinnert mich an den Zauberlehrling, der auch irgendwann nicht mehr Herr der Geister war, die er rief.“

Die 2. Treppenhausstellung „Digitaler Wandel“ ist noch bis in den Juli hinein zu sehen. Interessierte können mit Thomas Brokamp Kontakt aufnehmen (E-Mail: brokampkleve@aol.com, Telefon 02821 9776672) und unter Einhaltung aktueller Hygiene-Vorschriften mit maximal zwei Besuchern pro Termin die Ausstellung erkunden.