Kleve: Abiturbräuche in Zeitung des "Klevischen"

Klevischer Verein : Bier vom Bresserberg für die Abiturientia

„Rund um den Schwanenturm“ erzählt Geschichten aus dem Kleverland: Von der Kastanienallee über Abi-Bräuche in der Weimarer Republik bis zum Denkmal Friedhof.

Der Weg vom Bresserberg hinab war wohl doppelt so lang, wie der hinauf – konnte der Rückkehrer ihn doch nicht mehr wirklich gerade gehen. So der „Wanderer“ nicht als Bierleiche liegen blieb. Denn die Untersekunda des Staatlichen Gymnasiums Kleve, heute das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, hatte dort ordentlich gebechert in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1924. Beim „Bierkommers“ gemeinsam den Becher gehoben. Die Szene wurde als Karikatur in der Bierzeitung der Untersekunda zum Einjährigen festgehalten. Passend dazu der Spruch all derer, die Latein oder Griechisch lernten: „Wanderer kommst nach Kleve, verkündige dort, du habest uns hier liegen gesehen...“

Die Bräuche der Klever Gymnasiasten zur Zeit der Weimarer Republik erinnern im romantischen Blick zurück an Heinz Rühmann und seine Feuerzangenbowle. Es wird von Mädchen erzählt, man sieht die Jungs in Pennälermützen um ihren steif gewandten Klassenlehrer, hört die Geschichten von den Saufgelagen der Kneipen. Helga Ullrich-Scheyda hat sich im neuen Heft des Klevischen Vereins „Rund um den Schwanenturm“ diesen alten Pennäler-Bräuchen gewidmet. Sie hat die Karten der Abiturientia hervorgeholt, Karikaturen von Lehrern oder Bierkrüge stemmenden kleinen Jungs, Vignetten, die zeigen, dass die Jungs nicht nur trinken, sondern auch zeichnen und gestalten gelernt hatten. Und dann gibt es da noch so zeitlose Sätze: „Habe glücklich alle Saufereien hinter mir. Trete am 15. meine Stelle bei der Bauerbank an.“ Oder: „... Augenblicklich folgt eine Keilkneipe der anderen. Sonst gibt es in Cleve wenig neues. (wie immer)!“ Allein schon dieser Bericht Ullrich-Scheydas lohnt, das Heftchen in die Hand zu nehmen. Einen Antisemtismus der Schüler kann Ullrich-Scheyda auch bei genauerem Hingucken nicht entdecken, vielleicht Patriotismus. Aber vor allem die üblichen Pennälerscherze. Feuerzangenbowle in Kleve eben.

Ein späterer Lehrer derselben Schule, Walter Froleyks, untersucht in seinem Beitrag die wunderbare Kastanienallee an der Hohen Luft und geht den Bauten und den baulichen Überresten dort auf den Grund. Froleyks listet die uralten Bäume und schildert, wie der Forst versuchte, sie vor dem Auseinanderbrechen zu sichern. Ein spannendes Stück Heimatgeschichte.

Wiltrud Schnütgen hingegen erzählt die Geschichte eines der wichtigsten Grabmäler auf dem Klever Friedhof. Es geht um das Grab der Familie Hiby, das jüngst von Buntmetall-Räubern geschändet wurde. Schnütgen erinnert die Stadt auch daran, dass das vom Landschaftsverband Rheinland längst festgestellte Denkmal auch endlich auf die Denkmal-Liste kommt.

Einem analogen Stück Kleve zum Anfassen widmet sich Reinhard Berens: Dem von den Rotariern unterstützten Stadtmodell vor dem Rathaus. Antiquar Helmut van Bebber erinnert an die Skulpturen von Helmut Martin, dessen stilisierten Schwan für die jetzige Beuys-Gesamtschule und schließlich an das monumentales Mauer-Relief vor der Union, das kurz vor dem Tod Martins – er starb 2017 im Alter von 92 Jahren – abgerissen wurde.