Projekt Aufforstung 250.000 Bäume für den Trinkwasserschutz

Kleve · Der Reichswald soll zum Laubwald werden. An diesem Ziel arbeitet das Regionalforstamt Niederrhein. Durch die Unterstützung der Stadtwerke Kleve wurden inzwischen eine Viertelmillion Buchen- und Eichen gepflanzt.

 Förster und Stadtwerke-Vertreter stellten der Politik die Aufforstungsmaßnahmen vor.

Förster und Stadtwerke-Vertreter stellten der Politik die Aufforstungsmaßnahmen vor.

Foto: Marc Cattelaens

Das Wasser aus dem Klever Reichswald ist so gut, dass es den Stadtwerken kaum Arbeit bereitet. So, wie es die bärenstarken Pumpen aus dem Waldboden holen, könnte es eigentlich sofort getrunken werden. Lediglich der pH-Wert wird noch etwas angepasst, damit die Leitungen nicht beschädigt werden. Außerdem wird der erhöhte Anteil an Kohlensäure mit Kalk gebunden. Und doch darf sich niemand darauf verlassen, dass das so bleibt. Denn das Eindringen von Nährstoffen in das Grundwasser, die Nitratbelastung, kann sich – auch in Kleve – zum Problem entwickeln.

Deswegen führen das Regionalforstamt Niederrhein und die Stadtwerke Kleve seit 2007 ein Projekt zur Aufforstung des Reichswaldes durch. Dabei werden vorwiegend mit Kiefern und Fichten besetzte Flächen in Buchen- und Eichenbestände umgewandelt. Auf diese Weise sollen die hohe Qualität des im Reichswald geförderten Trinkwassers gesichert und klimaschädliches CO2 aufgenommen und in Sauerstoff umgewandelt werden.

Jetzt wurde im Rahmen dieser Maßnahmen mit maßgeblicher Unterstützung der Klever Stadtwerke der 250.000. Baum gepflanzt. Mit dem Projekt verbinden das Regionalforstamt Niederrhein und die Stadtwerke Kleve die Umweltziele der Stadtwerke mit dem Naturschutz. Denn der Reichswald ist nicht nur Trinkwasserreservoir, sondern auch Naherholungsgebiet sowie Heimat für Rot- und Schwarzwild sowie Insektenarten.

Wie  Regionalförster  Joachim Haut  erläutert, werden die Laubholzpflanzen bevorzugt in aufgelichteten Waldparzellen, die etwa durch Orkane in hauptsächlich mit Kiefern und Fichten bestockten Flächen entstanden sind, gesetzt. Dabei wird teilweise der vorhandene Altschirm aus Kiefern und Fichten als Schutz für die neu gesetzten Pflanzen genutzt. Die Laubbäume werden  auf jeweils 1000 bis 3000 Quadratmeter großen Flächen innerhalb des Wassereinzugsgebietes Reichswald gepflanzt. In den Zwischenräumen können sich weitere Baumarten natürlich ansiedeln.

„Langfristig wird sich hier die Buche durchsetzen“, ist Regionalförster Joachim Böhmer überzeugt. Das sei auch gut so. „Wenn der Mensch nicht eingreifen würde, hätten wir schon längst große, monotone, artenreiche Buchenwälder hier. Diese Bäume sind für den Klimawandel auch am besten geeignet. Außerdem sind sie für die Grundwasserbildung gut“, sagt Böhmer.

Auch Otto Pöll, Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein, ist überzeugt: „Mit der Fichte wird es hier zu Ende gehen“. Immer häufiger auftretende Stürme, lange Trockenperioden wie zuletzt 2018 sowie der Fichtenborkenkiefer werden der Fichte stark zusetzen, blickt Pöll voraus. Wenn die Förster, mit Unterstützung der Stadtwerke, nicht eingreifen würden, gäbe es zunehmend Kahlflächen im Reichswald.

Dabei schauen die Förster weit in die Zukunft. Zehn Jahre lang lassen sie jungen Buchen unberührt. Dann kommt die Jungwuchspflege und nach weiteren 30 Jahren die erste Durchforstung. „Erst dann haben wir das erste brauchbare Holz“, sagt Haut. Wenn nicht ein starker Sturm dazwischen kommt. Mit Schrecken erinnert er sich noch an „Kyrill“ im Jahr 2007. „Am Morgen danach erhielten wir einen Anruf von den Stadtwerken, dass niemand mehr zum Wasserwerk gelangen kann. Tatsächlich lagen 200 Bäume auf dem Weg“, erzählt der Revierförster.

Die Baumpflanzaktionen sind nur ein Teil der Umwelt- und Grundwasserschutzmaßnahmen, die mit Hilfe der Stadtwerke umgesetzt werden konnten. „Die vorbildliche Kooperation mit den Stadtwerken Kleve, die auch schon zur Anlage einer Streuobstwiese und zum Ausbau von Kleingewässern für Wildtiere geführt hat, ist  ein wertvoller Beitrag zum Schutz und Ausbau des wertvollen Ökosystems Reichswald“, betont Pöll.

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