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Kalkar-Wissel: Kleines Dorf feiert großen Erntedank

Kalkar-Wissel : Kleines Dorf feiert großen Erntedank

Wissel im kunterbunten Ausnahmezustand: Mit seinem Erntedankzug hat das Dünendorf wieder zahlreiche Gäste angezogen. Erntekönigin Birgit Steffen verteilte 1100 Erntesträuße, angeführt wurde der Zug von den ganz Kleinen.

Im Ortskern von Wissel lebt es sich eigentlich relativ entspannt. Etwas mehr als 2000 Einwohner verteilen sich über die 994 Hektar Gemeindefläche. Größere Besuchergruppen trifft man normalerweise nur, wenn ein Ausflug in die naheliegenden Dünen anstehen. Normalerweise. Denn einmal im Jahr zieht sich die Schlange der am Wegesrand parkenden Autos bis weit vor das Ortsschild Wissels. Dann lädt das Örtchen zum Erntedankfestzug ein. Dessen Vorbereitung ist streng geheim - schließlich soll keiner der Mottowagen vor dem großen Tag seinen Auftritt haben. Besonders mit Spannung erwartet: das Gespann der Erntekönigin.

Die heißt in diesem Jahr Birgit Steffen und ist im bürgerlichen Leben Krankenschwester auf der Intensivstation des Klever Krankenhauses. Ihr Wagen war ein echter Hingucker. "Insgesamt haben wir 9000 Dahlien verarbeitet. Die gesamte Truppe hat zwei Tage dran gesessen", sagte die 46-Jährige. Über dem Wagen thronte die royale Krone, stilecht aus Getreide.

Kurz bevor sich der Zug durch den Ortskern in Bewegung setzte, war die Anspannung von der Erntekönigin wie abgefallen. "Heute Morgen war ich noch sehr aufgeregt, habe daran gedacht, was alles schiefgehen könnte. Aber es hat alles wunderbar funktioniert", saget die junge Frau. 1100 Erntesträuße hatten die Helfer im Vorhinein gebunden, die galt es am Samstag unter die zahlreichen Besucher zu bringen, die sich am Wegesrand positioniert hatten. Manche von ihnen hatten sich schon über eine Stunde vor Beginn des Zuges ein Plätzchen gesichert. "Ein Teil meiner Familie läuft beim Zug mit, der andere Teil hat schon angekündigt, gleich an mehreren Stellen im Ort aufzutauchen", sagte Birgit Steffen lachend. Mit dabei war auch die mexikanische Austauschülerin der Familie, die spätestens seit Samstag mit vielen bunten Eindrücken zurück in ihre Heimat fliegen kann.

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Sorge, dass der Umzug ins Wasser fallen würde, musste am Wochenende niemand haben. Bei sommerlichen Temperaturen hatten sich die Zugteilnehmer lediglich darum zu kümmern, dass sie keinen Sonnenbrand bekommen und ausreichend Flüssigkeit im Gepäck haben. "Wir haben extra ein Geheimfach in den Wagen eingearbeitet, in dem wir unsere Getränke lagern können", verriet die Erntekönigin noch, ehe der Tross mit einem Ruck losfuhr.

Angeführt wurde der Festumzug aber nicht von der Königin, sondern von den ganz kleinen Bewohner Wissels. Die Sonnenblumenkinder vom Dünennest, dem Kindergarten des Ortes, hatten sich mit ihren herbstlich geschmückten Wagen und Kostümen mindestens genauso viel Mühe gegeben, wie die erwachsenen Teilnehmer.

Insgesamt 39 Zugnummern unterhielten die Besucher, darunter auch das Tambourcorps, das sich dem heimischen Gefieder widmete: "Viele Störche waren da - kommt jetzt die Kinderschar?" Die Jungschützen waren mit einem riesigen Stroh-Radl unterwegs, die Wisseler Deichspatzen kamen als Mäuse verkleidet. Die Schützendamen hatten einen "reichgedeckten Tisch" und sogar der Bowlingclub Wissel war in die Rolle von Unkrautwichteln geschlüpft. Auch Pastor Alois van Doornick zog mit einem kleinen Wagen mit - und das nicht ohne Grund. Ebenfalls seit Jahren Tradition hat in Wissel der ökumenische Erntedankgottesdienst auf dem Gelände des Freizeitbades Wisseler See. Anschließend konnte im Festzelt gefeiert werden.

(lukra)