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KKLE-Chefarzt Norbert Bayer bei RP-Telefonaktion zum Thema Herzprobleme

Telefonaktion zu Herzproblemen : Damit es am nächsten Tag nicht zu spät ist

Bei der Telefonaktion von Rheinischer Post und dem Katholischen Karl-Leisner-Klinikum ging es dieses Mal ums Herz. Chefarzt Norbert Bayer beantwortete die Fragen der Leser. Er weiß: Im Schnitt sind die Patienten derzeit kränker.

Norbert Bayer legt den Hörer auf, trinkt einen Schluck Wasser und fragt: „Worüber haben wir eben noch geredet?“ Die Antwort kann er kaum abwarten, schon klingelt das Telefon erneut. Norbert Bayer ist Chefarzt am Katholischen Karl-Leisner-Klinikum (KKLE). In einer gemeinsamen Telefonaktion von Rheinischer Post und KKLE konnten Leser ihn eine Stunde lang telefonisch in der Redaktion erreichen und Fragen zu Herzerkrankungen stellen. Die Nachfrage war groß.

Die fünf häufigsten Gründe für einen stationären Krankenhausaufenthalt sind laut dem Statistischen Landesamt NRW Erkrankungen der Herz-Kreislauf-Organe. Die Herzschwäche führt die Liste an, gefolgt von Brustenge (Angina Pectoris), Herzinfarkt, Bluthochdruck und Vorhofflimmern. Bayer beobachtet dabei spürbare Veränderungen durch zwei Jahre Corona-Pandemie. „Wir haben nicht weniger Patienten, aber im Schnitt sind sie erheblich kränker. Es gab immer Berührungsängste, aber während Corona hatten viele Angst, sich anzustecken oder im Krankenhaus Betten zu blockieren“, sagt der Kardiologe.

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So ähnlich ergeht es auch der ersten Anruferin. „Ich habe Vorhofflimmern und gehe sonst jedes Jahr zweimal zur Untersuchung, jetzt war ich zwei Jahre gar nicht“, sagt die Frau. Bayer betont die Dringlichkeit, mit der Menschen mit Herzbeschwerden zum Arzt gehen sollten: „Wenn ich Schmerzen im Knie habe und ein halbes Jahr warte, bis ich zum Arzt gehe, dann hatte ich ein halbes Jahr Schmerzen. Wenn mit dem Herzen etwas nicht stimmt, kann es am nächsten Tag zu spät sein.“

Wie ernst Herzerkrankungen zu nehmen sind, zeigt sich auch bei einem anderen Anrufer. Er klagt über Herzschmerzen und einem Drücken auf der Brust, zur Linderung der Beschwerden benutzt er bereits Nitrospray, das für eine bessere Durchblutung des Herzens sorgt. Freundlich, aber bestimmt rät Bayer ihm den Notarzt zu rufen: „Warten Sie nicht und gehen Sie auch nicht selbst zur Klinik. Rufen Sie die 112 an und lassen Sie sich zur Klinik bringen.“ Der Verdacht: Herzinfarkt.

Unter den Anrufern sind jedoch einige, die zögern, auch weil sie nicht so recht wissen, an wen sie sich wenden können. Bayer wirbt dafür, sich bei Beschwerden immer an den Hausarzt zu wenden und einen Facharzttermin zu vereinbaren. Wenn es akut ist, können die Betroffenen aber immer auch direkt in die Klinik kommen. „Bei Beschwerden können Sie sich jederzeit im Krankenhaus vorstellen, dann sind Sie Notfallpatient, ob mit Einweisung oder ohne“, rät Bayer einem 76-jährigen Mann, der Herz-Rhythmus-Störungen und Vorhofflimmern hat, aktuell über Luftnot klagt.

Am Telefon gelingt es Bayer auch, den Anrufern manche Sorge zu nehmen. Ein 92-Jähriger und eine 85-Jährige rufen an, weil sie befürchten, dass sie für eine Herzkatheter-Untersuchung schon zu alt sind. „Ich bin eine alte Tante und habe auch sonst Baustellen“, sagt die Frau. Beiden gibt Bayer eine klare Antwort: Das Alter spielt keine Rolle.

Die Herzkatheter-Untersuchung, bei der ein Katheter durch die Blutbahnen ins Herz geführt wird, um dieses genau zu untersuchen, macht einer Anruferin besonders Angst. „Ich schrecke davor zurück, gibt es denn keine Alternative?“, fragt die Frau. Bayer kann sie beruhigen: „Die Herzkatheter-Untersuchung bringt sehr große Sicherheit. Das ist kein großer Eingriff, das Risiko ist wirklich vernachlässigbar.“

Dass Patienten häufig verunsichert sind, ist für den Kardiologen nichts Neues. Manchmal auch aus Unwissenheit darüber, was heute möglich ist: So erfolgen Herzkatheter-Untersuchungen nicht mehr über einen Zugang in der Leistengegend, sondern vom Handgelenk aus. Das Verfahren wird von den Patienten als deutlich angenehmer erlebt und weist eine äußerst niedrige Komplikationsrate auf. Wichtig bei rund 2000 Herzkatheter-Untersuchungen im Jahr.