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Niederrhein: Kirche darf kein Auslaufmodell werden

Niederrhein : Kirche darf kein Auslaufmodell werden

Das oberste synodale Gremium des Bistums hat eine neue Satzung für die Pfarreien beschlossen. Im Kern geht es darum, mehr auf die Eigenarten vor Ort zu schauen. Es geht um Zeitgeist und um konkrete Maßnahmen für die Zukunft.

Am Sonntag war Hugo Uebbing im Veni-Gottesdienst. Aus Neugierde. "Ich hatte viel davon gehört und wollte mir das einmal selbst ansehen", sagt der Religionslehrer aus Mehr, der Mitglied im Diözesanrat ist. Interessant fand er den Gottesdienst, und auch theologisch ansprechend.

Ob diese Form des Feierns allerdings in jeder Gemeinde machbar sei, sei eine andere Frage. Veni-Gottesdienste seien jedenfalls ein möglicher Weg für die Zukunft der Kirche, Hausgottesdienste ein anderer, wichtig sei aber, auch alte Angebote zu erhalten.

"Die verschiedenen Formen zeigen einfach die Vielfalt in der Kirche", sagt Hugo Uebbing. Und eben diese Vielfalt soll künftig noch mehr zum Tragen kommen. So sieht es die neue Satzung für die Gemeinden vor, die gerade vom Diözesanrat verabschiedet wurde.

Geändert wurde dazu erst einmal die Begrifflichkeit: Künftig gibt es Pfarrei-Räte statt Pfarrgemeinderäte und Gemeindeausschüsse statt der Ortsausschüsse. Begriffe, die auch inhaltlich mit Leben gefüllt werden sollen.

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Hinter der neuen Begrifflichkeit steht der Gedanke, auch in großen Pfarreieinheiten die Eigenheiten vor Ort zu erhalten, in den Gemeinden eben. Für Rees etwa würde das bedeuten, dass St. Irmgardis die Pfarrei bildet und Bienen, Rees, Grietherbusch, Haffen und Mehr die Gemeinden sind.

Ziel ist, dass sich das Angebot einer Pfarrei stärker an ihrer jeweiligen Lebenswelt ausrichtet. Jede Gemeinde soll künftig einen lokalen Pastoralplan aufstellen, wie es etwas sperrig heißt. Gemeint ist damit, dass sich das Leben einer Pfarrei künftig stärker an den Begabungen der Gläubigen orientieren soll. "Bis jetzt heißt die Frage: Was kann alles gemacht werden? Künftig wird sie heißen: Wer kann was machen?" Im Klartext bedeutet das, dass auch bestimmte Angebote auf den Prüfstand gestellt werden. "Es wird dazu kommen, dass manche Dinge auch fallengelassen werden, das ist sicher nicht leicht."

Kirche müsse mehr auf die Leute zugehen, auf ihre Wünsche reagieren, auch dem Zeitgeist dürfe sie sich nicht verschließen, meint Uebbing. "Es gibt momentan das Gefühl, dass die Gefahr besteht, dass Kirche zum Auslaufmodell wird. Da müssen wir reagieren."

Sich zu öffnen und auf die Wünsche der Menschen zuzugehen, heiße aber nicht, dass dabei die Botschaft aufgegeben wird. "Der Inhalt muss stimmen", betont Hugo Uebbing.

Gleichzeitig müssten sich die Gläubigen auf Veränderungen einstellen. Es werde unterschiedliche Angebote in unterschiedlichen Gemeinden geben. "Die Leute müssen mobiler werden, aber das sind sie auch. Ein 70-Jähriger fährt heute auch schon einmal 20 Kilometer, um einen bestimmten Gottesdienst zu besuchen."

(RP/rl)