Stirb langsam, Avatar und Co. Warum wir es bei den Weihnachtsfilmen gerne krachen lassen

Kleve · Warum laufen an den Feiertagen immer Action-Filme und was bietet das Kino zwischen den Jahren? Ein Gespräch mit dem Klever Kino-Chef Reinhard Berens über Bootcamps für die Seele und den Wert von selbstgemachtem Popcorn.

 Avatar sollte 2009 der Durchbruch des 3D-Kinos werden. Mit „The Way Of Water“ kommt 13 Jahre später der zweite Teil ins Kino. Ein rasanter Streifen, pünktlich zu Weihnachten.

Avatar sollte 2009 der Durchbruch des 3D-Kinos werden. Mit „The Way Of Water“ kommt 13 Jahre später der zweite Teil ins Kino. Ein rasanter Streifen, pünktlich zu Weihnachten.

Foto: dpa/-

Schaut man ins Fernsehen, ist Weihnachten alles andere als besinnlich: „Stirb langsam“ und „Bad Boys“ heißen nur zwei der vielen Action-Filme, die dieses Jahr an den Feiertagen laufen werden. Und das große Abenteuer darf auch nicht fehlen – Jack Londons „Ruf der Wildnis“ gehört dazu wie früher die großen Serien, die in der Weihnachtszeit liefen. Der „Kurier des Zaren“ oder der „Seewolf“ – immerhin unter der Regie von Wolfgang Staudte. Immer traditionell zur Weihnachtszeit, immer actiongeladen.

Natürlich gibt es da auch die anderen Klassiker im Fernsehprogramm: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Tatsächlich Liebe“ etwa. Und trotzdem fällt auf: Die Zuschauer lassen es an den Feiertagen gerne krachen. „Horror und Action-Filme sind wie ein Bootcamp für unsere Seele. Das heißt: Man kann in einem fiktiven Setting seine Seele sozusagen emotional trainieren für die Schrecken dieser Welt. Und das hilft ein wenig aus dem Alltag auszubrechen“, sagt Kleves Kino-Chef Reinhard Berens.

Ab dem zweiten Weihnachtstag laden auch die Klever Kinos wieder in ihre eigene Film-Welt ein. Mit dem Blockbuster Avatar 2. „Das ist ein Film für die große Leinwand, für das 3D-Erlebnis. Das bietet TV nicht. Wir können den Film in unseren Sälen in 4K-Projektion bieten – eine weit über die HD-Technik stehende, hochauflösende Kino-Projektion mit einem sehr klaren Bild. Das ist meine absolute Weihnachtsempfehlung, der läuft ab dem zweiten Weihnachtstag in vier unserer Klever Kinos“, sagt Kleves Kino-Chef Reinhard Berens.

 Kleves Kinochef Reinhard Berens.

Kleves Kinochef Reinhard Berens.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Aber auch Avatar ist wieder ein großer, sehr teurer Film voller Action – als der Film zu Weihnachten. Action ist eben beliebt zum Fest - das zeigten nicht nur die großen Abenteuer-Serien-Filme der öffentlich-rechtlichen seit den ausgehenden 1960er Jahren. Das zeigt vor allem „Stirb langsam“ mit Bruce Willis, der Heiligabend spielt und bei dem zum Ausklang, nachdem 23 Leute einschließlich der Bösewichter ihr Leben ließen, „Let it Snow“ läuft, wenn die Wertpapiere wie Schnee vom Himmel regnen. Und den laut einer Umfrage aus 2018 mehr als 25 Prozent aller erwachsenen Amerikaner für einen richtigen Weihnachtsfilm halten. Und das wohl auch in Europa – denn der Film gehört zum weihnachtlichen Filmrepertoire dazu.

Doch letztlich habe jeder seinen eigenen Geschmack beim Film, vor allem bei Weihnachten. Von Stirb langsam bis Sisi. Sisi mit Romy (Schneider). Der eine zeigt den Working-Class-Hero der über sich selbst hinauswächst. Im Grunde ein modernes Märchen mit Happy-End. Der andere das unwirkliche Leben der jugendlich-unbekümmerten (späteren Kaiserin) Elisabeth mit der jugendlichen Schneider. Es sind Filme, die das Happy-End im Grunde immer voraussetzen – wie bei „Kevin allein zuhause“. Auch hier der Weihnachtsfilm vom Jungen, der sich, weil er zuhause vergessen wurde, gegen zwei ziemlich grenzdebile Schurken durchsetzen muss. Und der am Ende schließlich wieder in den ganz normalen Alltag, aus dem der Film hinausführte, zurückgeworfen wird. Der Held kommt wider auf der Straße an und der Nachbar nebenan ist doch ein ganz netter.

„Letztlich bieten alle diese Filme – selbst ein Horrorfilm – die Möglichkeit, aus dem Alltag, aus der Realität auszubrechen. Am besten, wenn sie wie Avatar tolle Bilder liefern. Dann kann man sich 90 oder 120 Minuten ausklinken: Raus aus der Hektik des Alltags und die Bilder auf sich wirken lassen. Bei Avatar sind das sogar über drei Stunden“, sagt Berens. Was zählt sind die atemlosen Bilder, die Action. „Man muss nicht an komplizierte Zusammenhänge denken, kann sich entspannen und die Bilder, bei Avatar beispielsweise die Unterwasserwelten, auf sich wirken lassen. Man kann auch hinterher darüber diskutieren, über den Film sprechen, darüber oder auch über das eigene Leben reflektieren“, sagt der Kino-Chef – der momentan so von Avatar begeistert ist, dass er immer wieder auf diesen Film zurückkommt.

Wobei gerade Avatar einerseits in Traumwelten entführt, andererseits aber auch die ganze reale Problematik von Kino und Filmverleih aufzeigt: „Disney verlangt als Verleih 55 Prozent vom Eintrittspreis. Deshalb müssten wir den Preis pro Karte eigentlich deutlich erhöhen. Das passiert andernorts auch: Bei uns kostet der große 3D-Film dasselbe, wie der 2D-Film. Um 16 Uhr zehn Euro und ab 20 Uhr zwölf Euro. In Köln verlangen die Kinos 14 bis 15 Euro, in Stuttgart gibt es sogar Häuser, die nehmen 19,50 Euro für den Film“, sagt Berens. In Kleve setze man letztlich auf das selbst gemachte Popcorn und habe aber auch das Glück, dass die Energiepreise aufgrund der Verträge mit den Stadtwerken nicht so auf die Kosten durchschlagen.

Doch zurück zum Film im Kino, neben dem Action-Blockbuster „Avatar“ gibt es auch ein Trickfilm-Märchen: Es geht um den gestiefelten Kater, der nach seinen vielen Abenteuern erkennen muss, dass auch die neun Leben einer Katze irgendwann einmal zu Ende gehen könnten und er sich zur Ruhe setzen sollte. Doch kann man sich den gestiefelten Kater im Ruhestand vorstellen?