Kreis Kleve: "Kindheitswiesen" bringen Artenvielfalt

Kreis Kleve : "Kindheitswiesen" bringen Artenvielfalt

Vor einem Jahr hat Mareike Büdding die Samen gesät, nun zieht sie Bilanz. Mit dem Projekt "Kindheitswiesen" möchte der Landschaftsverband Rheinland die Artenvielfalt der Blumen und Kräuter in der Region wiederherstellen.

Die Grenze könnte krasser nicht sein. Auf der einen Seite die triste Nutzfläche, Agrarfelder, auf der anderen Seite ein knapp ein Meter hoch gewachsener Kräuter-Urwald. Die roten Klatschmohn-Blüten scheinen zwischen den zahllosen grünen Stängeln zu schweben. Aus der Vogelperspektive sieht es aus, als habe jemand kleine rote Punkte in die Landschaft gemalt.

Es ist nun gut ein Jahr her, dass der Landschaftsverband Rheinland das Projekt "Kindheitswiesen" ins Leben gerufen hat. "Unser Ziel ist es, bunte und artenreiche Wiesen wiederherzustellen", sagt Mareike Büdding (29) vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve. Auf artenarmen Grünlandstandorten haben Büdding und ihr Team schmale Einsaatstreifen in den Boden gefräst — mit der Hand. "Maschinell ist das in den kleinen Mengen kaum möglich", erklärt Büdding. In diese Ausfräsungen wurde dann vor einem Jahr regionales Kräuter-Saatgut ausgesät.

Bei der Saat war es Mareike Büdding wichtig, dass die Blumen und Kräuter auch wirklich aus der Region kamen. Gar nicht so einfach. Denn viele Samen, die im Handel als "heimisch" beschrieben werden, stammen dennoch aus Übersee, beispielsweise aus Neuseeland oder den USA. Das bei den Kindheitswiesen verwendete Saatgut stammt deshalb aus Wiesendrusch von benachbarten Regionen, so auch aus dem Naturschutzgebiet (NSG) "Hübsche Grändort" (südlich von Rees). Die Kräuter haben bilderreiche Namen wie "Kleiner Klappertopf", "Wiesen-Bocksbart", "Gemeine Schafgarbe", Wiesen-Storchschnabel, "Ackerwitwenblume" oder "Kümmelblättriger Haarstrang". Und weil in manchen Gebieten einfach nicht gemäht wird, hat Büdding auch dort ihre Hände wieder in die Erde gesteckt und die Samen per Hand aufgelesen. Wenn man sie fragt, warum sie Ökologie studiert hat, sagt sie: "Weil ich draußen etwas machen wollte. Ich wollte immer die praxisnahe Biologie." Seit vier Jahren arbeitet die 29-Jährige im Naturschutzzentrum im Kreis Kleve.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) fördert das Projekt "Kindheitswiesen" mit insgesamt 243 000 Euro, verteilt auf drei Jahre und auf sieben Biostationen: Bonn, Rhein-Sieg, Düren, Neuss, Haus Bürgel, Wesel und Kreis Kleve. Auf das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve entfällt ein Anteil von 42 000 Euro, mit dem innerhalb der drei Projektjahre eine Grünfläche von rund 30 Fußballfeldern aufgewertet werden sollen. Von dieser Projektfläche wird allerdings nur ein kleiner Teilbereich gefräst und dann mit der regionalen Kräutermischung neu eingesät.

Von dem Vorhaben verspricht sich Mareike Büdding vor allem zu beweisen, dass die größtenteils von Hand umgesetzte Wiederherstellung funktioniert. Und wenn sie für ein Foto posierend inmitten der Kindheitsweise steht, kann man auch davon ausgehen, dass das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt.

(RP)
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