1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kreis Kleve: Kinder-Uni: Angst vor Krebs nehmen

Kreis Kleve : Kinder-Uni: Angst vor Krebs nehmen

Am Mittwoch startet wieder die Kinder-Uni im Hörsaal 2 der Hochschule Rhein-Waal. Prof. Dr. Joachim Fensterle erzählt acht- bis zwölfjährigen Kindern von den Zellen, den kleinsten Bauteilen des Körpers, und wie Körperpolizisten helfen.

Sie handelt von lieben Zellen, bösen Zellen und vor allem von coolen Körperpolizisten, die nächste Vorlesung der Kinder-Uni an der Hochschule Rhein-Waal. Die startet am morgigen Mittwoch, 29. Mai, und wird von Dr. Joachim Fensterle, Professor für Biotechnologie und Bioengineering an der Hochschule Rhein-Waal, gehalten. Er will den Kindern erklären, was so in einer Zelle, dieser kleinsten lebenden Einheit unseres Körpers, steckt. Beginn der Vorlesung ist um 17.15 Uhr am Campus Kleve im Hörsaal 2. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Mittwoch werden die Kinder lernen, dass Zellen die eigentlichen Bausteine des Lebens sind, dass Menschen, aber auch Elefanten oder Regenwürmer, aus Zellen bestehen. "In der Vorlesung wird eine Einführung in die Zellbiologie gegeben, die auf kindliche Art und Weise folgende Fragen beantwortet: Was ist eine Zelle? Woher weiß denn eine Zelle, ob sie und ihre vielen Geschwister einen Elefantenrüssel oder einen Mäuseschwanz ergeben sollen? Woher wissen denn die Zellen, wann es genug mit dem Wachsen ist — und was läuft da bei Krebs schief?", verrät der Professor.

Natürlich erleben die Kinder eine typische Vorlesung — den klassischen Frontalunterricht eben. Aber Fensterle zieht mit verschiedenen Experimenten die Kinder spielerisch und aktiv mit ein. Der Biotechnologe erzählt den Jungen und Mädchen von der modernen Forschung, in der man versucht, Zellen als Körperpolizisten auszubilden, um beispielsweise besser gegen Krebs vorgehen zu können. "Wir visualisieren das Konzept anhand eines selbst gebastelten Krebsmännchens, zeigen, welche neuartigen Möglichkeiten wir verfolgen, um mit Hilfe des Immunsystems den Krebs bekämpfen zu können", erläutert der Biologe. Dieses Männchen hat so manche Überraschung für die Kinder dabei und sie werden tief in seine Zellen schauen können.

Den Kindern von den Fortschritten der Krebsforschung zu erzählen, sei ihm besonders wichtig. "Wir wollen den Kindern diese Krankheit kindgerecht erklären, sie sollen verstehen. Denn wenn man verstanden hat, was beispielsweise bei Krebs passiert, dann schwindet auch diese mittelalterliche Angst vor der Krankheit", sagt Fensterle. Darüber hinaus soll Begeisterung für die Wissenschaft geweckt werden. Das eigentliche fachliche Verständnis — das man durchaus mit dieser Vorlesung erzielen könne — sei dabei eher sekundär. In Würzburg habe das sehr gut funktioniert — übrigens auch bei vielen Eltern, so Fensterle.

Der Professor, der seit 2012 in Kleve lehrt, hat Erfahrung mit kindgerechten Vorlesungen, in denen er seine Faszination zur Biotechnologie weitergeben möchte: Der dreifache Vater hielt 2006 in Würzburg eine experimentelle "Kinderuni"-Vorlesung vor 2400 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren. Die Biotechnologie ist für ihn das spannendste Gebiet der Naturwissenschaften, da sich hier ein rasanter Fortschritt mit einer hohen Interdisziplinarität aus verschiedensten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Bereichen paart, sagt er. Nicht nur, dass ihm schon als Schüler klar war, dass die Lehre des Lebens ihn ein Leben lang beschäftigen soll. Als Vater weiß er aber auch, dass Kindern oft viel zu wenig zugetraut wird. "Spielen ist so wichtig wie Denken — man muss den Kindern aber etwas zum Denken geben, etwas woran sie Spaß haben", sagt er. In der Kinder-Uni soll das Denken positiv besetzt sein. "Wir fragen es hinterher nicht ab, es soll ja zunächst einmal nicht gelernt werden — wir wollen die Lust an der Wissenschaft wecken", konstatiert der Professor.

Hochschulpräsidentin Marie-Louise Klotz hatte bereits kurz nach der Gründung der Hochschule versprochen, die Kinder in der Region für Naturwissenschaften zu interessieren, spielerisch an Studienfächer wie Biologie, Physik oder Mathematik heranzuführen. Dazu gehört vor allem die Kinder-Uni, in der die Kleinen in die "richtigen" Hörsäle gehen und lange vor dem Abitur Hochschulluft schnuppern können. Mit der Kinder-Uni biete die Hochschule Rhein-Waal Kindern zwischen acht und zwölf Jahren die Gelegenheit, sich in speziell für sie entwickelten Vorlesungen für die Welt der Wissenschaft zu begeistern, sagt Christin Hasken, Sprecherin der Hochschule. Das sind Vorlesungen, die wie eine Schulstunde rund 45 Minuten dauern.

"Wie richtige Studenten erhalten die Mädchen und Jungen Studentenausweise, sitzen in Hörsälen, und können echten Professoren Löcher in den Bauch fragen", sagt die Hochschulsprecherin. Der große Unterschied zum richtigen Studium sei lediglich, dass keine Prüfungen abgelegt werden. Kinder, die sich für ein Studium an der Kinder-Uni begeistern, können entweder alle oder auch nur einzelne Vorlesungen besuchen. Der Eintritt ist frei.

(RP/ac)