Kranenburg/Düsseldorf: Kerim B. wegen Mordes angeklagt

Kranenburg/Düsseldorf: Kerim B. wegen Mordes angeklagt

Der Salafist aus Kranenburg soll Mitglied einer terroristischen Vereinigung und an der Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Gewalttaten beteiligt gewesen sein. Bundesstaatsanwalt: mindestens einen Menschen getötet.

Er soll für den "Islamischen Staat" in Syrien gekämpft haben, nun muss sich der Kranenburger Salafist Kerim B. vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf verantworten. Am 15. Juni hat die Bundesanwaltschaft gegen den 22-Jährigen mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit Anklage erhoben, gestern ist die Anklageschrift zugestellt worden. Kerim B., der sich in Syrien den Kampf-Namen "Abu Zulfiqar" gegeben hatte, sei hinreichend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat Irak und Großsyrien" (ISIG) beteiligt und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben, wie es in einer Mitteilung der Generalbundesanwaltschaft heißt. Darüber hinaus ist er wegen Mordes angeklagt.

Nachdem sich B. bereits in Deutschland radikalisiert hatte, soll er Anfang März 2013 über die Türkei nach Syrien ausgereist sein. Nach Darstellung des Generalbundesanwalts schloss es sich spätestens dort im September 2013 dem ISIG an. Die Gruppe ist für Entführungen, Sprengstoff- und Selbstmordanschläge verantwortlich, für Kriegsverbrechen wie Massenhinrichtungen und Verbrennen von Gefangenen. Kerim B. habe ein militärisches Ausbildungslager durchlaufen, in dem er unter anderem im Umgang mit Schusswaffen geschult wurde, heißt es. Anschließend soll der 22-Jährige einer in Syrien stationierten Kampfgruppe des ISIG angehört haben und dabei wiederholt an Kämpfen beteiligt gewesen sein. Dabei soll Kerim B. mindestens einen Menschen getötet haben.

Zu Beginn des Jahres 2014 war der 22-Jährige zurück nach Deutschland gereist, Anfang Juli zog es ihn aber erneut nach Syrien. Dort soll er wiederum an Kampfhandlungen teilgenommen haben. Im Januar dieses Jahres reiste er dann in die Türkei, wo er von den lokalen Behörden festgenommen werden konnte. Anschließend wurde er nach Deutschland abgeschoben. Bei seiner Ankunft am Düsseldorfer Flughafen am 4. März 2015 wurde er aufgrund eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs festgenommen.

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Kerim B. ist am Niederrhein aufgewachsen, er galt als einer der meistgesuchen Salafisten in NRW. Zunächst hat er eine Realschule in Kleve besucht, ehe er an die Hanna-Heiber-Hauptschule nach Kranenburg wechselte. Mit durchschnittlichen Noten erreichte er dort schließlich die mittlere Reife. Der Angeklagte galt als politisch interessierter Schüler, soll aber nicht auffällig aggressiv gewesen sein. Ein Jahr vor seinem Abschluss gab der damals Jugendliche auf einer Internetplattform Einblicke in seine Gedankenwelt. "Ich lebe nur für Allah und werde von daher mein Leben mit meiner Familie dem Islam widmen", schrieb er.

Der Fall des 22-Jährigen ist von einer Reihe vermeintlicher Ermittlungspannen begleitet. So ist nach wie vor offen, wie er den Fahndern im vergangenen Sommer entwischen konnte, nachdem er sich in Kleve und Düsseldorf wegen einer angeblichen Kriegsverletzung behandeln lassen wollte. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf soll B. schon länger im Visier gehabt und gegen ihn wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt haben. RP-Informationen zufolge soll auch die Bundesanwaltschaft schon vor längerer Zeit auf den Kranenburger aufmerksam gemacht worden sein. Damals aber sei das Interesse an dem jungen Erwachsenen in Karlsruhe eher mäßig gewesen. Erst nach den verschärften Sicherheitsvorkehrungen infolge des Terroranschlags auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris habe sich das geändert.

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(RP)