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Kein gültiger Führerschein: Niederländer dürfen nicht ins Ausland fahren

Mit dem Führerschein nach Kleve : Für Senioren ist an der Grenze Schluss

85.000 niederländische Senioren dürfen aktuell nicht mit dem Auto ins Ausland. Ihnen fehlt der gültige Führerschein. Grund dafür ist ein Antragsstau bei den Behörden im Nachbarland. Die Polizei sieht noch kein eklatantes Problem.

Für Hans Schouten aus den Niederlanden wirkt es wie ein Schildbürgerstreich. Der 87-Jährige aus dem niederländischen Dieren darf aktuell nicht mit seinem Auto nach Deutschland fahren. „Für alte Menschen, die in der Grenzregion leben, ist das eine Katastrophe. Da ist einfach nicht zu Ende gedacht worden“, sagt er. Zu seinem Problem ist der Führerschein geworden. In den Niederlanden muss dieser, anders als in Deutschland, in regelmäßigen Abständen verlängert werden. So auch der von Hans Schouten. Alle Niederländer über 75 Jahre müssen im Zuge dessen eine sogenannte Gesundheitserklärung vorlegen. In dieser legen Autofahrer dar, ob sie Medikamente einnehmen oder an Krankheiten leiden, die die Verkehrstauglichkeit einschränken könnten. „Das ist auch eine wirklich sinnvolle Sache“, sagt Schouten.

Doch dabei gibt es ein Problem: Bei jener Behörde, dem „CBR“, die die Führerscheine ausstellt, herrscht ein monatelanger Bearbeitungsstau. Daher hat die niederländische Verkehrsministerin eine Ausnahmeregelung erlassen. So dürfen Niederländer in ihrem Heimatland vorerst auch mit abgelaufenem Führerschein fahren. Nicht aber in Deutschland. „Über die Grenze dürfen wir also aktuell nicht. So etwas kann man sich doch nicht ausdenken. Heißt das dann für uns, dass wir mit dem Auto bis zum Grenzübergang dürfen und dann aufs Fahrrad umsteigen sollen?“, fragt Schouten. Man habe sich im niederländischen Verkehrsministerium keinerlei Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen die Regelung für Menschen in der Grenzregion hat – meint der 87-Jährige.

Nun bekommen er und seine Altersgenossen bei den niederländischen Behörden einen Code auf den Führerschein gedruckt. Diesen kann die niederländische Polizei einlesen und so feststellen, ob der Fahrzeughalter mit abgelaufenem Führerschein fahren darf. Die deutsche Polizei kann das nicht. „Das wird höchst spannend, wenn man in Deutschland von der Polizei angehalten wird. Glücklicherweise werden wir älteren Leute nicht so häufig herausgewunken“, sagt Schouten schmunzelnd. Die Betroffenen sind per Brief über ihre missliche Lage informiert worden. So heißt es in diesem: „Seit dem 1. Dezember dürfen über 75-Jährige vorübergehend mit einem abgelaufenen Führerschein fahren.“ Allerdings macht die Behörde auch deutlich, was Betroffenen untersagt ist: „Sie dürfen nur in den Niederlanden fahren, also nicht im Ausland.“ Die Pressestelle der Klever Polizei erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, über den Missstand noch nicht vollumfänglich informiert zu sein: „Das Problem ist bei uns zumindest noch nicht eklatant.“

Für Schouten ist der Umstand dennoch ein Schock. „Da kann man sich in Den Haag offenbar nicht in die Situation derer versetzen, für die der Grenzübertritt zum Alltag gehört“, sagt er. Schließlich fahre er mehrmals in der Woche nach Deutschland, um Bekannte zu besuchen oder einzukaufen. Trotz der Warnung habe er seine Reiseverhalten bisher noch nicht eingeschränkt. Doch auch bei den niederländischen Behörden scheint es noch nicht voranzugehen. Diese ließen mitteilen, eine Prioritätenliste abzuarbeiten, um der hohen Nachfrage nach Führerschein-Verlängerungen nachzukommen. So würden etwa die Anträge von Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben und bei denen die Verkehrstauglichkeit geprüft werden muss, erst abgearbeitet. Schoutens Problem dabei: Er ist kerngesund, die Bearbeitung seines Antrags dürfte sich also noch ziehen.