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Kleve: Kazmierczaks Zeitreise im Aussichtsturm

Kleve : Kazmierczaks Zeitreise im Aussichtsturm

Die Gäste des satirischen Jahresrückblicks mit dem 44-jährigen WDR-Redakteur amüsierten sich prächtig.

Der WDR-Hörfunk-Journalist Ludger Kazmierczak (44) wagte sich im Klever Aussichtsturm erstmals auf die Kleinkunstbühne. Gleich die Premierenveranstaltung war ausverkauft und dies — wie sich nach knapp zwei Stunden Programm herausstellen sollte — auch völlig zu Recht. Als Heimatabend kleinlaut angekündigt, bot der 44-Jährige einen Jahresrückblick ohne Grenzen und Hemmungen.

Dabei wurden die meisten Gäste von dem Langen zum Auftakt kalt erwischt. Kazmierczak, der sich in erster Linie aufgrund seiner journalistischen Arbeit einen Namen gemacht hat, startete ohne Vorwarnung musikalisch in den Abend und sang. Zur Melodie von Joachim Witts großartigem NDW-Hit "Der goldene Reiter" intonierte er Sätze wie "Hey, hey, hey — wir sind Sontowski und Partner; Hey, hey hey — wir machen euch alles platt". Über die Ausführungen des Hörfunkredakteurs zum Thema Minoritenplatzbebauung amüsierten sich zumindest die Zuhörer köstlich und blieben auch nach dem Gesang. Dass man den Liedvortrag nämlich keinesfalls in die Rubrik "One-Hit-Wonder" einsortieren musste, bewies der unverbrauchte Kleinkünstler im Verlauf des Abends mit weiteren musikalischen Darbietungen. So gehörten die Lieder gleichfalls zu den Perlen des Festivals der guten Laune.

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Kazmierczaks Rückblick auf das Jahr beinhaltete neben aktuellen Betrachtungen auch einige grundsätzliche. Wie etwa die Eigenart des Klevers, Veränderungen eher ablehnend gegenüber zu stehen. "Der Klever an sich probiert ungern was Neues aus. Deshalb gibt es bei uns am Niederrhein auch derart viele Goldhochzeiten", weiß der Wortkünstler und ergänzt: "Diese Mentalität schlägt sich auch auf das Wahlverhalten nieder. Der Klever wählt CDU, weil er immer CDU wählt. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Gewohnheit. Selbst dann, wenn das Personal mal etwas unfreundlicher ist. Und da hat sich die Klever CDU dieses Jahr wirklich Mühe gegeben." Die CDU sei sogar mittlerweile unfreundlich zu sich selbst, so Kazmierczak. "Fragen Sie mal Bürgermeister Theo Brauer. Der verklagt jetzt sogar seine eigenen Leute", weiß Kazmierczak. Neben Brauer lieferte ein weiterer städtischer Verwaltungsmitarbeiter aus der Führungsriege Stoff für den Abend. "Erinnern Sie sich noch daran, wie Herr Rauer, dieser Mario Basler der Klever Stadtverwaltung, die Materborner zu behindertenfeindlichen Alkoholikern abgestempelt hat — nur weil besorgte Bürger des Dorfes es gewagt hatten, während der Kirmestage Unterschriften gegen den zu groß geplanten Lebenshilfe-Bau zu sammeln?", fragte Kazmierczak. Er schaffte es anschließend, eine Parallele zwischen seinem Job und Herrn Rauer herzustellen. So erklärte der Journalist, dass er häufig nicht länger als 1:30 Minute berichten dürfe. "Ist der Redakteur auch noch so fleißig, er darf nie länger als 1:30", so dass Motto einiger Anstalten. "Und ich sage Ihnen 1:30 ist nicht viel — im Radio. Wenn man aber ein Hotel baut, dann sind 1,30 eine ganze Menge. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Die Stadt Kleve ist das auch nicht", so Kazmierzak in Anlehnung an das um 1,30 Meter zu hoch geratene Hotel in der Innenstadt.

Neben Ausflügen zu Ereignissen von nationaler und sogar globaler Bedeutung — "die Monarchie ist besser als ihr Ruf" — schaffte es Kazmierczak immer wieder, den Bogen zu kriegen, um auf das Geschehen vor Ort hinzuweisen. So sei etwa, was die politische Farbenlehre angehe, Kleve wirklich einzigartig. "Die grünste Partei unter der Schwanenburg ist — nun halten Sie sich fest — die FDP. Die Liberalen sind die einzigen in Kleve, die kein libidinöses Verhältnis zu Baukränen und Baggern haben", warf der WDR-Mann in den Raum. Doch beließ es Kazmierczak nicht allein beim Blick zurück. Zum Finale schaute er auch auf die kommenden Monate. Einen Nachschlag blieb Kazmierczak schuldig. Doch gibt es weitere Termine für den Heimatabend: am 9. und 16. Januar wird der Jahresrückblick nochmals im Aussichtsturm geboten.

Der Start war zweifellos gelungen. Und der Hinweis, der Mann müsse in größeren Hallen spielen und nicht in garagengroßen Räumen, weist der Journalist von sich und bleibt trotz des Auftakterfolgs gewohnt bescheiden. Ludger Kazmierczak hat auf dem zweiten Bildungsweg die Kleinkunst für sich entdeckt. Ob es eine Fortsetzung im Dezember 2014 geben wird, weiß er noch nicht. Doch muss man sich bei ihm keine Sorgen machen, dass er das hervorragende Niveau von 2013 nicht halten kann. Denn, wie heißt es in einem bekannten Sprichwort so treffend: Form ist temporär, Klasse ist immer.

(RP)