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Kaufhof ist Geschichte: In Kleve steht Galerias Warenhaus der Zukunft

Neueröffnung in der Fußgängerzone : In Kleve steht Galerias Warenhaus der Zukunft

Aus Kaufhof ist nun auch offiziell Galeria geworden. Kleve zeigt, wie sich Deutschlands letzte große Warenhauskette die Filialen der Zukunft vorstellt. 50 Häuser könnten nach dem Vorbild umgestaltet werden. Auf den 6000 Quadratmetern ist vieles komplett neu – ein Überblick.

Wer in den vergangenen Tagen und Wochen bei Galeria in der Klever Fußgängerzone vorbeigeschaut hat, konnte sich schon fragen: Ob das alles rechtzeitig fertig wird bis zur großen Neueröffnung? Aber offensichtlich haben alle auf den letzten Metern kräftig angepackt: Pünktlich um 9.30 Uhr am Donnerstag öffneten sich die Türen für die wartenden Gäste und Kunden. Filialleiterin Anne-Maria Tenzer (31) und ihr Team, frisch ausgestattet im neuen Arbeits-Look, empfingen die ersten Besucher mit Applaus und Blumensträußen. 180 Tage Renovierung liegen hinter dem Haus – jetzt soll die Mühe Früchte tragen.

„Eigentlich ist nichts mehr so, wie es war. Wir haben uns um 180 Grad gedreht“, sagte Tenzer. Auf allen Etagen sind neue Böden verlegt und neue Lichtanlagen installiert worden. In den einzelnen Abteilungen lassen sich jetzt digitale Anzeigeflächen bespielen. Es gibt eine neue Wegführung, Produkte und Themen werden neu präsentiert. Im Erdgeschoss, in der ersten und zweiten Etage ist die Fassade zur Fußgängerzone hin geöffnet. Von dort hat man nun einen Blick in die Stadt und auf die Schwanenburg. Insgesamt wirkt alles lichter. In der zweiten Etage wurden die Deckenverkleidung abgenommen, Kabel neu verlegt und die Decke gespritzt. Dadurch ist der Raum höher – und er hat eine neue Atmosphäre. An den Rolltreppen im ganzen Haus wurden die Seitenwände geöffnet, sodass man nun einen freien Blick auf die einzelnen Etagen hat. Der Wegweiser an den Treppen, was auf welcher Ebene zu finden ist, lässt sich per QR-Code auf ein Dutzend Sprachen übersetzen.

  • Die Klever Galeria-Chefin Anne-Maria Tenzer (31).
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Auch das Sortiment wurde erweitert. Neue Modemarken sind zu finden, aber nicht nur: Ein Fokus soll auf regionalen Produkten liegen. So könne man nun Kaffee der lokalen Rösterei „Joto & Coco“ von der Kavarinerstraße erwerben oder Butterbrotdosen mit Schwanenbug darauf, zählt Tenzer auf. Ebenfalls neu: Die „Home and Living“-Abteilung im Untergeschoss mit Produkten für Küche und Wohnen, auch nach Themenwelten sortiert. Im Erdgeschoss gibt es wieder eine Schreibwaren-Abteilung.

Mehrere Millionen Euro hat Galeria in die Filiale in der Fußgängerzone investiert. Unterstützung kam von Vermieter Zevens, aber auch die Stadt sei sehr kooperativ gewesen, wie es vom Unternehmen heißt. „Ich bin froh, dass sich Galeria für Kleve entschieden hat“, sagt Bürgermeister Wolfgang Gebing. „Es ist ein Anker in der Innenstadt, der auch Kunden von außerhalb anzieht.“ 131 Häuser betreibt Deutschlands letzte große Warenhauskette noch, das in Kleve ist mit 6000 Quadratmetern das zweitkleinste. Danach kommt nur noch das Karstadt-Stammhaus in Wismar. Trotzdem ist Kleve neben Kassel und Frankfurt eine von nur drei Modell-Filialen des Unternehmens. „Wir haben uns gefragt: Wie macht man ein modernes, klares, in sich strukturiertes Warenhaus“, sagt Engelbert Thulfaut aus der Galeria-Geschäftsführung.

Gerade in Kleve sei spürbar, wie wichtig das Haus sei. Für die Innenstadt, für den gesamten Einzelhandel. „Es ist ein urmenschliches Bedürfnis, ein Zentrum zu finden. Und wir haben Lust, an dessen Gestaltung mitzuwirken.“ 50 Filialen in dieser Größenordnung gibt es deutschlandweit. „Wenn Kleve funktioniert, werden sich die nächsten sofort anschließen“, sagt Thulfaut. Ob Kleve funktioniert, zeige sich an den Reaktionen der Kunden. Natürlich geht es aber auch um die Wirtschaftlichkeit des Standortes. Zwischen zehn und zwölf Millionen Euro Umsatz pro Jahr sind angepeilt. „Wir wollen allen Klevern etwas bieten. Wir sind in die Sortimente gegangen, haben aber auch unser Fachwissen erweitert“, sagt Tenzer. Die Nähe zu den Niederlanden ist ein wichtiger Standortfaktor, das Personal habe Sprachschulungen angeboten bekommen. Die Eröffnung des neuen Hauses in Kleve – sie wird auch im Nachbarland beobachtet.

Falls Kleve so funktioniert, wie sich Galeria das vorstellt, wäre als nächste Filiale Euskirchen an der Reihe. „Wir müssen den Menschen neu erklären, wie Einzelhandel auf einer kompakten Fläche heute funktioniert“, sagt Thulfaut. Und das neben dem Online-Handel. Ein Schlüssel dafür sei die Regionalisierung jedes einzelnen Marktes. Alles, was man von einem Kaufhaus erwartet in Kombination mit Dingen, die es nur vor Ort gibt. 54 Vollzeitkräfte arbeiten im Haus. Für Filialleiterin Anne-Maria Tenzer ist dabei auch das Team der Schlüssel zum Erfolg: „Jeder in der Mannschaft hat einfach unglaublich Lust auf das neue Galeria. Das wollen wir den Menschen vermitteln“, sagt die 31-Jährige.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht das neue Galeria in Kleve aus