Karneval: 70 Jahre Brejpott-Quaker Kellen

Karneval : Sieben Jahrzehnte „Quak Quak Helau!“

Am Montag starten die Jecken in die neue Session. Für die Kellener Brejpott-Quaker wird es eine besondere: Sie feiern 70. Geburtstag.

Die Geschichte des Kellener Karnevalsvereins „Brejpott-Quaker“ beginnt in Jahren, in denen die während der Narrenzeit obligatorische Feuchtfröhlichkeit noch eine wahre Rarität ist. Im Jahre 1949 genoss der mühsame Wiederaufbau für die Zivilbevölkerung, auch für jene in Kellen, oberste Priorität. Und dennoch: Unter dem Motto „Foort in´t Blau met dän B.V.“ fand damals die erste Jecken-Sitzung statt, aus der in der Folge die Brejpott-Quaker hervorgingen. Die Initiatoren damals: Paul Janssen, Hans van Laar und Fritz Wennig – eine Gruppe Sportler des BV 1913 Kellen, die als Urväter des Kultkarnevalsvereins Geschichte schrieben. Am 29. September 1949 gründeten fünfzehn Jecke den Verein, der heute Jahr für Jahr Tausende Närrinnen und Narren ins Schützenhaus lockt. Am Montag starten die Quaker in die neue Session 2019/2020.

„Das Besondere an den Brejpott-Quakern ist das ganze Drumherum. Bei uns geht immer die Post ab“, sagt Christoph Weyers, der jüngst als Vorsitzender wiedergewählt wurde und seit 2005 an der Spitze des Vereins wirkt. Wie Recht er hat: Jeder, der bereits eine Quaker-Sitzung besuchte, dürfte sie nachhaltig in Erinnerung behalten. Dicht an dicht sitzen die Jecken schunkelnd und lachend im Schützenhaus; je später der Abend, desto mitreißender die Stimmung. Der Name der Karnevalsgesellschaft leitet sich von dem kleinen Kolk her, der hinter dem Deich unweit der Alten Kirche gelegen ist. An diesem Gewässer beginnt für die „Quaker“ am 11.11. eines jeden Jahres offiziell die neue Karnevalssession mit dem „Wasserholen“. Der Ursprung dieser bis heute gelebten Tradition liegt im Jahr 1950: Damals machte sich eine Gruppe Jecker bei der Gaststätte Henseler auf den Weg in Richtung Brejpott, um dort eine Flasche des „echten Brejpottwassers“ zu schöpfen. Wenig später aber erlebten die Kellener bereits eine erste Krise. Die Gemeinde geriet in schweres Fahrwasser, als die katholische Geistlichkeit von der Kanzel aus gegen den Termin (13. Januar 1951) der ersten Karnevalssitzung protestiert hatte. Die Kirche befürchtete, dass Sitzungsteilnehmer am nächsten Morgen ob der langen „Quaker-Nacht“ (bis heute dauern diese mitunter bis in die Morgenstunden) die Heilige Messe nicht besuchen würden. Die Karnevalisten lenkten ein, unter dem Motto „Gedrüss üt et Brejpottlüss“ konnte das Programm am Sonntag stattfinden.

Apropos Motto: Seit jeher zeigen sich die Kellener bei der Auswahl des Leitthemas kreativ – im Laufe der Jahrzehnte leiteten die mittlerweile sechs Präsidenten Aloys Weyers, Josef Ricken, Theo Vermaaten, Paul Rütter, Alfred Vermaaten und, seit 2003 amtierend, Helmut Vehreschild durch ein Sammelsurium kurioser Sitzungen: „Vergätt de Sörg, wej bliewe Börg“ (1952), „Brejpott-Re(e)derei“ (1972) oder „Dat moij gesiehn hämme“ (1994). Wichtig dabei: Das Källse Platt und die Verbundenheit zum Ort zieht sich wie ein roter Faden durch die nunmehr 70-jährige Historie des Vereins. Eine Frage, die die Quaker über Jahre hinweg begleitete, war die nach der Räumlichkeit: Bis 1961 nämlich gastierten die Narren für ihre Sitzungen im „Germania-Saal“ der Gaststätte Tenhaaf sowie im Saal Braam. Doch es folgte ein Tiefschlag für die Kellener. Der Germania-Saal wurde 1961 von der Schuhfabrik Bause übernommen, der Saal Braam 1962 vom Schuhhersteller Hoffmann. Die Karnevalisten gaben sich trotzig und feierten 1963 in der engen Wirtschaft „de Krütt“ unter dem Titel „Wej halde Poal - ok ohne Soal“. 1964 dann folgte die Rückkehr ins Hotel Braam, in den oberen Räumen hatten die Quaker eine Elferratsbühne aufgebaut. Nachdem zwischenzeitlich auch die Gaststätte „Alt-Kellen“ als Veranstaltungsort diente, ging am 28. Juni 1969 der lang gehegte Quaker-Wunsch in Erfüllung: Das Kellener Vereinshaus, bis heute die Heimat der Brejpott-Quaker, wurde vom damaligen Gemeindebürgermeister Josef Sonderfeld eingeweiht.

Eine Konstante aber ist nicht nur die Heimspielstätte, sondern auch die musikalische Begleitung: Die Quaker-Hymne, 1950 von Aloys Weyers komponiert, prägt bis heute die Sitzungen. In dem Schunkellied heißt es: „Wej sinn de Brejpott-Quaker / van denn alde Rhin / drenke ons aff än tuw / gern en Gläske Winn.“ Abgeschlossen wird die Hymne obligatorisch vom Ausruf: „Källe ... Helau!“. Als Komponist machte sich auch Heinz Biester verdient, der über Jahrzehnte hinweg die Brejpott-Sessionslieder schrieb. Einige Beispiele: „Wej sinn de Qui-Quo-Quakers“ (1950), „Bej Janze eß Krach“ (1954) oder „Minne läck´re Pipper“ (1968). In seine Fußstapfen traten unter anderem Rino Gesthuizen, Fritz Mester, Hans Mellen und Wolfgang Dahms, Gleiches gilt für den Texter Hans van Laar. Bis heute setzen die Quaker während ihrer Sitzungen auf Live-Musik, die den Saal ab der ersten Minute nachhaltig einheizt.

Das waren noch besondere Zeiten: Am 11.11.1952 holten die Kellener Quaker Wasser aus dem legendären Brejpott am Deich. Foto: Brejpott-Quaker Kellen
Eine Kanone in der Bütt: Enne Drööge Helmut Kuppen 1985. Im Hintergrund der damalige Präsident Paul Rütter. Foto: Brejpott-Quaker Kellen
Stabwechsel: Helmut Vehreschild (r.) übernimmt 2004 von Alfred Vermaaten das Präsidentenamt. Links der heutige Ehrenvorsitzende Hans Kerst. Foto: Brejpott-Quaker Kellen
Monika Kietz trainiert seit Jahrzehnten die Källesse Quecksprengers, hier 2008. Sie gehören fest zum Programm der Quaker-Sitzungen. Foto: Brejpott-Quaker Kellen

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich auch zahlreiche Bühnenprotagonisten zu festen Größen der Sitzungen entwickelt: darunter die „Brejpott-Tröpfchen“, die „Källesse Quecksprengers“ oder viele legendäre Büttenredner wie aktuell Georg Jansen als „Enne Janze“. Besonders stolz, so erklärt es Weyers, sei der Verein auf die Karnevalsprinzen, die die Brejpott-Quaker stellten: Prinz Ernst Reintjes „der Zünftige“ (1976/1977), Theo Brauer „der Feurige“ (78/79), Alois Schweers „der Stürmische“ (83/84), Theo Kehren „der Beschwingte“ (93/94) sowie Helmut Vehreschild „der Sportliche“ (2015/2016). Nun freue sich Weyers auf die neue Session. „Es kribbelt schon“, sagt der Vereinsvorsitzende.

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