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Kleve: Kampf gegen häusliche Gewalt muss weitergehen

Kleve : Kampf gegen häusliche Gewalt muss weitergehen

Ein Meilenstein im Kampf gegen die häusliche Gewalt ließ Experten gestern im Bürgerforum Geldern tagen. Vor zehn Jahren trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Der Slogan "Wer schlägt, der geht" wurde damals zum neuen Prinzip der Debatte über dieses Thema.

Viel wurde seitdem erreicht, wurde während der Fachtagung der vier "runden Tische für ein gewaltfreies Zuhause" im Kreis Kleve deutlich. Aber auch das: Beim Opferschutz ist noch vieles zu tun.

Das Gewaltschutzgesetz sei ein Riesenschritt nach vorne gewesen, meint Marion Steffens, unter anderem Leiterin des Bundesmodellprojekts "Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen". Doch die Einstellung der Gesellschaft gegen prügelnde Ehemänner, denn die seien meist die Täter, müsse sich ändern. Dass das noch nicht durchgreifend geschehen ist, mache zum Beispiel die beschönigende Umschreibung von häuslicher Gewalt als "Familiendrama" deutlich.

Von der Politik, gerade auf Bundes- und Landesebene, fühlen sich die Helfer vor Ort alleine gelassen, während sie mit dem Engagement der Kommunen zufriedener sind. "Ohne die Gleichstellungsbeauftragten gäbe es die Frauenberatungsstelle ,Impuls' nicht", betont Yvonne Tertilte-Rübo, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kleve. Doch zum Alltag von "Impuls" gehört der ständige Kampf ums Geld. "Uns fehlen 46 000 Euro im Jahr", beschreibt Maria Peeters die Lage.

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Ob die häusliche Gewalt in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat, können die Fachleute nicht sagen. Sie gehen nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Zahl der Frauen, die in Frauenhäusern Schutz suchen, sei nicht gesunken.

Laut Statistik der Kreispolizeibehörde Kleve haben sich die angezeigten Straftaten seit 2002 mehr als verdoppelt, von damals 123 auf 257 im Jahr 2011. Die Zahl der durch das Gewaltschutzgesetz ermöglichten Wohnungsverweise vervierfachte sich in diesem Zeitraum sogar von 45 auf 165.

Für die Experten ist das ein Indiz dafür, dass die Gesellschaft das Thema zumindest nicht mehr so tabuisiert wie früher. Die Bereitschaft, solche Fälle anzuzeigen, sei in jüngster Vergangenheit größer geworden.

(RP/rl)