Kalkar: Kalkars Bürgerbus hat Fahrt aufgenommen

Kalkar: Kalkars Bürgerbus hat Fahrt aufgenommen

Auch ohne Auto oder liebe Nachbarn ist Kalkars Zentrum nun gut erreichbar: Der Bürgerbusverein holt Menschen in die Stadt.

Superpünktlich kommt der Kleinbus angesprintet, stoppt am Kalkarer Markt, wo einige Menschen an der Haltestelle warten. Nicht nur solche, die jetzt nach Hönnepel oder Appeldorn wollen - auch die NIAG hat ja Kalkar in ihrem Netz, aber eben nicht die Dörfer außen rum. Damit sich Bürger "draußen" nicht abgehängt fühlen müssen, wurde vor genau einem Jahr der Bürgerbusverein Kalkar (BKA) gegründet. Gestern fanden die ersten Fahrten statt, und die Rheinische Post fuhr mit.

Die Tour um 7.30 Uhr erschien doch ein wenig früh, 8.30 Uhr war die bessere Mitfahr-Zeit. Wobei dadurch allerdings der allererste Mitfahrer verpasst wurde: Der Frühstückskorb als nette Überraschung für den ersten Fahrgast ging am Abend nach Wissel. Ein Mann hatte einen frühen Termin im Ärztehaus an der Talstraße. Ihm soll die Jungfernfahrt beim Genießen der Leckereien noch einige Tage im Sinn bleiben. Damit er auch ganz bestimmt wieder mitfährt.

Die Gelegenheit haben alle Kalkarer von nun an täglich von montags bis freitags. Vier Linien wurden zusammengestellt, die die historische Mitte mit Grieth, Hönnepel, Niedermörmter und Appeldorn, mit Neulouisendorf und Haus Horst sowie dem Schulzentrum verbinden. Immer ist Start und Ziel der Kalkarer Markt, und immer kostet die Fahrt einen Euro. Es sei denn, der Fahrgast ist ein Kind, dann wird er für 50 Cent mitgenommen. Auch die RP zahlt einen Euro und erlebt dafür eine ganze Menge.

Zum Beispiel lernt sie Georg Laumann kennen, den Fahrer der Linie 2 nach Hönnepel, Niedermörmter, Appeldorn und Hanselaer. Viel reden tut er allerdings nicht, denn das soll nach dem strengen Regelwerk für (Bürger-)Busfahrer nicht sein. "Wir müssen uns ja auf den Verkehr konzentrieren", sagt er. An den Haltestellen allerdings nimmt sich das ehrenamtliche Bus-"Personal" Zeit, um zum Beispiel Gehandicapten den Einstieg zu ermöglichen. "Die Rampe für Rollstühle muss von Hand ausgeklappt werden", erklärt Heinz Igel, der Vereinsvorsitzende. Zudem wird der Rollstuhl an einer speziellen Halterung sicher arretiert. Auch Rollatoren und sogar Fahrräder (maximal zwei) können mitgenommen werden. Wenn der Bus dadurch nicht zu voll wird.

Vorerst ist es so weit noch nicht, denn die meisten Haltestellen werden angefahren, ohne dass dort jemand stünde. "Es muss in den Köpfen erst ankommen, dass es den Bürgerbus gibt", glaubt Fahrdienstleiter Franz-Josef Boenke. Kollegin Elfriede Koch fährt ebenfalls mal eine Runde mit, bevor sie selbst an der Reihe ist. "So lange wir nur 20 Fahrer sind, sind wir etwa einmal in der Woche eingeteilt", erzählt sie. Wenn, wie geplant, künftig 25 oder gar 30 Fahrer im Team wären, würden sich die Einsätze für den Einzelnen natürlich reduzieren. "Es macht wirklich Spaß, diesen Bus zu fahren, und der Ausbilder von der NIAG hat sich viel Mühe gegeben, uns mit der Aufgabe vertraut zu machen. Auch wenn ein Pkw-Führerschein reicht: Besondere Manöver wie Einparken oder durch Grieths schmale Gassen fahren muss man schon üben", sagt Elfriede Koch. Ganz schön flott ist so ein Mercedes-Kleinbus unterwegs, Fahrer Georg Laumann vertrödelt keine Minute. "Auf seinem Laptop kann er überprüfen, ob er im Plan ist", berichtet Igel. Bei dieser Tour verliert der Mann zwei Minuten, weil die RP-Redakteurin beim Stopp in Appeldorn kurz mit Klaus van Wehnen plaudern möchte, der aus seinem Vorgarten heraus so fröhlich winkt. Er ist Mitglied der Grünen und findet es klasse, dass jetzt "Menschen bewegt und Dörfer verbunden" werden, wie das Motto des Vereins aussagt. Eine weitere Minute geht verloren, weil der Müllwagen Vorfahrt beansprucht. Da aber keine neuen Fahrgäste zusteigen wird der Zielort doch pünktlich erreicht.

Arzttermine, Einkaufstrip, grüne Landschaft gucken, Wohngebiete bestaunen, Kontakte knüpfen - ab sofort für einen Euro möglich.

(RP)