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Kalkar-Wissel: Bei Eisgang kam die Bastelleidenschaft

Kalkar-Wissel : Bei Eisgang kam die Bastelleidenschaft

Theodor Hell ist ein begeisterter Modellbauer. Gerade fertigt er eine Miniatur-Kopie der "Santa Ana" an. Im nächsten Jahr soll das Schiff mit drei weiteren Modellen im Heimatmuseum Wissel ausgestellt werden.

So richtig hat Theodor Hell die Bastelleidenschaft vor 50 Jahren gepackt. Da saß er bei strengem Frost mit dem Schiff fest. Er weiß die Daten noch heute ganz genau. "Von Heilig Abend bis zum 24. März steckten wir im Eis fest, da hatte ich ganz viel Zeit", erinnert er sich. In Osnabrück kaufte er sich daraufhin zum Zeitvertreib den Modellbausatz für die "Mayflower" und nutzte den Winter, um das legendäre Boot der Auswanderer als Miniatur nachzubilden.

Es war das erste Schiff, das er alleine in Angriff nahm. 1959 hatte er zusammen mit seinem Vater bereits die "Pamir" nachgebaut. Nach der "Mayflower", die im Eisgang des Winters 1963 / 1964 entstanden, folgte 1986 der "Adler von Lübeck". Und gerade ist der 75-Jährige dabei, sein viertes Schiff "vom Stapel" zu lassen. Seit zwei Jahren arbeitet er an der "Santa Ana".

Das Modell hatte zunächst Edwin Kohn aus Wissel begonnen. Als dieser vor einigen Jahren starb, übernahm Theodor Hell das Boot im Rohbau und machte sich daran, das Werk zu vollenden. Eine Arbeit, die ein echtes Geduldsspiel ist. Denn Modellbau ist ein Hobby mit viel Fingerspitzengefühl. Kleinste Planken müssen an Deck gesetzt werden, Kanonen im Maßstab 1:84 platziert werden. Bei so viel Kleinarbeit geht es nur langsam voran. "Meine Frau sagt dann immer: Kannst du mir mal sagen, was du den ganzen Tag gemacht hast", erzählt Theodor Hell lachend.

Bei seiner Arbeit kommt ihm seine Ausbildung zugute. Der Wisseler ist gelernter Polsterer und hat daher keine Probleme damit, Segel für seine Modell selbst anzufertigen. Die Schiffsknoten sind ihm seit seinen Zeiten als Binnenschiffer noch geläufig. Wer sich mit ihm unterhält, spürt die Begeisterung, die Hell für seinen Modellbau entwickelt hat. "Diese Arbeit beruhigt mich einfach, ich kann mich dabei toll entspannen." Wenn gesägt wird, arbeitet er im Keller, jetzt sitzt er regelmäßig oben im Wohnzimmer an seinem Prachtschiff. "Schließlich will ich meiner Frau auch Gesellschaft leisten", meint Hell, der oft bis nach Mitternacht am Tisch sitzt und vorsichtig Stück um Stück der Santa Ana zusammensetzt. "Wenn es mich mal gepackt hat, dann lässt mich das einfach nicht in Ruhe, ich muss dann weiterbasteln", sagt er.

Und wenn so viele Stunden in ein Modell gesteckt werden, dann soll das Produkt nicht nur Zuhause stehen. Theodor Hell hat Kontakt zum Heimatmuseum Wissel aufgenommen und dort sollen seine Prachtstücke im kommenden Jahr gezeigt werden. Bei der Präsentation helfen ihm seine Kontakte zur Deutschen Gießdraht, wo er viele Jahre gearbeitet hat. Ein früherer Kollege fertigt die Schilder für die Schiffe an, die aufzeigen, in welcher Zeit die Modelle entstanden sind. Das neueste für die "Santa Ana" liegt bereits bereit. Zudem will Theodor Hell noch kurze Texte zu den vier Schiffen ergänzen, damit die Besucher auch einen Einblick in die Geschichte hinter dem Modell bekommen.

Und Theodor Hell denkt bereits ganz weit in die Zukunft. Später einmal möchte er seine Modelle ganz einem Museum zur Verfügung stellen. "Schön wäre es, wenn sie ins Rheinmuseum Emmerich kommen würden. Doch gibt es das passende Umfeld für solche Modell."

(RP)