Kalkar: Neuer Vorsitzender im Verein Stiftsmuseum Wissel

Ehrenamt : Neues Team betreut das Stiftsmuseum

Nach dem unerwarteten Tod von Ernst Klever musste der Verein Stiftsmuseum Wissel im vergangenen Jahr einen Neuanfang schaffen. Rainer Jansen und seine Mitstreiter wollen im Team stemmen, was für einen allein zu viel wäre.

Er hatte ja schon seit längerem angekündigt, kürzer treten zu wollen. Ein Verein, der über eine solche Ankündigung nicht einfach hinweg hört, war also gut beraten, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. „Als Ernst  Klever im vergangenen Jahr dann unerwartet plötzlich starb, kam die Situation dann doch schneller auf uns zu, als wir gedacht hatten“, erinnert sich Erich Scholten. Nahe liegend, dass die Wisseler den stellvertretenden Vorsitzenden Hilfe suchend ansahen - und er hatte ein Einsehen. Rainer Jansen wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt, Wolfgang Köther ist nun sein Stellvertreter. Scholten hat als Schatzmeister die Vereinskasse in Verwahrung, Gerd Peters und Wilhelm Janssen komplettieren den Vorstand als Beisitzer.

Es ist ein echtes Kleinod, für das die Männer die Verantwortung übernommen haben. Eines der beiden letzten Wisseler Kanonikerhäuser, sehr idyllisch am Kirchhof gelegen, betreuen sie und setzen damit fort, was 1997 von Erich Hubbertz begonnen wurde. Der hatte nämlich den Förderkreis gegründet, der den Ausbau des historischen Gebäudes zum Heimatmuseum möglich machte. Mit viel Eigenleistung brachten die Wisseler damals das Haus aus dem 18. Jahrhundert in Schwung und gaben damit vielen Dingen, die für den Ort stehen, ein Zuhause. So wurde zum Beispiel dem Tabakanbau ein Denkmal gesetzt (eigens fürs Museum werden in Wissel noch in jedem Jahr einige Tabakpflanzen angebaut), es gibt Kreuze, Steine und Skulpturen, die mit der Geschichte der romanischen Kirche St. Clemens zu tun haben.

Echte Mammutzähne und antike Scherben, die beim Kiesabbau gefunden wurden, gefallen erfahrungsgemäß auch den Kindern, ebenso ist der Tante-Emma-Laden, der einst Gerhard Terwelps Kolonialladen war, ein Highlight für die ganze Familie. Die Eheleute Höfkens betrieben das Geschäft bis in die 80-er Jahre. Die alte  Waage, die Ladentheke und viele Produkte, mit denen Niederrheiner groß wurden, sind zu bewundern. Auch Werbung, Verpackungen, Kittel und andere Zeugen der Vergangenheit sind ausgestellt.

Ausgestellt werden zudem im  wenig möblierten Erdgeschoss sechs bis sieben Mal im Jahr Bilder heimischer  Künstler. „Die sind für uns wichtig, weil wir darüber zum einen zusätzliche Besucher ins Haus bekommen und außerdem Gebühren einnehmen“, berichtet Scholten. Denn von einem kleinen Kulturzuschuss der Stadt abgesehen muss sich das Museum selbst finanzieren - durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und eben jenes Geld, das die Künstler dafür geben, ein paar Wochen lang ihre Werke präsentieren zu dürfen. Derzeit nutzt diese Möglichkeit Irmgard Koppenburg aus Pfalzdorf.

„Ich bin sehr froh darüber, dass wir die Arbeit im Museum auf viele Schultern verteilen können“, sagt Jansen. „Sonst hätte ich den Vorsitz auch nicht übernommen.“ Denn der selbstständige Bauingenieur, dessen Vater schon im Vorstand mitwirkte, ist ja noch vergleichsweise jung und berufstätig - da kann er sich nicht so stark engagieren, wie das Ernst Klever tat. Immerhin ist der Freiberufler, der sein Büro zu Hause hat, tagsüber telefonisch meist erreichbar - das ist wichtig. Gerne würden die Aktiven sehen, wenn sich noch mehr Freiwillige als Museumsführer melden würden. „Dazu muss man kein Fachmann in Heimatgeschichte sein. Wir haben Broschüren und Handreichungen, in die man sich einlesen kann“, erklärt Scholten. Eine Menge Dönekes, die Klever während all seiner  Museumsdienste erzählte, haben die Kollegen sich gemerkt und erzählen sie Gästen gerne weiter.

Besonders spannend sind die zahlreichen Fotos, die zur Sammlung gehören. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war das Leben in Wissel ausgesprochen landwirtschaftlich geprägt. Die Arbeit auf den Feldern band die gesamte Familie mit ein, wie die Aufnahmen zeigen.

Eine typische Szene aus dem alten Wissel: Der Tabakanbau ernährte viele Familien, Alle Generationen arbeiteten mit. Foto: Anja Settnik

An jedem Samstag und Sonntag ist das Stiftsmuseum bei freiem Eintritt geöffnet. Eine kleine Spende wird gerne entgegen genommen.

Mehr von RP ONLINE