Kalkar: Ministerpräsident Laschet weiht neue Fenster in St. Nicolai ein

St. Nicolai Kalkar : Laschet bei Einweihung der Nicolai-Fenster

Pfingstmontag ist NRW-Ministerpräsident als Schirmherr zu Gast in der St. Nicolai-Kirche in Kalkar zum Patronatsfest der Gemeinde.

Gotische Kathedralen und Kirchen leben vom Licht, von den großen Fenstern, von der Mystik des Farbenspiels im hohen Kirchenraum, die vom himmlischen Jerusalem kündet. Das himmlische Jerusalem, „die Stadt, die aus dem Himmel kommt, die Stadt aus Glas mit goldenen Straßen mit zwölf Toren, in der Mitte der Altar, die Himmelsstadt“, wie es der Gocher Kirchenhistoriker Prof. Arnold Angenendt so treffend beschreibt. Gotischen Kirchen lösen sich von der Düsternis romanisch-karolingischer Kapellen und strebten empor zum Licht, mit den Säulen, den Fialen, und vor allem den Fenstern, die die Mauern ersetzen und vom filigranen Maßwerk getragen werden. Im mystischen Licht ihrer neuen Fenster soll auch die spätgotische St.-Nicolai-Kirche zum himmlischen Jerusalem werden: 20 von 22 neuen Fenstern sind jetzt in der Kirche eingebaut, das Rund der Fenster ist so gut wie abgeschlossen.

Ministerpräsident Armin Laschet wird die beiden Fenster gleich rechts von den grauen Tüchern befreien, die die Fenster vorher bedecken werden, und das bunt-strahlende Licht hereinlassen. In diesem Festgottesdienst am Pfingstmontag, zu dem auch Erzbischof em. Werner Thissen kommen wird, wenn es seine Gesundheit erlaubt, feiert die Kirche im Patronatsfest auch die beiden neuen Fenster. 1997 war in Kalkar beschlossen worden, die Kirche grundlegend zu erneuern. Der Altar-Tisch von Sabisch wurde durch einen von Erwin Heerich ersetzt, die Schnitz-Altäre neu aufgestellt und über die Fenster diskutiert. Letztlich entschied man sich für den Wiesbadener Künstler Karl-Martin Hartmann.

Damit entschied man sich für abstrakte Farbenspiele, die naturwissenschaftlichen Regeln folgen. Hartmann versteht sie auch als visualisierte Mathematik, die er nach dem Feynman-Graphen entwickelte. Richard Phillips Feynman war ein US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger, dessen verschnörkelte Diagramme die Wechselwirkung zwischen Elementarteilchen zu beschreiben versuchten und die Hartmann schon früh faszinierten. Jetzt verwandeln die wie eine Reihung sich in die Höhe entwickelnden kleinteiligen Farbmuster der Fenster mit ihrem Licht die Kalkarer Kirche und ihren eigentlichen Schatz, die herausragenden Altäre und Skulpturen des genialen mittelalterlichen Schnitzers Henrik Douverman, die Arbeiten von Meister Arnt, die von Ludwig Jupan oder Arnt van Tricht, die Bilder von Jan Joest.

Der Kirchenvorstand und der Förderverein freuen sich nun über die Zusage von Ministerpräsident Armin Laschet, dem die Wahrnehmung seiner Schirmherrschaft über die Vollendung der Kalkarer Fenster ein wichtiges Anliegen ist, sagt Kalkars Pastor Alois van Doornick. Bei seinem Besuch werde der Ministerpräsident sprechen und sich in das Goldene Buch der Stadt Kalkar eintragen. Bürgermeisterin Britta Schulz werde ebenso reden wie der Fördervereinsvorsitzende Karl Ludwig van Dornick.

Von Beginn an hätten Freunde Kalkars wie Helmut Linssen (einst NRW-Finanzminister) und Wolfgang Clement (einst Ministerpräsident des Landes NRW) das Projekt „neue Fenster für Kalkar“ unterstützt. Das Bistum Münster habe zunächst eine 40-prozentige Förderung der Gesamtkosten zugesagt und für die aktuellen Fenster noch einmal 150.000 Euro nachgelegt, so van Doornick.

„Mit knapp 100.000 Euro allein für diese beiden Fenster ist dem Förderverein wieder ein Kraftakt gelungen. Darin enthalten ist der sehr großzügige Beitrag der Bruderschaften und Gilden der Stadt, die der Kirche sehr verbunden sind“, freut sich der Pastor. Aus den Kirchenführungen der ehrenamtlichen Mitglieder der St.-Nikolaus-Bruderschaft und aus Spenden der Besucher und von vielen Kalkarern resultieren die restlichen Mittel.

Armin Laschet. Foto: dpa/Federico Gambarini

Zur Feier stellt die Pfarre ein neues Buch mit über 230 Nahaufnahmen der Kalkarer Altäre und Kunstschätze vor.