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Kalkar-Kehrum: Kalkar: Firma macht aus Biomasse Kohle

Kalkar-Kehrum : Kalkar: Firma macht aus Biomasse Kohle

Das Unternehmen Karbonika in Kehrum verkauft so genannte HTC-Reaktoren. Sie wandeln tierische und pflanzliche Erzeugnisse mit Druck sowie Wärme in Kohle um. Geschäftsführer Franz-Gerd Peters sieht ein riesiges Potenzial.

Besser, dieser Deckel bleibt geschlossen. Unter ihm befinden sich in einem Tank 10.000 Liter Tierkot- und Urin. Lecker riecht das nicht. Aber in der Gülle steckt mehr, als man denkt. Franz-Gerd Peters, Geschäftsführer der Unternehmen Karbonika und Eurotank in Kehrum, muss nur einen Knopf drücken, und der HTC-Reaktor, zu dem der Tank gehört, beginnt, die Gülle zu verwandeln - und zwar in Heizkohle.

HTC steht für Hydrothermale Carbonisierung, ein Verfahren, das bereits lange bekannt ist. Friedrich Bergius erhielt im Jahr 1932 für seine Entwicklung den Nobelpreis für Chemie. Doch in Zeiten des Überflusses an fossilen Energieträgern und mangelndem Bewusstsein für das Klima geriet HTC schnell wieder in Vergessenheit. Jetzt allerdings hat sich die Situation geändert: umweltfreundliche, preiswerte Brennstoffe sind begehrt.

Eurotank fertigt in Kalkar Tankfahrzeuge, Sattelauflieger, Gaswechselbrückenaufbauten und Lagerbehälter. Als Peters von der HTC-Technologie hörte, war er sofort begeistert. Er baute einen Druckbehälter für Gase, der die Basis für einen HTC-Reaktor liefern sollte. Das Know-how lieferten der Landwirt Alfons Kuhles aus Meiersberg und Lothar Hofer aus Wülfrath, die mit ihrer Firma Grenol ein Patent auf die Hydrothermale Carbonisierung von Biomasse angemeldet haben.

Mit einer 700-Kilogramm-Anlage ging's los. Nach vielen positiv Verlaufenen Tests baute Eurotank aus 15 Tonnen Stahl einen richtig großen, 20 Meter langen Reaktor. Zehn Tonnen Biomasse am Tag kann der verarbeiten. Am Ende kommen etwa 2,5 Tonnen Kohle heraus. Das Verfahren im Detail ist kompliziert. Stark vereinfacht lässt sich sagen: Die Maschine frisst tierische und pflanzliche Erzeugnisse, zerkleinert diese mit einem Häcksler und spuckt Kohle raus.

Peters hat seine Anlage bereits mit Grünschnitt, Pferde- und Hühnermist, Obst, Gemüse und eben Nerzgülle gefüttert - heraus kam immer Kohle mit einem guten Heizwert. "Keiner glaubt das, aber dieses Verfahren funktioniert tatsächlich", sagt Peters. Bei der Verwandlung im Innern der Maschine spielen Druck und Wärme die Hauptrollen. Auf 250 Grad Celsius steigt die Temperatur im Kessel, nach dem Dampfkessel-Prinzip steigt der Druck auf 20 Bar. "Mit diesem Prozess setzen wir das in acht Stunden um, wofür die Natur 2,5 Millionen Jahre braucht", sagt Peters. 24 Stunden am Tag kann seine Anlage ohne Unterbrechung laufen. "Das ist einzigartig", betont der Anlagenbauer.

Peters hat zusätzlich zu Eurotank die Firma Karbonika Entsorgungsbetriebe GmbH & Co. KG gegründet. Ihre Zielgruppe sind Firmen, die nicht wissen, wie sie ihre Abfälle entsorgen sollen. "Ich denke da an Krankenhäuser, Restaurants und Supermärkte, die den Anlagenbesitzern überschüssige oder abgelaufene Lebensmittel anliefern könnten", erläutert Peters. Kommunen könnten Laub und Äste aus Baumschnitten loswerden. Landwirte könnten Gülle anliefern. Und Peters selbst freut sich auch über Pferdebesitzer, die ihm Mist bringen.

Peters sieht ein Riesenpotenzial in seiner Geschäftsidee. Denn die Anlagen, die er verkauft, produzieren ja nicht nur gut nachgefragte Heizkohle, sondern lösen auch ein Entsorgungsproblem. Er selbst will mit seinen Firmen jedoch kein großer Entsorger werden. "Die Anlage hier in Kalkar läuft nur zu Testzwecken", betont der Unternehmer.

(RP)