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Kleve: Kämpfer für eine Kirche der Armen

Kleve : Kämpfer für eine Kirche der Armen

Am Samstag wird der Klever Pfarrer Norbert Arntz mit dem "Walter-Dirks-Preis" in Frankfurt ausgezeichnet.

Bei der fünften Generalversammlung der Bischöfe aus Lateinamerika und der Karibik 2005 im brasilianischen Aparecida hat Pfarrer Norbert Arntz Kardinal Jorge M. Bergoglio, den heutigen Papst Franziskus, als den Präsidenten der Redaktionskommission für das Schlussdokument kennen gelernt.

Mit dieser Aufgabe von der Versammlung betraut, hat Bergoglio eine sehr wichtige Rolle im Prozess der Erarbeitung des kirchenamtlichen Dokumentes von Aparecida gespielt. Aber auch für die inhaltliche Gestaltung war er als Vorsitzender der argentinischen Bischofskonferenz prägend. Er äußerte sich sehr kritisch zur herrschenden Globalisierung, die sich ohne Solidarität negativ auf die ärmsten Schichten auswirke. "Dabei geht es nicht allein um Unterdrückung und Ausbeutung, sondern um etwas Neues, um den gesellschaftlichen Ausschluss. Durch ihn wird die Zugehörigkeit zur Gesellschaft, in der man lebt, untergraben, denn man lebt nicht nur unten, oder am Rande bzw. ohne Einfluss, sondern man steht draußen.

Die Ausgeschlossenen sind nicht nur 'Ausgebeutete', sondern 'ÜberflüssigeQ und 'menschlicher Abfall", waren die Gedanken von Kardinal Bergoglio, die schließlich wörtlich in das Schlussdokument von Aparecida übernommen wurden. Mit diesen Aussagen kann sich der 1943 in Kleve geborene und in Kellen aufgewachsene Norbert Arntz, dem am morgigen Samstag, 24. Mai, im Frankfurter Dom der Walter-Dirks-Preis überreicht wird, voll identifizieren. Mit Leidenschaft setzt sich der Pfarrer, der 1970 in Münster die Priesterweihe empfing, für eine Kirche der Armen ein. Von 1983 bis 1990 hatte er eine "weltkirchliche Lehrzeit" beim Volk der Quechua im südlichen Andenhochland Perus. Ab 2008 war er Mitarbeiter im Pastoralteam der Pfarre Heilige Dreifaltigkeit in Kleve-Kellen und Begleiter für Eine-Welt-Solidaritätsgruppen am Niederrhein. Ausdrücklich bekräftigt Arntz den Katakombenpakt "für eine dienende und arme Kirche."

Papst Johannes XXIII. hatte vier Wochen vor dem Konzil das Leitwort ausgegeben: "Die Kirche ist zwar die Kirche aller, aber vornehmlich die Kirche der Armen." Diesem Leitwort folgten 1965 in den Domitilla-Katakomben 40 Bischöfe der ganzen Welt, die versprachen, ein einfaches Leben zu führen, den Machtinsignien zu entsagen, sowie einen Pakt mit den Armen zu schließen. Später schlossen sich weitere 500 Bischöfe dieser Verpflichtung an. Pfarrer Arntz hat den Katakombenpakt, das Aparecida-Dokument sowie zahlreiche Werke lateinamerikanischer Befreiungstheologen übersetzt. Der Walter-Dirks-Preis ist mit 2 500 Euro dotiert, die der Preisträger dem Institut für Theologie und Politik in Münster zuwenden will. Eine unabhängige Jury ehrt damit den Klever Geistlichen für seinen langjährigen Einsatz für eine Reform der Kirche. Seine "entschiedene Solidarität mit den Armen, der politische Einsatz für Gerechtigkeit und die notwendige Umkehr zu einer Einfachheit in der Amtsführung" seien wegweisend für die gegenwärtige gesamtkirchliche Aufbruchsituation mit Papst Franziskus, heißt es in einer Erklärung zur morgigen Preisverleihung.

(RP)