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Kreis Kleve: Jugendliche werden zum Problem-Fall

Kreis Kleve : Jugendliche werden zum Problem-Fall

Im Kreis Kleve gibt es keine Möglichkeit, auffällig gewordene Jugendliche in einer geschlossenen Erziehungs-Einrichtung unterzubringen. Dies hat eine Anfrage des Kreisjugendamtes beim zuständigen Landesjugendamt ergeben.

Deswegen beschloss der Jugendhilfeausschuss des Kreises Kleve gestern einstimmig eine von der CDU-Fraktion erarbeitete Resolution, in der das NRW-Landesministerium für Kinder, Jugend, Kultur und Sport aufgefordert wird, ein "bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen für eine richterlich angeordnete geschlossene Unterbringung in der Jugendhilfe" bereitzustellen.

Hintergrund ist nach RP-Informationen der Fall einer 15-Jährigen aus Kalkar, die im Oktober gemeinsam mit zwei Gleichaltrigen in der Kalkarer Innenstadt 103 Fahrzeuge zerkratzt und mehre Fensterscheiben eingeworfen hatte (wir berichteten). Während ihre Mittäter, ein 15-jähriges Mädchen aus Goch und ein 15-jähriger Junge aus Kalkar, wieder der Fürsorge ihrer Eltern anheim gegeben wurden, übergab die Polizei die 15-Jährige aus Kalkar nach einer entsprechenden richterlichen Verfügung in die Obhut des Kreisjugendamts. Dieses wollte das Mädchen in einem Heim unterbringen. Jedoch war das Landesjugendamt nicht in der Lage, eine solche geschlossene Jugendhilfeeinrichtung auszuweisen.

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Landrat Wolfgang Spreen nannte es im Jugendhilfeausschuss "sehr verblüffend, dass eine Entscheidung eines nordrhein-westfälischen Gerichts vom Jugendamt umzusetzen ist, es aber kein Angebot für eine geschlossene Einrichtung gibt". Frank Unruh, der Leiter des Kreisjugendamts, wies darauf hin, dass es nur in Baden-Würtemberg und in Bayern entsprechende Einrichtungen gebe. "Wenn wir uns ans Landesjugendamt wenden, erhalten wir die Auskunft, dass wir doch dort um eine Unterbringung bitten sollen", sagte Unruh.

Weiteres Thema im Jugendhilfeausschuss war die Betreuung unter Dreijähriger. Das statistische Landesamt IT NRW hatte errechnet, dass die Betreuungsqute von Kindern unter drei Jahren in den elf Kommunen, die vom Kreisjugendamt betreut werden, im vergangenen Kindergarten insgesamt bei 12,1 Prozent (362 Plätze) lag. Für Landrat Wolfgang Spreen ist diese Quote nicht nachvollziehbar. "Durch den ständigen Ausbau können wir inzwischen in 64 Kindertagesstätten insgesamt 528 Mal eine Betreuung für unter Dreijährige Kinder anbieten. Zusätzlich stehen in den elf Kommunen 500 Tagespflegeplätze zur Verfügung. Damit liegt das Betreuungsangebot insgesamt bei rund 35 Prozent bzw. 1028 Plätze", sagte Spreen.

(RP/jul)