Kleve: Jugend in Benin zu Armut und Flucht

Kleve: Jugend in Benin zu Armut und Flucht

Der Klever Verein "Pro Dogbo" fördert Bildungsprojekte für junge Menschen in Benin in Westafrika, konkret in der Gemeinde Dogbo. Er lässt junge Leute dort zu Wort kommen: Was denken sie über die Fluchtbewegungen in der Welt?

Die Welt ist vernetzt und miteinander verbunden. Die Menschen in Benin wissen um die Fluchtbewegung von Afrika nach Europa. Der Klever Verein "Pro Dogbo" fördert Bildungsprojekte in der Gemeinde Dogbo in Benin, Westafrika, um der Jugend dort eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben. Die Aktiven wissen, dass auch die jungen Leute in Dogbo sich so ihre Gedanken machen und überlegen, ob sie sich ebenfalls auf den Weg machen sollen.

Akossiwa Marie Toulassi ist 18 Jahre alt. Sie sagt: "Was wir brauchen, sind mehr Ausbildungsmöglichkeiten." Foto: Pro Dogbo

Ihr Bild von Europa sei oft geschönt und verzerrt, resümiert der Verein Pro Dogbo. Viele Vorstellungen der befragten jungen Menschen seien "geprägt vom Hören-Sagen - und eigentlich, so liest man heraus, wollen sie ihre Heimat gar nicht um jeden Preis verlassen", schlussfolgert Pro Dogbo. "Aber sie suchen eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien."

Assou Johnson Sossou ist 24 Jahre alt. Aus seinem Traumberuf wird nichts. Foto: Pro Dogbo

Einige junge Menschen stehen hier mit ihren Ansichten für viele weitere.

Perpeture Claire Koutekpo, 18 Jahre, sagt: Viele haben keine Perspektive. Foto: Pro Dogbo

Assou Johnsonne Sossou, ledig, 24 Jahre: "Ich verstehe, warum viele Leute Afrika verlassen. Hier in Benin zum Beispiel findet man nach der Ausbildung oder dem Studium keine Arbeit. Anderswo gibt es keine Freiheit oder gar Krieg. Auch ich würde gehen, wenn ich nach meinem Studium keine Arbeit finde. Mein Berufswunsch war Sportlehrer, doch weil ich das Abitur erst nach drei Versuchen geschafft habe, bin ich nun für dieses Studium zu alt. Ich muss mir etwas anderes suchen."

Euloge Gayizoun ist 24 Jahre alt. Sein Wunsch: "Ich möchte mit meiner Arbeit meinen Lebensunterhalt finanzieren können." Foto: Pro Dogbo
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Akossiwa Marie Toulassi, Auszubildende, 18 Jahre: "Mein Traum ist, einmal Tänzerin zu werden. Da das noch nicht geklappt hat, möchte ich nun eine Pâtisserie-Ausbildung machen. Die Leute wollen aus Afrika weg, da es hier kaum Arbeit gibt, nichts läuft. Es fehlt an Freiheit, Arbeit, Wohnungen, Bildung und es gibt viele Kriege. Was wir brauchen, sind mehr Ausbildungsmöglichkeiten für junge Leute. Auch ich würde gehen. Aber man verlässt eigentlich sein Land nicht. Wenn nur die Bedingungen hier anders wären..."

Bogard Luc Bosse, verheiratet, Vater einer Tochter, 29 Jahre, Schuhmacher: "Wir hören hier natürlich, dass viele nach Europa wollen, wo keine Arbeitslosigkeit ist und es viel zu tun gibt. Auch ich möchte dorthin - um meine kleine Werkstatt weiterzuentwickeln. Ich brauche Geräte und Maschinen. Das ist mein Traum: eine moderne Einrichtung für mein Atelier, gute Maschinen - oder eine Handwerksausbildung in Europa, um hier meine Werkstatt auszubauen. Wenn ich so etwas hätte..."

Euloge Gayizoun, ledig, 24 Jahre: "Ich möchte mit meiner Arbeit meinen Lebensunterhalt finanzieren können. Wenn ich höre, dass viele Afrikaner nach Europa wollen, dann denke ich, Ja! - ich möchte auch ein besseres Leben haben, mein Land verlassen, um in Europa zu leben. Ich habe eine Lehre als Taxifahrer gemacht. Mein Traum wäre es, den Führerschein machen zu können. Heute helfe ich meiner Mutter dabei, ,Bouille' [heißer Maisbrei] zu verkaufen. So halte ich mich ein wenig über Wasser."

Perpeture Claire Marime Koutekpo, ledig, 18 Jahre, Studentin: "Ja, viele Afrikaner wollen gehen, weil es für sie nach dem Studium oder der Ausbildung keine Perspektive hier gibt. Dazu kommt die Armut und Arbeitslosigkeit. Ich würde auch gehen. In Europa kann man gut leben, dort ist es schön. Keine Armut, keine Arbeitslosigkeit. Mein Wunsch ist es, Lehrerin für Deutsch zu werden - oder in der Gastronomie zu arbeiten."

(RP)