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Bundespräsident besucht Kleve: Joachim Gauck predigt das gelebte Europa

Bundespräsident besucht Kleve : Joachim Gauck predigt das gelebte Europa

Bei dem Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Kleve erinnerte vieles an seine Vergangenheit als Pfarrer. Die Botschaft, die Gauck verkündet, handelt von einem vereinten Europa.

Joachim Gaucks Tag in Kleve mutete an wie eine Predigt. In einer guten Predigt steht nicht nur das Wort im Zentrum, sondern auch die Tat. Zudem wird Geistlichen in der Ausbildung empfohlen, Neues, Wichtiges und Richtiges in die Predigt einzubauen. Auch von einem Bundespräsidenten erwartet man das. Bei seiner Rede im Museum Kurhaus in Kleve bietet Gauck viel Neues. Spontan weicht er vom Plan ab. Als ihm ein Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes eine Mappe reicht, sagt Gauck: "Ich lasse mal mein Manuskript zugeschlagen. So ist die Sprache des Herzens einfacher zu finden."

Kleve ist keine Metropole und steht trotzdem für gelebtes Europa

Neu ist sicherlich auch das Ziel, das Gauck angesteuert hat. Nach Staatsbesuchen in Prag und Istanbul und einem Besuch beim Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin, ist es Kleve, das den Bundespräsidenten empfängt. "Es ist ungewöhnlich, dass sich der Bundespräsident eine Stadt wie Kleve ausgesucht hat, die keine Metropole ist", erklärt Gauck. Die Wahl der Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden begründete Gauck im Museum Kurhaus mit einem persönlichen Erlebnis. "Im letzten Jahr hatte ich eine zu Herzen gehende Begegnung mit der niederländischen Königin zum Tag der Befreiung in Breda", sagte der Bundespräsident. Entlang der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden werde laut Gauck Europa gelebt.

Ein gelebtes Europa, das ist es, was Joachim Gauck an diesem Tag wichtig war. Sein Anliegen war auch, auf die Europawahl hinzuweisen. Wer eigentlich nicht zur Wahl gehen wolle, solle zumindest das wählen, was er für ein wenig besser hält als das Andere. Für den Bundespräsidenten sind die Deutschen nicht nur Konsumenten, sondern auch Bürger. So traut er ihnen zu, sich ein wenig über Parteien und Programme zu informieren - so wie wir uns auch über Produkte und das Fernsehprogramm informieren. Wenn Gauck über Politik spricht, geht es ihm immer um das zwischenmenschliche. Europa ist für ihn Zusammenleben und eben keine Bürokratie. Wenn es um das Zusammenwachsen Europas nach dem Zweiten Weltkrieg geht, spricht Gauck von einer Schuld, die Deutschland überwunden habe. Überwundene Schuld und "Sprache des Herzens" - es sind diese Worte, die Gauck als ehemaligen Pfarrer ausweisen.

Gauck predigt in Wort und Tat

Neben den Worten, sind es auch die Taten, mit denen Gauck seine "Predigt" vom gelebten Europa untermalte. Der Präsident wirkte an diesem Tag besonnen, nahm sich Zeit für die Fotografen und vor allem für die Bürger. Im Kurhaus sprach er von dem Engagement der Klever für ihr Museum und den Einsatz in Vereinen. Nach dem Empfang im Kurhaus ging es für den Bundespräsidenten in die Innenstadt von Kleve.

Dort sorgte sich Gauck um seine Bürger. Die Sicherheitsleute konnten nach dem Halt der Limousine kaum folgen. Schon stand Gauck in einer Traube von Menschen. Er schüttelte Hände, sprach mit Jugendlichen. Wie auch in Gesprächen mit Politikern und Bürgern im Kurhaus hörte der Bundespräsident hier gespannt zu. Günter Goris aus Kleve hat Joachim Gauck kurz nach dessen Ankunft in der Innenstadt miterlebt. Er meinte, beim Bundespräsident einen Hauch des Geistlichen gespürt zu haben. "Die Steigerung zum Besuch des Bundespräsidenten wäre der Papst und dann der Herrgott selbst", sagte er scherzhaft.

Im Anschluss an den Spaziergang durch die Innenstadt diskutierte Joachim Gauck mit Studenten der Hochschule Rhein-Waal. Dabei bezog Gauck auch Stellung zur aktuellen politischen Situation in der Ukraine.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Joachim Gauck besucht Kleve

(ac)