Karneval in Kalkar: Jetzt geht's los

Karneval in Kalkar: Jetzt geht's los

Altweiber 2018: Das war der Karnevalszug in Kalkar

Traditionell hat an Altweiber Kalkar den Startschuss zum Straßenkarneval im Nordkreis Kleve gegeben. Seit 16.11 Uhr regiert offiziell die KKG. Die Narren trotzen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Paul I. und Amadea I. sind Kinderprinzenpaar.

Britta Schulz hat es sich auf dem Rathausplatz gemütlich gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Um 16.11 Uhr liegt die Bürgermeisterin in einem großen Bett auf der Treppe des Rathauses, direkt unter dem Stadtwappen. In Nachthemd und mit Zipfelmütze kuschelt sie sich in die Laken. Am Altweiber-Donnerstag soll sie aber die Macht über die Stadt abgeben, an die Narren aus Kalkar.

Mit etwa 30 Mitarbeitern hat sich die Bürgermeisterin als die "Schlafmützen der Verwaltung" verkleidet. Sie scheut nicht, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, und sie hat sich vorgenommen, den Narren zu trotzen. So müssen die Karnevalisten das Stadtoberhaupt erst aufwecken, bevor sie das Rathaus stürmen können. "Du wirst doch wohl noch eine Frau aus dem Bett kriegen", sagt Britta Schulz zu Paul Jamin, Vorsitzender der Kalkarer Karnevals Gesellschaft (KKG).

Funkenmariechen Alina versucht ihr Bestes und pikst Britta Schulz mit einer hölzernen Lanze. Doch das scheint die Schlafmütze nicht zu stören. Erst als Bürgermeisterin und Funkenmariechen sich um das Kopfkissen reißen, findet Alina im Bezug den großen goldenen Schlüssel fürs Rathaus. Die Narren haben offiziell die Stadt übernommen.

Selbst als Oberhaupt auf Zeit würde Paul Jamin nichts anders machen als die Bürgermeisterin. "Ich muss die Stadtverwaltung wirklich loben", sagt er. "Für die neue After-Zoch-Party in der Bürgerbegegnungsstätte Altkalkar wurden uns keinerlei Steine in den Weg gelegt. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit hat wunderbar funktioniert."

Die Feier hatte in den vergangenen Jahren immer in der Kaserne stattgefunden. Nun musste sie erstmals in die Halle an der Birkenallee umziehen. "Die Stadt hat alles Bürokratische schnell erledigt, Flyer und Plakate für uns gedruckt", sagt Paul Jamin. "Für mich war klar, dass wir eine neue Party in Kalkar brauchen", sagt Britta Schulz. "Sonst laufen uns die Leute weg und dann gäbe es irgendwann auch keinen Karnevalszug mehr."

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So weit wollen es Stadt und KKG nicht kommen lassen, schließlich zieht der Zug an Altweiber auch Besucher aus den umliegenden Orten an. So wie Volker und Michaela Bergmann aus Bedburg-Hau, die als Clowns verkleidet mit ihren Kindern am Straßenrand feiern. "Der Karnevalszug ist so schön klein und übersichtlich", sagt Michaela Bergmann. "Da kann unsere Tochter noch einmal selbst feiern, bevor sie am Montag mit auf dem Wagen steht."

Hans und Veronika Peters sind ebenfalls aus Bedburg-Hau nach Kalkar gekommen - zum ersten Mal mit ihrer Enkelin. Die vierjährige Lea sitzt im Einhornkostüm bei ihrem Opa auf den Schultern und beobachtet gespannt den Beginn des Zugs. "Es ist etwas ganz anderes, mit der Enkeltochter Karneval zu feiern", sagt Veronika Peters. "Man hat als Rentner mehr Zeit als bei denen eigenen Kindern. Und man sieht das ganze Treiben aus den Augen der Kleinen."

Eine schöne Einstimmung sei der erste Zoch in der Gegend, sagen Martina Burgknecht aus Kalkar und Petra Scholten aus Uedem. Als Rehe verkleidet genießen die Freundinnen die Sonne am Rand des Karnevalszugs. "Wir sind in diesem Jahr das erste Mal hier, aber es wird bestimmt nicht das letzte Mal sein", sagt Martina Burgknecht.

Noch früher am Tag war die große Zeit der jungen Regenten gekommen: Bei der Proklamation des Kinderprinzenpaares. Nun regieren Paul I. und Amadea I. offiziell die Heinrich-Eger-Grundschule. Dafür holten die Möhnen die Kinder aus der Klasse 4b eigens aus der Grundschule ab, die entmachteten Lehrer begleiteten das Prinzenpaar. Bürgermeisterin Britta Schulz und Heike Rodermond, Vorsitzende des Kinderkarneval-Komitees, hoben den Nachwuchs dann feierlich auf den Thron.

Für die Kalkarer Bürgermeisterin bedeutet das Wochenende trotz Machtübernahme durch die Narren aber einen vollen Terminkalender. Nur der Montag, der ist auch für Britta Schulz frei. "Da feiere ich dann auch privat kein Karneval mehr", sagt sie. "Da habe ich die Schnauze voll."

(veke)